Krankenhaus in Delmenhorst Kurswechsel bei JHD-Sanierung: Noch mehr Arbeitsplätze weg

Von Thomas Breuer


Delmenhorst. Die Sanierer des finanziell am Abgrund stehenden Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) vollziehen einen drastischen Richtungswechsel: Auf dem Weg in eine gesicherte Zukunft soll zum 1. März 2018 ein Insolvenzverfahren für alle mit dem Krankenhaus in Verbindung stehenden Unternehmensbereiche eröffnet werden.

Auf dem Weg dorthin muss der Rat der Stadt Delmenhorst am Dienstag, 28. November 2017, definitiv entscheiden, ob das Krankenhaus künftig in städtischer Regie geführt oder ein neuer Träger gesucht werden soll. Für die Stadt wäre das Engagement gleichbedeutend mit einem neuerlichen finanziellen Engagement von insgesamt 20,3 Millionen Euro über die kommenden drei Jahre.

Laut Oberbürgermeister Axel Jahnz, der diesen Schritt gehen möchte, ist die Stadt bereits jetzt mit 25 Millionen an Bürgschaften und Zuschüssen beim JHD im Boot. Er geht davon aus, dass dieses Geld verloren wäre, würde die Stadt das Krankenhaus nicht in ihre Trägerschaft übernehmen.

160 Mitarbeitern droht jetzt die Kündigung

Für die rund 1000 Beschäftigten wird der Prozess so oder so noch schmerzhafter als bereits angekündigt: Statt wie angekündigt 73 von 630 Vollzeitstellen sollen nun 112 entfallen, quer durch alle Bereiche. Davon werden aufgrund vieler Teilzeitler etwa 160 Mitarbeiter betroffen sein, wie Dr. Mark Boddenberg erklärte. Er ist im derzeit noch laufenden Schutzschirmverfahren für die Personalgesellschaften des JHD, das zum 1. Dezember in eine Regelinsolvenz übergehen wird, Berater des Sachwalters Dr. Rainer Eckert.

Die daraus laut Boddenberg resultierenden „unzumutbare Unsicherheit“ für die Beschäftigten soll nun doch noch Kündigungen vor dem Weihnachtsfest nach sich ziehen.

Geschäftsführer Ralf Delker nicht mehr an Bord

Auf dem nun eingeschlagenen Weg, der dem nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss des Rates am Donnerstagabend vorgestellt wurde, sind sowohl Sanierungsgeschäftsführer Ralf Delker als auch der für die JHD-Betriebsführung verpflichtete Dienstleister EconoMedic ab sofort nicht mehr dabei, weil ab sofort reine Insolvenzrechtler gefragt seien. Delker nahm am Freitagnachmittag schon nicht mehr an einer Versammlung in der Divarena teil, in der die Mitarbeiter über die neue Entwicklung informiert werden. Sie erfuhren auch, dass sie weiterhin Insolvenzgeld erhalten werden.

12,3 Millionen Euro Defizit im laufenden Jahr

Jahnz bezeichnet den eingeschlagen Weg, in dem Gesellschafter und Aufsichtsrat des JHD vorerst nichts mehr zu melden haben werden, am Freitagmittag in einem Pressegespräch als alternativlos. Boddenberg sagte, das Krankenhaus werde im laufenden Jahr ein Minus von 12,3 Millionen Euro erwirtschaften. Im Zuge der erwarteten gut dreijährigen Sanierung soll dieses Defizit in 2018 auf zunächst 5,5 Millionen Euro gesenkt werden, eine neuerliche Finanzspritze der Stadt Delmenhorst von über 13,8 Millionen Euro vorausgesetzt (als Zeil der genannten 20 Millionen Euro). 2019 müsste die Stadt dann vier Millionen Euro geben und im Haushaltsjahr 2020 noch 2,5 Millionen Euro.

Aussichten für einen Verkauf gelten als ausgezeichnet

Die Aussichten, das künftige Delmenhorster Krankenhaus an einen privatwirtschaftlichen oder kirchlichen Träger zu verkaufen, bezeichnete Boddenberg als ausgezeichnet. Es sei, wie er mehrfach betonte schließlich sanierungsfähig.

Auf die in großen Teilen immer noch im Raum stehende Frage, wie es zu der großen Krankenhaus-Misere in Delmenhorst gekommen ist, ging Boddenberg vor der Presse mit deutlichen Worten ein: „Hier ist so ziemlich alles falsch gemacht worden, was man falsch machen kann. Man hat es nicht geschafft, sich zu organisieren. Es gab null Controlling in Richtung der Kosten. Die Zahlen sind bis zuletzt falsch.“

Delmenhorster haben Vertrauen in JHD verloren

Zudem seien die Menschen auf dem Weg zum JHD nicht mitgenommen worden, vor allem nicht die Delmenhorster. Laut Boddenberg nehmen von allen Delmenhorstern, für die ein Krankenhausaufenthalt ansteht, nur noch 55 Prozent das JHD in Anspruch.

Boddenberg bezog klar Position, indem er der früheren Geschäftsführung „Unfähigkeit“ attestierte, auf Nachfrage aber ein betrügerisches Verhalten aber ausschloss. Für den Aufsichtsrat und die Gesellschafter – Stadt Delmenhorst und Stiftung St. Josef-Stift – sei die Entwicklung, wie sie sich jetzt darstellt, nicht zu erkennen gewesen.

Der künftige Insolvenzverwalter werde sich, so Boddenberg, zweifellos auch Schadensersatzansprüche prüfen.


Der für November angekündigte Spatenstich für das neue Krankenhaus ist ausgeblieben. Oberbürgermeister Axel Jahnz rechnet damit jetzt in etwa einem halben Jahr. Die Verhandlungen mit der Stiftung St. Josef-Stift über die Überlassung von Grundstücken und Gebäuden am geplanten Standort Westerstraße sind nach seinen Worten „seit zehn Tagen auf einem hervorragenden Weg“. Jahnz sagt: „Die Kirche verhält sich ausgesprochen kooperativ.“