Feuerfestigkeit von Fassadendämmung Ganderkeseerin mit Brandschutz zum Ingenieurpreis

Von Bettina Dogs-Prößler

Die Ganderkeseer Studentin Daniela Eilers hat für ihre Bachelorarbeit nicht nur von ihrem Professor Dr. Jan Middelberg Lob erhalten – auch die Bremer Ingenieure hat sie überzeugt.Foto: Jade-HS/Die Ganderkeseer Studentin Daniela Eilers hat für ihre Bachelorarbeit nicht nur von ihrem Professor Dr. Jan Middelberg Lob erhalten – auch die Bremer Ingenieure hat sie überzeugt.Foto: Jade-HS/

Ganderkesee/Oldenburg. Für ihre Bachelorarbeit hat die angehende Bauingenieurin Daniela Eilers den Brandschutz von Häuserfassaden geprüft. Das Ergebnis hat ihr jetzt den Bremer Ingenieurpreis 2017 eingebracht.

Die Bedeutung des Begriffes „Brandriegel“ erschließt sich dem Laien nicht sofort. Tatsächlich verbirgt sich hinter diesem unscheinbar klingenden Wort eine lebenswichtige Absicherung für alle, die in wärmegedämmten Häusern wohnen.

Schutzstreifen in der Fassadendämmung

Sogenannte Brandriegel sind nicht brennbare Schutzstreifen in der Fassadendämmung. Und ein brandaktuelles Thema, das der Ganderkeseerin Daniela Eilers jetzt den Bremer Ingenieurpreis 2017 eingebracht hat.

Welche Schwächen Brandriegel jedoch haben, hat die 24-jährige Studentin des Bauingenieurwesens zum ersten Mal 2011 erlebt.

Großbrand in Delmenhorst

„Es war bei einem meiner ersten Einsätze als Feuerwehrfrau“, schildert die Ganderkeseerin. Sie und ihre Kameraden waren zu einem Großbrand nach Delmenhorst alarmiert worden; Jugendliche hatten zwischen zwei Nileg-Wohnblöcken an der Bremer Straße Müllcontainer angesteckt.

Dämmmaterial Polystyrol

Durch den hölzernen Unterstand entwickelte das Feuer eine derartige Hitze, dass sich der Brand innerhalb kürzester Zeit auf die Wohnhäuser ausbreitete. Ausschlaggebend dafür war offenbar auch das Dämmmaterial Polystyrol in den Fassaden, das das Feuer noch zusätzlich angefacht haben soll. „Da konnten auch normale Brandriegel nicht mehr helfen“, sagt Daniela Eilers.

Bauingenieursstudium an der Jade-Hochschule

Die junge Studentin nimmt das Thema mit in ihr Bauingenieursstudium an der Jade-Hochschule Oldenburg und widmet ihm schließlich ihre Bachelorarbeit. „Auslöser, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, war, dass das Wärmedämmverbundsystem zwar zu den wirkungsvollsten und wirtschaftlichsten Dämmtechniken gehört, es in den letzten Jahren aber immer wieder zu größeren Bränden kam, bei denen das brennbare Verbundsystem aus Polystyrol eine größere Rolle spielen soll“, schildert sie.

Dem Feuer kaum was entgegenzusetzen

Bekannt ist Polystyrol vor allem als Styropor, das zwar hervorragend dämmt, einem Feuer aber mitunter kaum was entgegenzusetzen hat. „Die Brandriegel, um die es in meiner Arbeit geht, sind die Brandschutzmaßnahme in brennbaren Wärmedämmverbundsystemen“, erklärt die Studentin. Also Streifen aus nicht brennbarer Mineralwolle, die die Fassadendämmung unterbrechen, um so die Ausbreitung eines Feuers zu erschweren. „Geprüft sind diese Verbundsysteme allerdings nur an sogenannten Normfeuern“, erklärt die Ganderkeseerin.

Rechtlichen Grundlagen geändert

Die Realität aber sehe oft anders aus. „Dazu kommt, dass sich 2016 die rechtlichen Grundlagen geändert haben.“ Die seien dann ebenfalls in der Arbeit überprüft worden.

Und so hat die angehende Bauingenieurin mit Unterstützung ihres Professors Dr. Jan Middelberg und den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Ganderkesee auf dem Gelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale mehrere Brände im Auftrag der Wissenschaft gelegt.

Versuchsreihe gestartet

An den Versuchen beteiligt waren auch verschiedene lokale Unternehmen, „ohne die ich meine Versuchsreihe nicht hätte umsetzen können“. Vor allem die Firmen Rigbers Malermeister, Garms Baustoffe, Hartmut Spiekermann, Bau-ABC Rostrup und Holzland Vogt hätten die notwendigen Experimente erst ermöglicht.

Die Feuerwehrfrau kommt unter anderem schließlich zu dem Ergebnis, dass schon die Ausgangsbedingungen innerhalb des Normierungsverfahrens nicht der Realität entsprächen.

Reicht ein „Normfeuer“ zur Prüfung aus?

„Die meisten Brände, die im Realfall von außen auf Fassaden einwirken, sind deutlich stärker, als die Feuer, die zur Überprüfung der Norm zugrunde gelegt werden.“ Man müsse sich also die Frage stellen, ob das jetzige Normfeuer wirklich als ausreichende Brandlast für die Tests verwendet werden sollte.

Ergebnis ihrer Experimente überzeugt

hat nicht nur die sie betreuenden Professoren überzeugt, auch der Bremer Bezirksverein des Vereins Deutscher Ingenieure war von der Bachelorarbeit der 24-Jährigen angetan. Der Lohn ihrer nicht ganz ungefährlichen Versuche: der mit 1000 Euro dotierte Bremer Ingenieurpreis 2017.