Alte Pläne neu diskutieren Soll Bahnübergang in Hoykenkamp geschlossen werden?

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Hoykenkamp. Die Ganderkeseer Ratspolitiker wollen über alte Pläne neu diskutieren. Dabei geht es darum, ob man den Bahnübergang auf der Straße Auf dem Hohenborn in Hoykenkamp schließen sollte und wie der Verkehr dann umgeleitet werden könnte.

Soll der Bahnübergang auf der Straße Auf dem Hohenborn geschlossen werden? Oder soll es so bleiben, wie es ist? Mit diesen Fragen wollen sich die Ganderkeseer Ratsvertreter demnächst wieder beschäftigen, nachdem sie die Pläne vor vielen Jahren in die Schublade gelegt hatten. Damals ging es unter anderem um die Finanzierung des gesamten Projekts und um die Angst, dass im Zuge des Baus der B212neu mit der Anbindung ans Bremer Güterverkehrszentrum zusätzlicher Schwerlastverkehr Richtung A28 über Ganderkeseer Gebiet und dann eben über Hoykenkamp fahren würde.

Anstoß im Finanzausschuss

Mitte Dezember vergangenen Jahres kam das Thema erneut auf den Tisch – diesmal im Finanzausschuss. Der Grund: Es waren noch Planungsmittel in Höhe von 50.000 Euro für den Haushalt 2018 vermerkt, die inzwischen allerdings mehrheitlich für dieses Jahr gecancelt wurden. Nicht gestrichen wurde dagegen die Idee: „Wir wollen in dieses Thema neu einsteigen“, hatte Bürgermeisterin Alice Gerken betont. In diesem Jahr soll es neue Gespräche geben.

„Zusage gegenüber Anwohnen“

Das trifft vor allem bei Ratsherr Hans-Jürgen Hespe (FDP) auf vollste Zustimmung. Den Anliegern des Hohenborns sei damals zugesagt worden, etwas gegen die Belastung durch den Schwerlastverkehr auf der Straße zu tun. „Ich nehme das ernst. Wir stehen da im Wort“, so Hespe, der nach wie vor die ursprünglichen Vorschläge im Hinterkopf hat: Danach sollte die Straße Am Buschhagen, die nordöstlich der Bahn von der Schierbroker Straße ins Gewerbegebiet Hoykenkamp führt, verlängert werden. Sie sollte dann über eine Brücke über die Bahn und einerseits auf eine neue Verlängerung der Straße Querspange und andererseits auf eine Verbindungsstraße zum Quellenweg führen. Dann könnte der Bahnübergang abgeschafft werden. Dann würden nur noch Lastwagen der Firma Kaupat, die am Hohenborn zu Hause ist, die Straße nutzen.

Häger: Kein Fass aufmachen wegen B212neu

Damit kann sich auch Heinz-Peter Häger (SPD) anfreunden, zumal das Gewerbegebiet Hoykenkamp besser eingebunden werden könnte und weil sich nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz an dem ganzen Projekt Gemeinde, Bund und Bahn zu gleichen Teilen finanziell beteiligen würden. „Es darf aber nicht wieder das Fass aufgemacht werden, wenn es um eine Entlastung im Zuge der B212neu und damit mehr Verkehr geht“, warnt Häger.

Mittag: Entlastungsstraße vom Tisch

„Diese Verkehre wollen wir nicht“, sagt auch CDU-Ratsherr Günther Runge. Viele Ratsmitglieder glaubten, das sei vom Tisch. „Ich bin aber nach wie vor skeptisch, solange nicht alles in trockenen Tüchern ist“, so Runge. Für die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag ist dagegen seit Mitte 2016 klar: „Die Entlastungsstraße für die Gemeinde Ganderkesee ist vom Tisch.“

Straße zum Quellenweg nicht möglich

Vom Tisch oder zumindest „auf unbestimmte Zeit verschoben“ ist allerdings auch der Bau einer entlastenden Straße zum Quellenweg, weiß Peter Meyer, Fachbereichsleiter Gemeindeentwicklung. In diesem Bereich liegt der ehemalige Pferdezuchtbetrieb Vietor, heute: Pferd24, der vor etwa zehn Jahren nach mehreren Gutachten erfolgreich nachweisen konnte, dass das Unternehmen durch den Bau einer Straße, die Hof und Weidegründe voneinander abgetrennt hätte, in seiner Existenz gefährdet sei. „Das gilt auch heute noch“, sagt Elke Vietor, die den Betrieb 2013 verkauft hatte. Es sei allerdings nach wie vor Beschlusslage, eine Straße zum Quellenweg zu bauen, erläutert Meyer.

