Regionales Mobilitätskonzept Radtour durch Delmenhorst macht Probleme deutlich

Von Vincent Buß

Einige Radwege der Stadt fuhren die Teilnehmer der Tour ab, hier an der Stedinger Straße. Foto: Vincent BußEinige Radwege der Stadt fuhren die Teilnehmer der Tour ab, hier an der Stedinger Straße. Foto: Vincent Buß

Delmenhorst. Delmenhorst und sein Umland sollen über ein Radverkehrsnetz verknüpft werden. Für schnelle, sichere Radwege muss allerdings noch einiges getan werden. Das hat eine Tour deutlich gemacht.

Probleme verschiedenster Art begegneten den Teilnehmern der Radtour. Zu dieser hatte der Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen am Freitag, 20. Juli, eingeladen, der ein umfassendes Radwegnetz plant. Jeder Zwischenstopp bildete ein Beispiel für ein anderes Problem. Los ging es an der Bremer Heerstraße.

Bremer Heerstraße bis Bahnhof Heidkrug

Erster Halt: Bahnhof Heidkrug. Bis dorthin verläuft auf beiden Seiten der Straße ein Radweg. Was auf den ersten Blick positiv wirkt, war Annika Wittkowski aber nicht genug. Die Geografin arbeitet bei der Planungsgemeinschaft Vekehr (PGV) Dargel Hildebrandt GbR und begleitete die Radtour als Expertin. Die PGV beurteilt die Strecken im Auftrag des Kommunalverbunds. Wie man den bestehenden Radweg optimieren könnte? Mit einem Radschnellweg, sagte Wittkowski. Dieser müsse allerdings vier Meter breit sein und daneben einen Gehweg führen. „Dazu wäre aber ein Grunderwerb notwendig“, merkt sie an. Und das sei schwierig. Besser sei daher eine neue Strecke, parallel zu den Bahnschienen.

Bahnhof Heidkrug

Auch an den Bahnhof selbst stellt die PGV Bedingungen, insbesondere gesicherte und überdachte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Denn Bahnhöfe und Busse sollen Verknüpfungspunkte sein. „Besonders, wenn der Weg auf dem Rad allein zu lang ist“, erklärte Wittkowski. Und auch in den Zügen selbst müssten genügend Platz zur Fahrradmitnahme bieten.

Heidkruger Weg

Als es auf dem Heidkruger Weg weiterging, bot sich ein anderes Bild. Auf einer Seite dürfen Radfahrer auf dem Gehweg oder auf der Straße fahren. Die Wahl fiel auf Letzteres, woraufhin die Tourgruppe beim Umfahren eines parkenden Autos von einem Sportwagenfahrer angehupt wurde. Für die Gegenrichtung ist auf der Straße ein Radweg markiert, den Autofahrer auch befahren dürfen. „Um einen zusätzlichen Radweg anzulegen, ist die Straße zu schmal“, analysierte Wittkowski. Eine Fahrradstraße sei jedoch eine Option.

Nordwollestraße

Wem der Heidkruger Weg schon zu eng war, für den war die Nordwollestraße erst recht nichts. Der Radweg ist schmal und wird in beide Richtungen befahren. Das ist sogar Pflicht. Zusätzlich nutzen in Fußgänger. Da blieb es nicht aus, dass entgegenkommende Radfahrer die Besichtigungsgruppe anmeckerten und -klingelten. Obwohl sie in Kolonne fuhr. „Dieser Radweg dürfte so eigentlich gar nicht bestehen“, erklärte Wittkowski. Hendrik Abramowski, Leiter des Fachdienstes Verkehr der Stadt Delmenhorst, der ebenfalls mitfuhr, stimmte zu. Eine Fahrradstraße sei in Planung, versicherte er.

Warum sollen Radwege geändert werden?

Warum bestehende Radwege nicht einfach so belassen würden, sei Wittkowski ihren Angaben nach schon oft gefragt worden. Ihre Antwort: „Unser Standard ist höher.“ Und Radverkehrsplanung sei Angebotsplanung. „Wir machen die Vorschläge, die Umsetzung liegt in anderer Hand.“ Ziel sei, die Bürger zum Radfahren zu bewegen. Sie gesteht aber ein, dass Kompromisse wohl notwendig würden.

Das sagen ADFC und Politik

Auch im Bereich Fichtenstraße/Espenweg wurden Probleme besprochen.Foto: Vincent Buß

Bei den Radfahrern kamen die Vorschläge gut an. „So, wie es ist, kann es in Delmenhorst nicht bleiben“, sagte Burkhard Kühnel-Delventhal, stellvertretender Vorsitzende des ADFC-Kreisverbands Delmenhorst. Er mahnt aber: „Irgendwann muss man Ergebnisse sehen, damit die Autofahrer Alternativen erkennen.“ Abramowski war zuversichtlich: „Irgendetwas wird schon dabei sein zur Umsetzung.“ Aber der Abstimmungsprozess werde voraussichtlich lange andauern.


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