Kontroverse um Feuerwerk Scheue Pferde verkürzen Delmenhorster Vorschießen

Von Kai Hasse

Etwa 250 Besucher waren zum „Vorschießen“ gekommen. Für Kritik zeigten sie zum Teil Verständnis. Foto: Kai HasseEtwa 250 Besucher waren zum „Vorschießen“ gekommen. Für Kritik zeigten sie zum Teil Verständnis. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Wegen verängstigter Pferde ist das „Vorschießen“ eines Delmenhorster Feuerwerkers am Sonntagabend leicht abgekürzt worden. Direkte Anwohner fühlten sich hingegen von der Produktpräsentation des Pyrotechnikers nicht gestört.

Für etwa 250 Besucher des Vorschießens des Pyrotechnikers Thorsten Runge war das Vorschießen an einer rückwärtigen Wiese bei der Annenheider Straße ein Erlebnis. Sie konnten ansehen, was sie sich für die Silvesternacht an Feuerwerk zulegen. Für auf einem Hof in der Nachbarschaft gehaltene Pferde war das Anschießen aber beängstigend.

46 Chargen in Runges Feuerwerk

Das Anschießen Runges hatte bereits im Vorfeld für Kritik und Gerichtsverhandlungen geführt. Nach zwei Vorschießen im vergangenen Jahr, bei denen es viele Beschwerden wegen des Lärms gegeben hatte, hatte die Stadt dem Vorschießen einen Riegel vorschieben wollen. Runge wehrte sich gerichtlich dagegen, das Verwaltungsgericht Oldenburg entschied in seinem Sinne, das Vorschießen fand statt. Und das zur Freude der Besucher auf dem Areal eines Autohauses. Die Feuerwerkskörper wurden demonstriert, mit Namen, Kaliber und Preis. „Gaoo Amazing Night“ erhellte den Himmel und gehörte zu den ersten tatsächlich lauten Chargen, „Xplode Lethal Whistle“ erzeugt ein leuchtendes und durchdringendes Heulen. Sie waren zwei von insgesamt 46 zu präsentierenden Ladungen.

Verständnis und Kritik bei Besuchern

Die Besucher, auf den vorhergegangenen Streit angesprochen, zeigen zum Teil Verständnis für Kritik: Der Termin am Adventssonntag sei in der Tat nicht ideal, es hätte auch ein Freitag sein können. Denn das war ein Argument der Stadt: Speziell am besinnlichen Adventssonntag sei Feuerwerk unangemessen. Der Lärm sei in der Kürze hinnehmbar, sagten viele. Es gäbe viele Dinge, die ebenso laut seien, wie Straßenverkehr oder Sirenen. Das Vorschießen verbieten zu wollen, sei ein unnötiger „Schnellschuss“ der Stadt gewesen, denn im Randgebiet der Stadt sei die Belästigung deutlich geringer als beispielsweise bei einem Schießen, das im vergangenen Jahr mitten in der Stadt stattgefunden hatte.

Pferde der Anwohnerin gehen durch

Gegen Ende der Vorführung protestiert hingegen Tatjana Sprenger aus der Nachbarschaft: Sie rauscht mit dem Wagen direkt auf den Platz und macht deutlich, dass ihre Tiere das Geknalle nicht mehr aushalten. Ihr gepachteter Pferdehof liegt etwa 50 bis 100 Meter jenseits der Wiese, auf der die Produktpräsentation stattfindet. „Eins meiner Tiere ist schon verletzt“, erklärt sie drängend. Das Geknalle müsse aufhören. Sie zeigt ein kurzes Video von ängstlich herumlaufenden Pferden, das Feuerwerk im Hintergrund. Die Pferde zucken bei den Knalleffekten zusammen. Ein Tier habe sich beim Suchen nach mehr gefühlter Sicherheit einen Schnitt zugezogen. Sieben Testchargen würden laut Plan noch hochgehen. Runge schießt nur noch drei ab und bittet die Besucher um Verständnis. „Das schöne Abschlussfeuerwerk habe ich extrem abgekürzt“, erklärt er hinterher, „darauf müssen wir Rücksicht nehmen“.

Stichprobe: Anwohner fühlen sich nicht gestört

Und stört das Knallen die Anwohner? Stichprobe bei den direkten Anwohnern: In acht von acht befragten Haushalten in der Annenheider Straße hat das Knallen nicht oder nur wenig gestört. Einige der Bewohner hatten während des Feuerwerks draußen gestanden und es bewundert. Ein Mädchen hatte Probleme beim Lernen. Unterdessen war das heiß umstrittene Thema im Netzwerk Facebook bereits wieder ausgebrochen: In einer relevanten Gruppe gerieten sich in kürzester Zeit die Kommentatoren in die Haare. Ein Anruf am Abend bei der Pferdehalterin Sprenger ergibt: Die Pferde haben sich beruhigt. Zu Silvester wird sie wieder hoffen müssen, dass ihre Tiere nicht scheu werden.


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