Fast 30 Helfer im Einsatz Aufräumarbeiten nach Brand an Potsdamer Straße sind angelaufen.



Delmenhorst. Nach dem Brand in einem Haus an der Potsdamer Straße sind die Aufräumarbeiten angelaufen. Am Donnerstag haben Helfer von DRK und Johannitern brauchbare Möbel eingelagert. Der Schaden am Haus beläuft sich auf 150.000 Euro. Die Versicherung der Familie zahlt aber nicht. Der „Verein Stars for Kids“ hat sich eingeschaltet.

Die Reinhardts stehen im wahrsten Sinne des Wortes vor den Trümmern ihres alten Lebens. Doch die Delmenhorster Familie gibt alles dafür, bald wieder eine Heimstatt zu haben – und dabei erhalten sie kräftige Hilfe. Seitdem ein Feuer Ende November das Wohnhaus der Reinhardts an der Potsdamer Straße verwüstet hat, durfte sie mit einer Welle der Hilfsbereitschaft rechnen. Am Donnerstag haben fast 30 Helfer der Johanniter und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) noch brauchbare Möbel aus dem Haus abgeholt, um sie einzulagern. Es ist der erste Schritt in Richtung Wiederaufbau.

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Hoffnung auf schnelle Reparatur geplatzt

Michael Reinhardt (44) steht mit seiner Frau Cindy (40) vor dem Rest seines Hauses. An ihnen ziehen die Helfer mit mit Möbeln in den Händen vorbei. Beide können die Hilfe, die ihnen durch die Helferschar zuteil wird, nicht recht fassen. „Irre, einfach irre“, sagt Michael Reinhardt. Nach dem Brand hatte die Familie mit ihren vier Kindern erst gedacht, sie könne im Erdgeschoss des Hauses unterkommen, das weitestgehend vom Feuer verschont blieb. In diesem Not-Quartier wollte sie die Zeit überdauern, bis die Wiederherstellungsarbeiten am Dach, wo der größte Schaden entstanden ist, abgeschlossen sind. Eine naive Idee, wie sich jetzt herausgestellt hat. „Man musste uns erst reinen Wein einschenken“, sagt Michael Reinhardt. Reiner Wein – das heißt in diesem Fall eine professionelle Begehung dem Chef der städtischen Feuerwehr Thomas Stalinski und mit Vertretern einer Brandsanierungsfirma und der ÖVB Versicherungen. Stalinski hatte als Privatmann seine Hilfe zugesagt, nachdem der Verein „Stars for Kids“ den Kontakt zu den Reinhardts aufgenommen hatte. Das Urteil der Fachleute: Die Schadstoffbelastung durch das Feuer wurde durch das Löschwasser in die Zwischendecke getragen. Praktisch heißt das, dass das gesamte Dachgeschoss abgebrochen und neu aufgebaut werden muss. Im Erdgeschoss während der Arbeiten zu wohnen ist undenkbar. „Wir dachten am Anfang, wir entfernen die Dämmung, lassen die Balken trocknen und das war’s. Aber das war wohl nichts“, sagt Michael Reinhardt.

Was an Möbeln zu retten ist, lagern die Johanniter ein

Die Familie ist mit den kleineren Kindern fürs Erste provisorisch in der Wohnung der 21-jährigen Tochter untergekommen. Der 18-jährige Sohn betreibe gezwungenermaßen „Couchsurfing“, sagt der Familienvater. Ab Anfang Januar kommen sie im Hotel Thomsen unter – kostenfrei. Auch diesen Kontakt hat „Stars for Kids“ hergestellt. Wann die Familie wieder ins eigene Heim ziehen kann, steht noch in den Sternen. Dass dieser Schritt gelingt, dazu tragen am Donnerstag die Helfer der Johanniter und DRK bei. Bettgestelle, Lampen, Tische, Sessel, Schränke und vieles mehr schleppen die Helfer in Schutzkleidung aus dem Haus und reiben es mit Seifenlauge ab, um die Schadstoffe zu entfernen. Im ersten Stock, wo das Feuer am härtesten gewütet hat, stehen zwischen angekohlter Decke, verbranntem Teppich und verrußten Holzbalken Mülltüten mit kontaminierten Gegenständen, die nicht mehr zu retten sind. Das brauchbare Mobiliar lagern die Johanniter ein, bis klar ist, wie es weitergeht. „Mindestens ein halbes Jahr wird es dauern, bis die Familie wieder einziehen kann“, sagt Britta Burke, Vorsitzende von „Stars for Kids“.

Welle der Hilfsbereitschaft

Der Verein hat sich dem Schicksal der Familie mit großem Engagement angenommen und per Vorstandsbeschluss – neben dem Kindermittagstisch natürlich – zur Hauptaufgabe erklärt. Unter anderem spricht Burke mit Entsorgungsunternehmen, mit Textilfachleuten, die Sofa, Kuscheltiere oder Gardinen wieder brauchbar machen, oder mit einem Bauleiter, der den Abriss organisiert. Das alles, wenn möglich, auf Spendenbasis. „Das ist eine echte Herausforderung für ‚Stars for Kids‘“, sagt Burke. Mit seiner Hilfe ist der Verein nicht alleine. Gerrit Schröder, freischaffender Fernsehjournalist aus Delmenhorst, hat nach dem Brand eine Facebook-Gruppe ins Leben gerufen, um Hilfe für die Familie zu organisieren. 500 Mitglieder hatte die Gruppe nach dem ersten Tag, aktuell sind es 1000. Zimmerleute, Klempner, Dachdecker, Trockenbauer Elektriker und andere Handwerker haben darin unentgeltlich ihre Hilfe in Aussicht gestellt. Nach Fernsehbeiträgen über das Schicksal der Familie wurden sogar aus Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern Sachspenden angeboten. „Unsere Aufgabe ist es nun, diese Hilfe zu koordinieren und somit die Familie in ihrer schwierigen Situation zu entlasten“, sagt Schröder.

150.000 Euro Sachschaden – die Versicherung zahlt nicht

Dass all diese Hilfe überhaupt nötig ist, liegt daran dass, die Versicherung nicht für den Brandschaden aufkommt. Wie Michael Reinhardt sagt, habe der Vorbesitzer des Hauses den Eigentümerwechsel vor drei Jahren nicht der Versicherung gemeldet. Folglich flossen die Beiträge nicht mehr – und darum zahlt die Versicherung den Schaden nicht, so der Familienvater. Michael Reinhardt räumt ein eigenes Versäumnis hierbei ein, lässt aber gleichzeitig durch seinen Anwalt prüfen, ob ein Fehlverhalten der Versicherung vorliegt. Denn der Schaden am Haus ist immens: Auf 150.000 Euro beläuft er sich laut Burke – wenngleich sie sagt, dass dieser Betrag durch vielerlei Spenden nicht vollends zu zahlen sein werde.

Wie auch immer die Geschichte ausgeht und unabhängig davon, ob die Versicherung nicht doch noch zahlt: Michael Reinhardt ist sichtlich dankbar für all die Hilfe. „Ich kann es nicht in Worte fassen. Ohne die Unterstützung hätten wir das alles nicht bewerkstelligen können.“


Wer der Familie Hilfe oder Sachspenden anbieten möchte, kann sich per E-Mail kontakt@starsforkids-delmenhorst.de oder per Telefon (04221) 987211 bei „Stars for Kids“ melden.

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