Mobilität bei Körperbehinderung Großes Rätselraten um E-Scooter in Bussen

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Mit dieser blauen Plakette soll die Mitnahme von E-Scootern in Bussen fortan möglich sein. Noch sind aber einige Fragen offen. Foto: BSKMit dieser blauen Plakette soll die Mitnahme von E-Scootern in Bussen fortan möglich sein. Noch sind aber einige Fragen offen. Foto: BSK

Ganderkesee. E-Scooter können künftig im Bus mitgenommen werden. Strenge Kriterien lassen aber Zweifel an der praktischen Umsetzung aufkommen.

Es ist zunächst einmal eine gute Nachricht für Menschen mit Handicap, die einen sogenannten E-Scooter benutzen: Die Bundesländer haben mit einem Erlass die Voraussetzung dafür geschaffen, dass dieses elektrisch betriebene Hilfsmittel künftig in Bussen des öffentlichen Nahverkehrs mitgenommen werden kann. Dazu ist nach Angaben des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) eine blaue Plakette am E-Scooter anzubringen, die den Busfahrern signalisiert, dass die Mobilitätshilfe für eine Mitnahme zugelassen ist.

Mitnahme wegen Kippgefahr bisher meist nicht erlaubt

Carsten Hoffmann, Geschäftsführer der Delbus, des öffentlichen Busunternehmens der Stadt Delmenhorst, bestätigte auf Nachfrage, dass sowohl bei der Delbus als auch bei den meisten anderen Verkehrsbetrieben die Beförderung von E-Scootern aufgrund der Kippgefahr und damit der Gefährdung der Fahrgäste bisher nicht gestattet war. Unklar sei derzeit noch, ob sich das in Zukunft ändert. Denn ebenso wie der Verband BSK weist auch Hoffmann darauf hin, dass eines der zu erfüllenden Kriterien ein Hinweis in der Bedienungsanleitung des E-Scooters auf die Freigabe in Linienbussen sei. „Meines Wissens gibt es keinen Hersteller, der in der Bedienungsanleitung diesen Hinweis gibt“, sagt Hoffmann.

Selbsthilfeverband sieht großen Fortschritt

Doris Josquin, Ganderkeseer Ratsfrau und ehemalige Vorsitzende des örtlichen Selbsthilfe-Arbeitskreises ASG, ist trotz dieser und anderer offenen Fragen „glücklich“ über den aus ihrer Sicht „großen Fortschritt“ für die Mitnahme der elektrischen Mobilitätshilfen in Bussen. Zugleich mahnt sie an, dass auch bei der Eisenbahn die Diskriminierung von E-Scooter-Nutzern beendet werde. Denn bei der Bahn müsse die Mitnahme dieses Fahrzeuges einen Tag vorher angemeldet werden.

Auch der BSK sieht in der Plakettenregelung für E-Scooter einen wichtigen Schritt nach vorne: „Unser Verband hat in den vergangenen Jahren viel Zeit und Geld investiert, um der Diskriminierung durch das generelle Mitnahmeverbot von E-Scootern in Bussen Einhalt zu gebieten“, sagt BSK-Geschäftsstellenleiter Ulf-D. Schwarz.

Plaketten bald auch in Ganderkesee erhältlich

Nach Angaben des BSK können die blauen Plaketten ab sofort beim Verband online unter shop.bsk-ev.org/Aufkleber kostenlos bestellt werden, lediglich Versandkosten fallen an. Neben der genannten Voraussetzung sind weitere Kriterien einzuhalten, damit der Aufkleber Wirkung entfaltet: Die Fahrzeuglänge darf 1,20 Meter und das Gewicht 300 Kilo nicht überschreiten, der E-Scooter muss zudem vierrädrig sein und das Bremssystem gleichzeitig auf beide Räder einer Achse wirken.

In rund zwei Wochen möchte das Ganderkeseer Sanitätshaus GanderMed, Bergedorfer Straße 13, laut Josquin die Aufkleber vorrätig halten. Selbsterhebungsbögen zur Überprüfung der Kriterien seien ab sofort in dem Sanitätshaus erhältlich.


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