Neues Buch über Delmenhorst Garbas Zeitmaschine macht Halt in den Jahrzehnten

Von Kai Hasse

Verleger Florian Isensee und Autor Werner Garbas bei der Präsentation von „Delmenhorster Zeitreisen und Geschichte(n)“ in der Buchhandlung Jünemann. Foto: Kai HasseVerleger Florian Isensee und Autor Werner Garbas bei der Präsentation von „Delmenhorster Zeitreisen und Geschichte(n)“ in der Buchhandlung Jünemann. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Der ehemalige Delmenhorster Stadtarchivar Werner Garbas hat ein neues Buch geschrieben. Dafür hat er die Zeitmaschine angeschmissen. „Delmenhorster Zeitreisen und Geschichte(n)“ dreht sich um schön erzählte Episoden der Stadthistorie und ist nun im Delmenhorster Buchhandel.

Das neue Buch des Ex-Archivars beginnt im Jahr 1450 mit der ersten Erwähnung der Wassermühle in Hasbergen. Weiter im Text kommt der Tod des letzten Grafen Christian IX., der sein Örtlein durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges bringen musste und jung und kinderlos starb. Das Buch endet mit dem Hochwasser von 1998, in dessen Folge schließlich ein schützender Polder gebaut wurde. 1000 Exemplare des Buches sind nun in der ersten Auflage erschienen.

„Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“, weiß Garbas, der selbst journalistisch tätig ist. Und am kommenden Tag ist der Zeitungsstoff schon vergessen. „Aber was an Historie in den Zeitungen ist, sollte nicht verloren gehen“, meint er bei der Präsentation seines Buches in der Buchhandlung Jünemann.

Episoden mit Linoleum-Experte und Stadtpfarrer

Dass er eine Zeitreise macht, das meint Garbas durchaus ernst – zumindest literarisch. Er beschreibt, wie er auf dem Delmenhorster Bahnhof erscheint, anhand einer ausliegenden Zeitung das Datum 15. Mai 1884 ermittelt, und dann den gerade eingetroffenen Engländer George Baker antrifft. Der will sein Fachwissen als Bodenbelag-Hersteller in den neuen Linoleum-Werken Delmenhorst einbringen. Schnitt, Zeitmaschine, ab durch die Jahrzehnte – und Garbas findet sich im Jahr 1907, in einem Zugabteil mit einem gewissen Theodor Ahlrichs, der aus Eutin zu einer Gastpredigt in Delmenhorst anreist – und bald darauf zweiter Pfarrer an der evangelischen Stadtkirche sein wird.

Viele solcher Episoden aus der Geschichte beschreibt Garbas informativ, zeitungstypisch zackig, und gern mal mit ein einem Schuss Phantasie, um die Geschichten schöner beschreiben zu können, „wie wenn man selbst dabeigewesen wäre.“ Es sind letztlich kurze, mit Leben erfüllte Reportagen von relevanten Daten Delmenhorsts.

Blutroter Himmel über Delmenhorst

Kostprobe: „Mein Chronograph zeigt Freitag, den 10. Januar 1964, 2 Uhr an. Um mich herum wuselt ein Heer von Feuerwehrleuten, ein großes Aufgebot von Lösch- und Rettungsfahrzeugen und eine Schaumkanone stehen dich an den Bahngleisen, die sich durch die sengende Hitze verformt haben und Schlangenlinien bilden. [...] Die Loks und eine Reihe von Güter- und Kesselwagen sind entgleist, zum Großteil umgekippt, einige ineinander verkeilt oder auseinander gerissen. Aus den mit Rohöl gefüllten Kesselwagen spritzt Öl in Fontänen heraus, verteilt sich über die Gleise und entzündet sich an den aus den Lok-Tendern geschleuderten Kohlen. [...] Der nachtschwarze Himmel über dem Bahnareal hat eine blutrote Farbe angenommen.“ Das ist eines der am farbigsten beschriebenen Episoden, in die Garbas während der Präsentation Einblick bietet.

1000 Stück in erster Auflage

Garbas dankte seinem Verleger Florian Isensee, der doch oft, wenn er mit einer neuen Idee andampfe, erwartungsvoll lächle, „so wie jetzt“. Und Isensee, lächelnd, meint, dass er schon wisse, dass etwas interessantes auf ihn zukomme, wenn Garbas herein kommt. 1000 Exemplare des Buches gäbe es jetzt im Buchhandel, speziell in Delmenhorst. Es ist, schätzt Garbas, mittlerweile das 18. Werk, an dem er mit beteiligt ist.


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