Silvestergottesdienste in Delmenhorst Pfarrer ermuntert zu Vertrauen anstelle von Angst

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Pfarrer Thomas Meyer leitete am Sonntag den Gottesdienst in der Stadtkirche. Für Protestanten war das Reformationsjubiläum 2017 prägend, wovon die Skulptur im Hintergrund noch zeugt. Foto: Dirk HammPfarrer Thomas Meyer leitete am Sonntag den Gottesdienst in der Stadtkirche. Für Protestanten war das Reformationsjubiläum 2017 prägend, wovon die Skulptur im Hintergrund noch zeugt. Foto: Dirk Hamm

Delmenhorst. Ereignisse des alten Jahres und gesellschaftliche Ängste fanden an Silvester Niederschlag in den Predigten. In der Stadtkirche wurde auch auf Erfreuliches zurückgeblickt.

Das Lutherjahr 2017 mit seinen vielen Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum steht naturgemäß ziemlich weit oben beim Rückblick der evangelischen Christen auf das vergangene Jahr. So auch bei Pfarrer Thomas Meyer in seiner Predigt während des Silvestergottesdienstes am Sonntagmorgen in der Stadtkirche. In diesen Rückblick auf das „einmalige Ereignis“ mischte sich auch eine nachdenklich stimmende Erkenntnis: „Ich war sehr betrübt, als ich von der Pastorin in Wittenberg gehört habe, dass dort trotz aller Events im Lutherjahr nicht ein Mensch mehr in die Kirche eingetreten ist.“

Arbeit an der Basis als wichtigste Aufgabe

Es stelle sich die Frage: Wie kann es gelingen, mehr Menschen für kirchliche Themen zu begeistern. „Für mich lautet das Fazit: Die Arbeit an der Basis ist und bleibt das Wichtigste“, sagte Meyer. Der Pastor rief einige Ereignisse und Veränderungen in einem „besonderen Jahr für uns als Gemeinde“ in Erinnerung. Darunter das Konzert der Prinzen, die Kooperation mit der Städtischen Galerie Haus Coburg und das 50. Jubiläum der Neueinweihung der Stadtkirche nach dem Umbau 1967. Und der Abriss des Hertie-Parkhauses habe ganz neue Perspektiven eröffnet: „Es ist schön, dass unsere Kirche jetzt von weiter weg gesehen werden kann. Ich hoffe, dass nicht wieder ein Betonklotz da hinkommt.“

Anleihe bei Hamburger Rockband

Auch in den meisten anderen Kirchen und Kapellen im Stadtgebiet bot der Gottesdienst zu Silvester den Anlass, die vergangenen zwölf Monaten mit allen Höhen und Tiefen sowohl im Privaten als auch in der Gesellschaft zu reflektieren. Pfarrer Norbert Lach, Pfarrverwalter der katholischen St.-Marien-Gemeinde, der an Silvester in Ganderkesee und am Montag in St. Christophorus in Delmenhorst predigte, nahm dazu ausdrücklich Anleihen bei der Hamburger Rockband Kettcar und ihrer Ballade „Das Gegenteil der Angst“. Leitgedanke seiner Predigt zum Jahreswechsel war die Ermutigung, trotz beunruhigender Nachrichten aus Deutschland und der Welt nicht auf Angst, sondern auf Gottvertrauen zu setzen.

Ängste des Menschen und Gottes Zorn

Auch Pastorin Anne Frerichs ging in der Andacht am Sonntagabend in der Zwölf-Apostel-Kirche in Düsternort auf Ängste ein, etwa hervorgerufen durch den Klimawandel und die wachsende politische Instabilität. Hoffnung beziehe sie aus einem Lied des evangelischen Theologen Jochen Klepper, sagte Frerichs. Der Mensch vergehe, Gott jedoch bleibe, drückt Klepper darin aus. Auch von Gottes Zorn spreche er, so Frerichs. Die Pastorin ist sich sicher: „Wir sterben nicht, weil Gott zornig ist. Wir sterben, weil wir sterben müssen. Warum der eine früher, die andere später stirbt, wir wissen es nicht. Das ist gut so.“


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