Ratsfrau Steffgen im dk-Interview In Ganderkesee stets Personen mit Einschränkungen im Blick

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Die Ganderkeseer Ratsfrau Susanne Steffgen weist stets auf Missstände im Bereich Barrierefreiheit hin. Symbolfoto: Imago/stock & peopleDie Ganderkeseer Ratsfrau Susanne Steffgen weist stets auf Missstände im Bereich Barrierefreiheit hin. Symbolfoto: Imago/stock & people

Für Susanne Steffgen ist es eine Herzensangelegenheit, sich auch weiterhin politisch für Menschen mit Einschränkungen einzusetzen. Das hat die Ratsfrau der Partei Die Linke mit Grundmandat für den Ausschuss für Soziales und Gesellschaft zum Abschluss der Interview-Reihe mit Ganderkeseer Politikern gegenüber dem dk betont.

dk: Frau Steffgen, über welche Entscheidung innerhalb der Gemeinde Ganderkesee haben Sie sich 2017 am meisten gefreut?

Susanne Steffgen: Dass Umbau und Erweiterung von Sauna-Huus und Freibad mit Kursbecken umgesetzt werden. Ich habe mich sehr gefreut, dass der Rat sich nach so viel Vorarbeit hundertprozentig einig war. Ein herzliches Dankeschön geht auch an Bäderchef Henry Peukert, der sich die Zeit genommen hatte, um mit mir zusammen die Einrichtungen aus dem Blickwinkel von Menschen mit Einschränkungen zu begutachten. Ich danke auch allen Ratsmitgliedern, dass sie meinem Antrag auf barrierefreie Erweiterung zugestimmt haben.

Was war für Sie das größte Ärgernis?

Ich hatte einen Antrag gestellt, dass Menschen mit Einschränkungen die Möglichkeit erhalten sollten, persönlich ins Wahllokal zu kommen. Dieser Antrag wurde leider abgelehnt. Die Begründungen waren haarsträubend und aus der Luft gegriffen. Dann habe ich das Ganze auf eigene Verantwortung umgesetzt – was von den betroffenen Menschen sehr positiv angenommen wurde.

Welche Themen haben im nächsten Jahr absolute Priorität?

Mehr Anerkennung und bessere Wahrnehmung der Bedürfnisse und Interessen von sozial schwachen und eingeschränkten Personen sowie Menschen mit Einschränkungen. Es ist unverständlich, dass Geld höherwertiger gesehen wird als Menschenwürde und Persönlichkeit von Menschen.

Welche wichtigen Themen wurden bisher nur stiefmütterlich behandelt und müssen unbedingt auf den Tisch gebracht werden?

Es muss dringend daran gearbeitet werden, das die Bürgerinnen und Bürger ein stärkeres Wir-Gefühl bekommen, um sich vielleicht auch an der politischen Arbeit zu beteiligen. Es muss auch dringend mehr dafür Sorge getragen werden, dass alle Gruppen und Personenkreise gleichwertig berücksichtigt werden. Und es muss ein Atlas für ganz Ganderkesee her, aus dem zu ersehen ist, wo man mit welcher Barriere rechnen muss. Es ist außerdem ganz wichtig, dass wir mehr für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen haben.

Bei welchen Themen würden Sie am ehesten Kompromisse eingehen?

Bei sehr vielen – solange Sicherheit, Menschenwürde, Teilhabe am öffentlichen Leben, Inklusion, Aufnahme von Flüchtlingen und Integration gewahrt bleiben.

Wie sehen Sie als Ratspolitikerin derzeit die politische Situation in Ganderkesee?

Ich bin davon überzeugt, dass es der Gemeinde sehr gut geht. Es gibt weitaus schlimmere Situationen. Wir wollen nicht klagen und bauen auf die Zukunft.

Wie beurteilen Sie die politischen Diskussionen mit den Fraktionen und der Verwaltung in den Ausschüssen und Ratssitzungen im vergangenen Jahr?

Die Diskussionen sind sehr offen und umfangreich. Jeder von uns hat genügend Raum, um seine Ideen, Wünsche und Bedürfnisse vorzutragen sowie Anträge zu stellen und zu besprechen. Alle gehen sehr gut darauf ein, um eine gute Lösung zu finden. Nur bei der Barriere im Kopf gegenüber Menschen mit Einschränkungen muss sich noch etwas tun. Denn eins muss uns allen klar sein: Wir alle können ganz plötzlich durch Krankheit, Unfall oder Älterwerden in diese Situation kommen.


Zur Person

Susanne Steffgen (53), Ratsfrau der Partei Die Linke, war mit 241 Stimmen in den Ganderkeseer Gemeinderat gewählt worden. Die 53-Jährige, die aus dem rheinland-pfälzischen Schifferstadt stammt und seit Oktober 2014 in Ganderkesee lebt, ist seit vielen Jahren auf den Rollstuhl angewiesen.

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