Terminnot in Delmenhorst Bei Schmerzen muss der Zahnarzt in jedem Fall behandeln

Von Thomas Breuer

Wer kurz vor Jahresende noch zum Zahnarzt möchte, wird in den Praxen möglicherweise auf das kommende Jahr vertröstet. Foto: dpaWer kurz vor Jahresende noch zum Zahnarzt möchte, wird in den Praxen möglicherweise auf das kommende Jahr vertröstet. Foto: dpa

Delmenhorst. Zu Besuch in Delmenhorst und plötzlich stellt sich Zahnschmerz ein: Das kann kurz vor Jahresende zum Problem werden.

Im Einzelfall, darauf deuten Einträge im sozialen Netzwerk Facebook hin, haben auch Delmenhorster Zahnärzte kürzlich mit Verweis auf nicht mehr vorhandene Termine Menschen abgewiesen, die nicht zu ihrem Patientenstamm gehören.

„Patienten müssen zeitnah von Scherzen befreit werden“

Das hätten sie nicht tun dürfen, wie Dr. Michael Loewener, Sprecher der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KZVN), auf Nachfrage erklärt. „Die Behandlung von Schmerzpatienten darf grundsätzlich nicht abgelehnt werden“, sagt er. „Sie müssen zeitnah von ihren Schmerzen befreit werden. Das gebieten ethische Gesichtspunkte ebenso wie die Berufsordnung der (Vertrags-)Zahnärzte.“ Wem die Notversorgung verwehrt werde, der solle sich an die KZVN wenden, die die Umstände aufklären und gegebenenfalls entsprechende Schritte einleiten werde.

Honorare auf Landesebene „gedeckelt“

Nicht immer aber geht es zum Jahresende in Zahnarztpraxen nur um Terminkapazitäten, sondern auch um das Problem, dass sie einzelne Leistungen möglicherweise nicht mehr in voller Höhe vergütet bekommen. Denn Honorare sind in der gesetzlichen Krankenversicherung auf Landesebene „gedeckelt“. Das bedeutet, dass das von den Krankenkassen pro Jahr zur Verfügung gestellt Honorarvolumen für die Zahnärzte insgesamt begrenzt ist. Aus diesem Grund gibt es den sogenannten Honorarverteilungsmaßstab, der von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung beschlossen wird, um das vorhandene Honorar möglichst gerecht und leistungsbezogen an die Zahnärzte auszuzahlen.

Regelung soll zu große Praxen verhindern

Was aus Sicht der KZVN zum genannten Problem führen kann, soll laut Gesetzgeber die Bildung übergroßer Praxen verhindern. „Möglicherweise führt diese Systematik in einzelnen Praxen dazu, dass diese Umstände beim Behandlungsumfang Berücksichtigung finden“, so Sprecher Loewener. „Wenn keine Kapazitäten mehr vorhanden sind, ist es durchaus möglich, dass keine neuen Patienten mehr angenommen werden.“ Die Frage der Behandlung von Schmerzpatienten stelle sich jedoch immer unabhängig vom Budget.

In Zahnarztpraxen stellt sich das Budgetproblem zum Jahresende gravierender als bei den allgemeinen Ärzten. Deren Budgetierung erfolgt laut Kassenärztlicher Vereinigung Oldenburg in der Regel vierteljährlich.

Viele Patienten wollen Bonusheft komplettieren

Dass es vor dem Jahreswechsel in Zahnarztpraxen oft mehr Patientenanfragen als Termine gibt, liegt laut KZVN aber auch an ganz banalen Gründen. Viele Patienten wollen demnach noch einen Untersuchungstermin erhalten, um sich den Eintrag in ihr Bonusheft zu sichern, das bei ordnungsgemäßer Führung den Festzuschuss der Krankenkassen zum Zahnersatz erhöht. „Zum anderen“, so Loewener, „möchten viele Patienten verständlicherweise ihren neuen Zahnersatz noch vor den Festtagen eingegliedert bekommen, sodass auch dadurch ein zeitlicher Druck in den Praxen entstehen kann.“