Ringen um die rote Linie Delmenhorster SPD-Senioren wollen Groko eigentlich nicht

Von Thomas Breuer

Rege Diskussion über die bundespolitische Zukunft der SPD am Rande der Weihnachtsfeier von 60plus: von links Vorsitzender Dittmar Knoche mit seinen Vorstandskollegen Günter Holtz, Frauke Güthler, Rolf Gellermann und Brigitte Schwanz. Foto: Thomas BreuerRege Diskussion über die bundespolitische Zukunft der SPD am Rande der Weihnachtsfeier von 60plus: von links Vorsitzender Dittmar Knoche mit seinen Vorstandskollegen Günter Holtz, Frauke Güthler, Rolf Gellermann und Brigitte Schwanz. Foto: Thomas Breuer

Delmenhorst. In der Regierungsverantwortung wollen die Delmenhorster SPD-Senioren ihre Partei auf Bundesebene nur sehen, wenn sie bestimmte Ziele festschreiben kann. Welche, das hat 60plus in einer Liste zusammengetragen.

Große Koalition? Da geht Günter Holtz (81) so einiges durch den Kopf. Doch sein erster Satz lautet: „Im Moment bin ich total verunsichert.“ Hatte sich die SPD nach der Bundestagswahl schnell auf ihre Rolle in der Opposition festgelegt, brachte das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen noch einmal alles ins Wanken. Und was nun auf Bundesebene große Fragezeichen provoziert, treibt auch altgediente Delmenhorster Sozialdemokraten um. Etwa in der von Dittmar Knoche (75) geführten SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus, die am Donnerstagnachmittag im Hannelore-Händel-Haus an der Cramerstraße zu ihrer Weihnachtsfeier zusammenkam.

Günther Holz, der als Besitzer im Vorstand tätig ist, geht es wie Knoche und den übrigen Vorstandsmitgliedern. Eine Fortsetzung der Großen Koalition in Berlin, die sogenannte Groko, will hier im Grunde keiner. Falls es aber gar nicht anders gehen sollte, dann nur unter der Bedingung, dass die maßgeblichen SPD-Ziele im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden.

Zehn Punkte sind 60plus besonders wichtig

Zehn wesentliche Punkte sind es, die die AG 60plus hier auflistet:

•Einführung einer Bürgerversicherung im Renten- und Gesundheitswesen.

•Ehrgeizige Ziele beim Klimaschutz.

•Verbot von Glyphosat.

•Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung auf europäischer Ebene.

•Fortschritte auf dem weg zu einem sozialen Europa.

•Einführung eines Systems gesetzlicher Mindestlöhne.

•Gesetzliches Rückkehrrecht von Teil- auf Vollzeit.

•Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

•Höchste Einkommen sollen mit einem höheren Beitrag zur Finanzierung gemeinsamer Aufgaben herangezogen weden.

•Mehr Investitionen in Bildung, schnelle Internet, bessere Straßen und bezahlbaren Wohnraum.

Ein Paket, das vor allem die soziale Komponente der SPD wieder herausstellen soll. „Die rote Linie muss erkennbar sein“, sagt Partei-Urgestein Hans-Günter Stasch (89). „Die CDU muss von ihrem Ross herunter“, meint Günter Holtz. Bei den SPD-Senioren haben sie die Sorge, dass die sozialdemokratischen Akzente in einer Groko erneut untergehen könnten, einmal mehr.

Eine Neuwahl will hier keiner

Als schlechteste aller Möglichkeiten aber sieht Dittmar Knoche eine Neuwahl an. Sie würde nach seiner Einschätzung der AfD einen noch etwas höheren Stimmenanteil zu Lasten der FDP bringen. Auch Hans-Günter Stasch lehnt einen neuerlichen Urnengang ab: „Ich weiß ja, was das kostet. Das ist Geld, das wir woanders dringend brauchen.“ Von mehr als 90 Millionen Euro ist die Rede.

Frauke Güthler (83) ist der Überzeugung, dass die SPD in den zurückliegenden vier Jahren „gelernt hat, was schiefgehen kann und was nicht“. Auch sie will die Groko nicht, besser: eigentlich nicht.

Zum Parteivorsitzenden Martin Schulz hat Dittmar Knoche eine klare Meinung: „Europa kann er, deshalb muss er sich darauf konzentrieren.“ Und für Günter Holz steht fest: „Martin Schulz strahlt diese große Ehrlichkeit aus. Aber genau die ist ihm im Wahlkampf zum Verhängnis geworden.“