Rückzug nach 60 Jahren Werner Lüdeke hat Musik im Blut und Fasching im Herzen

Von Dirk Hamm


Ganderkesee. Musikzug der Feuerwehr, GGV-Bigband, Komponist der Faschingsschlager: Werner Lüdeke hat den Fasching lange Zeit musikalisch geprägt. Die anstehenden Höhepunkte erlebt er erstmals als Zuschauer.

Musik, Fasching, Werner Lüdeke – sie bilden seit gut sechs Jahrzehnten einen besonders harmonischen Dreiklang. Allein mit 49 Faschingsschlagern hat der Ganderkeseer, der im April dieses Jahres seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, das närrische Treiben um den Ring bereichert. Und jahrzehntelang mischte er als Dirigent der GGV-Bigband (bis 2010) und des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Ganderkesee (bis 2005) kräftig mit bei den Büttenabenden beziehungsweise den Festumzügen.

Gemeinsam mit Ehefrau Bärbel gehört Werner Lüdeke dem Ältestenrat der Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine (GGV) an. Und dann sind da noch die Ex-Prinzenpaare, die 50 Jahre lang auf ihren „Gesangslehrer“ gehört und mit ihm seine Faschingsschlager einstudiert haben. Doch auch damit ist jetzt Schluss: Beim jüngsten Faschingsauftakt im Haus Adelheide überraschten die „Exen“ Lüdeke mit einem ungewöhnlichen Präsent zum Abschied von der letzten aktiven Rolle im Fasching. Das mit einer Lampe kombinierte Akkordeon hat jetzt einen Ehrenplatz in Lüdekes Haus.

Nur Prinz wollte er nicht werden

Bei so viel Fasching im Herzen stellt sich die Frage, warum der Name Werner Lüdeke in der Liste der Ganderkeseer Prinzenpaare nicht auftaucht. Doch der musikalische Tausendsassa wollte sich auf seine angestammten Aufgaben im Fasching konzentrieren: „Dreimal haben sie mich gefragt, ich habe immer abgelehnt und gesagt: Kommt wieder, wenn meine Tochter alt genug ist.“ Immerhin, Tochter Dagmar wurde sowohl als Kinderprinzessin als auch als Prinzessin proklamiert.

Sechs Jahrzehnte im Fasching aktiv zu sein, das bedeutet, Jahr für Jahr der Narretei einen großen Teil der Freizeit zu widmen. Noten und Arrangements mussten geschrieben, die musikalischen Programme mit den Gruppen abgestimmt und die Stücke einstudiert werden. „Man hat das ganze Jahr für den Fasching gearbeitet, ging ganz darin auf. Meistens entstand schon im Sommerurlaub der neue Faschingsschlager“, blickt Werner Lüdeke zurück.

Vom Maler zum Polizeibeamten

Die Musik hat sein ganzes Leben geprägt, seit er mit acht Jahren erstmals Klavierunterricht erhielt. In den kargen Nachkriegsjahren stand ein sicherer Broterwerb aber erst einmal im Vordergrund, und so erlernte der junge Ganderkeseer auf Geheiß des Großvaters den Beruf des Malers. 1970 orientierte er sich neu, wurde Polizeibeamter in Bremen bis zum Eintritt in den Ruhestand vor 20 Jahren. Und jetzt klappte es auch mit der ersehnten Verbindung von Musik und Beruf: Lüdeke, der neben den Faschingsschlagern auch mehr als 100 zum Teil verlegte Kompositionen vorweisen kann, wurde nach einem halben Jahr in das bis 1983 bestehende Musikkorps der Schutzpolizei Bremen aufgenommen. Dort spielte er, je nach Besetzung, Keyboard und Klavier oder Schlagzeug und Waldhorn.

Jetzt nur noch als Zuschauer beim Fasching

Im Fasching um den Ring war Lüdeke da schon lange eine feste Größe: Seit 1953 begleitete er bei den Büttenabenden – damals noch im Gasthof Zur Eiche, dann bei Witte in Immer – die Gruppen und Garden am Klavier. Erst mit dem Umzug in die Festhalle am Steinacker zu Beginn der 70er Jahre wurde die GGV-Bigband geboren, deren Leitung er bald übernahm.

Heute tritt der agile 80-Jährige, der sich auch als Koautor von heimatgeschichtlichen Publikationen einen Namen gemacht hat, nicht mehr öffentlich auf. Dem Fasching bleibt Lüdeke aber weiterhin verbunden: Beim ersten Büttenabend und beim Umzug ist er selbstverständlich dabei – „aber nur als Zuschauer“, betont er.