Nachrichtensender über Delmenhorst Sarah Connor und Element of Crime prägen Delmenhorst

Von Michael Korn

„Delmenhorst, die Stadt mit der Obergrenze“ titelt n-tv den Beitrag, der stark klischeebehaftet daherkommt. Foto: Screenshot/ntv.de„Delmenhorst, die Stadt mit der Obergrenze“ titelt n-tv den Beitrag, der stark klischeebehaftet daherkommt. Foto: Screenshot/ntv.de

Delmenhorst. Tristesse sowie Sarah Connor und ein Lied der Band Element of Crime – so ist oftmals die Außensicht auf Delmenhorst geprägt. Der Nachrichtensender n-tv liefert dazu einen neuen Beitrag.

Dass manche Delmenhorster ein Problem mit ihrer Stadt haben und insbesondere in den sozialen Netzwerken gerne und häufig einen Totengesang anstimmen (Dauersprüche: „Hier ist nichts los“, „In der Innenstadt gibt es nur Bäcker und Handyläden“) ist hinlänglich bekannt. Doch auch die Außensicht auf Delmenhorst ist immer wieder geprägt von Klischees, Halbwahrheiten und Oberflächlichkeiten. Neuestes Beispiel liefert das Nachrichtenportal von n-tv ab, das sich in seiner Politik-Rubrik am 25. Dezember einen mit überkommenen Vorstellungen nur so gespickten vierseitigen Beitrag leistete. Und das zu einem mehr als ernsten Thema – dem vom niedersächsischen Innenministerium im November ausgesprochenen Zuzugsverbot für neue Flüchtlinge nach Delmenhorst.

Für nicht viel bekannt

„Delmenhorst ist die Stadt, die bekannt ist für – nicht viel“, heißt es da zum Einstieg angestrengt distanziert-kritisch. Im Folgenden werden dann – wie zuvor auch schon von anderen Medien – wieder einmal Sarah Connor sowie die Band Element of Crime mit ihrem melancholischen „Delmenhorst“-Song bemüht, um wenigstens mit zwei, wenn auch abgedroschenen Bekanntheitswerten zu glänzen. Sodann nähert sich der Autor vom Bahnhof über eine „rot geklinkerte Fußgängerzone“ dem Rathaus und zählt auf: drei Dönerbuden, zwei Italiener, ein Grieche und zwei Bratwurstbuden. Selbst bei einfachsten Alltagsbeobachtungen also hapert es mit der journalistischen Sorgfalt. Immerhin wird Oberbürgermeister Axel Jahnz interviewt, der – offensichtlich korrekt zitiert – seine Sicht auf die in Delmenhorst außerordentlich erfolgreiche Flüchtlingsaufnahme und Integrationsarbeit schildern darf. Auch Vahap Aladag vom Integrationslotsenteam kommt in diesem Sinne ausführlich zu Wort. Wie auch Wilhelmshaven und Salzgitter war Delmenhorst bislang Wunschort für viele Flüchtlinge, doch die betroffenen Kommunen kommen irgendwann an ihre Belastungsgrenzen und ihre bis dato gelungene Aufnahmepolitik nicht gefährden.

Verweis auf AfD-Erfolge

Natürlich darf in dem Bericht der Verweis auf die Wahlerfolge der AfD nicht fehlen, zuletzt mit mehr als 13 Prozent bei der Bundestagswahl im September 2017. Delmenhorst sei damit in Niedersachsen eine „Hochburg der Rechtspopulisten“. Zum Schluss geht der Autor noch auf den Wollepark und die von Zuwanderung geprägt Geschichte der Stadt ein, bescheinigt ihr eine „stabile Stimmung, weil die Stadt im Grunde genommen nur aus Menschen mit Migrationshintergrund besteht“. Letzter Satz, wie sollte es anders sein, ist noch einmal eine Liedzeile von Element of Crime.

ZEIT lobt Wolle und City

„ZEIT online“ hatte im vergangenen Jahr ähnlich über den Stellenwert von Delmenhorst berichtet, ausgehend von der deutschlandweit schwächsten Tourismusbilanz. Auch dieser Beitrag kam offensichtlich bei Google nicht über Sarah Connor und Element of Crime hinaus. Dabei gebe es doch eine Vielzahl andere berühmte Kinder dieser Stadt: Sexualforscher Iwan Bloch zum Beispiel. Oder Liedermacher Wolfgang Michels. Oder Chansonnier Tim Fischer. Sterne-Koch Kevin Fehling gehört dazu, ebenso Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister. Wenigstens schafft die ZEIT es, lobende Worte für die Fußgängerzone, das Nordwolle-Areal und den Rückgang der früher einmal hohen Kriminalitätsrate zu finden.

Marketingkonzept soll helfen

Am besten also wäre es, die Delmenhorster würden die Sache selbst in die Hand nehmen und einmal allesamt das Positive über ihre Stadt nach außen tragen und die Imagetrommel rühren. Das ist auch zentrales Ansinnen des neuen, in diesem Jahr verabschiedeten Standortmarketingkonzepts. Die Stadt möchte damit die Grundlage schaffen, um künftig ein klares und positives Bild der Stadt nach außen und innen zu kommunizieren. Die „Marke“ Delmenhorst soll dazu beitragen, die regionale und überregionale Außenwirkung der Stadt zu verbessern, um als selbstbewusster Standort Investitionen und Bevölkerung nachhaltig zu binden. Das scheint angesichts des n-tv-Beitrags überfällig.