Grundstück parallel zur Bahn noch nicht gekauft

In Gemeindebesitz ist nach Angaben des Fachbereichsleiters auch noch nicht das Grundstück parallel zur Bahn, auf dem die Querspange um rund 220 Meter verlängert werden könnte. Dagegen sei auf der anderen Seite der Bahnstrecke alles geregelt: Die Fläche gehöre der Gemeinde. Und die ersten Planungen für eine Brücke über die an dieser Stelle tiefer liegenden Bahngleise seien bereits abgeschlossen.

Bahn ist weiterhin interessiert

Darüber hinaus ist die Bahn laut Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis aus Hamburg auch weiterhin daran interessiert, den Bahnübergang am Hohenborn zu schließen und sich finanziell zu beteiligen. Im vergangenen Jahr sei die Bahn erneut aktiv geworden und habe bei der Gemeinde angefragt. Daraufhin habe es als Antwort gegeben, man sei „derzeit noch in der Ideenfindungsphase“, so der Bahnsprecher gegenüber dem dk.

Bisher keine Kostenschätzung

Was das Ganze kosten könnte, ist nach Angaben des Fachbereichsleiters allerdings nicht bekannt: „Es hat bisher keine Kostenschätzung gegeben. Aber es würde um ein Millionen-Projekt gehen.“

Entlastung nordöstlich der Bahngleise

Ein altes Projekt soll wieder diskutiert werden: Allerdings hat die Straße zum Quellenweg (blau) kaum Aussichten auf Verwirklichung, die Straße über die Bahn auf ein neues Stück Querspange (rot) schon eher. Kartendaten: GeoBasis-DE/BKG, Google/ Grafik: Jan Eric Fiedler

Fakt ist dagegen: Für die Anlieger des Hohenborns südwestlich der Bahn würde es keine weitere Entlastung geben, allerdings für diejenigen nordöstlich der Gleise. Und die schimpfen nach wie vor über den Schwerlastverkehr auf ihrer sanierten Straße, der nach Auffassung einiger Anwohner inzwischen sogar aus Richtung Bremen kommen würde.


Zwei weitere Bahnübergänge sollten geschlossen werden

Vor rund 15 Jahren hat es nach Angaben von Peter Meyer, Fachbereichsleiter Gemeindeentwicklung, bereits ein Planfeststellungsverfahren gegeben, in dem es darum ging, möglicherweise die drei Bahnübergänge am Sahrener Weg in Schierbrok sowie an der Straße Auf dem Hohenborn und an der Fockestraße in Hoykenkamp zu schließen.

Das hätte zur Folge gehabt, dass der Sahrener Weg südwestlich der Bahn bis zum Trendelbuscher Weg hätte ausgebaut werden müssen. Die Anlieger hätten sich damals gegen diese Pläne gewehrt, erinnert sich Meyer. Sie seien auch mit der Art der Bausausführung nicht einverstanden gewesen. Und der Eigentümer habe sein Grundstück mit dem sandigen Sahrener Weg nicht verkaufen wollen. „So hätte es nur die Zuwegung über den Quellenweg gegeben. Und das konnten wir niemandem zumuten“, sagt der Fachbereichsleiter. Damit sei eine Schließung des Bahnübergangs vom Tisch gewesen.

Ähnliches habe dann für den Übergang Fockestraße gegolten. Damals hatte Meyer bei einer Versammlung des Ortsvereins Hoykenkamp die Idee mit dem Neubau der Straße Querspange und einem Fußgängertunnel vorgestellt. „Ich hatte den Eindruck, dass die Bürger sich 100-prozentig einig waren, den Bahnübergang zu behalten“, so der Fachbereichsleiter: Daraufhin haben wir gemeinsam gesagt: Wir verzichten auf die Sperrung.“ Die Bundesbahn, die sich nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz zu einem Drittel an den Umbauprojekten beteiligt hätte (dazu ein Drittel Gemeinde und ein Drittel Bund), sei enttäuscht gewesen. ken

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