Landwirte im dk-Interview Wolf rückt auch Kälbern in Ganderkesee auf die Pelle

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Erwarten von Ministerin Otte-Kinast (CDU) mehr Verständnis für die Landwirtschaft: Rainer Bücking (links) und Lars Hüneke auf dem Hof am Steenhafer Berg. Foto: Melanie HohmannErwarten von Ministerin Otte-Kinast (CDU) mehr Verständnis für die Landwirtschaft: Rainer Bücking (links) und Lars Hüneke auf dem Hof am Steenhafer Berg. Foto: Melanie Hohmann

Ganderkesee. Ministerin Otte-Kinast besucht im Februar die Junglandwirte aus Ganderkesee und Umgebung. Die Landwirte erwarten von ihr mehr Verständnis für ihre Sorgen.

In den vergangenen fünf Jahren war das Verhältnis zwischen den Landwirten in Niedersachsen und dem Landwirtschaftsministerium in Hannover zumeist getrübt. Seitdem die CDU-Politikerin Barbara Otte-Kinast, selbst vom Fach, im November 2017 Christian Meyer (Grüne) als Landwirtschaftsministerin abgelöst hat, stehen die Zeichen auf eine deutliche Verbesserung der Gesprächsatmosphäre. Das erklären Rainer Bücking und Lars Hüneke, Landwirte aus Ganderkesee und Vertreter des Ortslandvolks, im dk-Interview. Otte-Kinast wird am Montag, 26. Februar, beim Junglandwirtetag im Hotel Backenköhler in Stenum zu Gast sein. Bücking und Hüneke nehmen im Interview auch Stellung zu Themen, die die Bauern umtreiben, von der Gülleverordnung bis zum vermehrten Auftreten des Wolfs.

dk: Herr Bücking, Herr Hüneke, ein politischer Wechsel in der Führung eines Ministeriums bedeutet auch die Chance eines Neustarts. Barbara Otte-Kinast kommt selbst aus der Landwirtschaft. Fühlen sich die Bauern jetzt mit ihren Standpunkten, Sorgen und Problemen besser verstanden als zuvor unter Rot-Grün?

Rainer Bücking: Die Gesprächsatmosphäre zwischen uns Landwirten und der Landesregierung ist jetzt deutlich besser. Es ist zwar noch zu früh, zu sagen, was bei den Gesprächen herauskommt. Aber ich bin guter Hoffnung, dass sich da ein Wandel zum Positiven vollzieht.

Woran hat es denn in den vergangenen Jahren gehapert?

Bücking: Das Problem war, dass Christian Meyer als Landwirtschaftsminister nicht nach fachlichen und praktischen Gesichtspunkten gehandelt hat, sondern nach ideologischen. Wir haben uns gegängelt gefühlt.

Lars Hüneke: Und er hat versucht, die konventionell wirtschaftenden Betriebe und die Biobetriebe gegeneinander auszuspielen.

Allerdings hat die Ministerin angekündigt, nicht alles rückgängig machen zu wollen, was Meyer vorangetrieben hat, Stichwort: Tierschutzplan und der Verzicht, die Schwänze von Ferkeln zu kürzen. Wie stehen Sie dazu?

Bücking: Als Schweinehalter halte ich es für sinnvoll, das Kupieren der Schwänze beizubehalten, gerade aus Tierschutzgründen. Schweine haben einen intensiven Spieltrieb und kauen an allem herum, was sie zur Verfügung haben, also auch an den Schwänzen der anderen Schweine. Wir verhindern das, indem wir bei den ganz kleinen Ferkeln das letzte Drittel des Schwanzes kürzen, wo sie kaum Schmerzrezeptoren haben. Das ist aktiver Tierschutz.

Ein Konfliktpunkt zwischen Bauern und Politik ist das intensive Ausbringen der Gülle, die als Hauptursache für die hohe Nitratbelastung des Grundwassers gilt. Was stört sie am Neuen in der Gülleverordnung?

Hüneke: Wir müssen sehr viel schärfere Regeln einhalten und alles genauestens dokumentieren. Die Düngung muss schon im Januar für das ganze Jahr im Voraus geplant werden, dabei wissen wir doch noch gar nicht, wie sich das Wetter entwickelt und welchen Nährstoffbedarf die Pflanzen haben.

Bücking: Die Gülle bedarfsgerecht auszubringen, macht wirtschaftlich mehr Sinn, als teuren Dünger zuzukaufen. Der Grundwasserschutz ist auch uns wichtig. Es muss aber auch vernünftige Ursachenforschung zur Nitratbelastung betrieben werden.

Was brennt Ihnen noch auf den Nägeln?

Hüneke: Ein Problem sehe ich bei den Beschränkungen im Baurecht. Viele Junglandwirte wollen ihren Hof weiterentwickeln und auch zur Verbesserung des Tierwohls größere, offene und artgerechtere Ställe bauen. Das Baurecht ist aber so starr, dass das oft nicht möglich ist.

Bücking: Was mir Sorgen bereitet, ist das Thema Wolf. Die Ansiedlung des Wolfes in unserer dicht besiedelten Region halte ich grundsätzlich für falsch. Ich hoffe, dass da ein Umdenken stattfindet. Der Wolfsbestand verdoppelt sich alle drei Jahre, und die Gefährdung unserer Weidetiere wird vermehrt auch auf uns im Landkreis Oldenburg zukommen. Ich habe zwei Herden Jungrinder draußen auf der Weide stehen, die sind vom Wolf bedroht.

Diskutiert wird deshalb über eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht.

Bücking: Wir sind beide selber Jäger und stehen dem skeptisch gegenüber, weil so nur die Verantwortung auf die Jäger abgewälzt würde.

Wer soll das Problem lösen?

Hüneke: Darüber muss sich die Landesregierung Gedanken machen. Wir brauchen eine praxistaugliche Lösung. Weidetiere wolfssicher einzuzäunen, wie gefordert wird, würde jedenfalls nichts bringen und die gesamte Landschaft verbarrikadieren.


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