„Neue Musik“ in Delmenhorst Chiffren Ensemble verneigt sich vor Hespos

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Das Chiffren Ensemble aus Kiel unter der Leitung von Johannes Harneit überzeugte am Samstag im Kleinen Haus voll und ganz. Foto: Klaus WarninghoffDas Chiffren Ensemble aus Kiel unter der Leitung von Johannes Harneit überzeugte am Samstag im Kleinen Haus voll und ganz. Foto: Klaus Warninghoff

Delmenhorst. Die 48. Auflage der „Neuen Musik“ hat erneut gezeigt, warum die Reihe in der Fachwelt so anerkannt ist. Das Chiffren Ensemble erhielt viel Beifall.

Nein, konsumieren im herkömmlichen Sinne lässt sich das, was Hans-Joachim Hespos Jahr für Jahr in der Reihe „Neue Musik“ auf die Bühne des Kleinen Haus bringt, nicht. Und das ist ein Kompliment. Denn gerade darum geht es in der Neuen Musik, darum geht es Hespos, der im kommenden Jahr 80 Jahre jung wird.

Die 48. Auflage seiner gemeinsam mit dem Kulturbüro organisierten Reihe, die in Kreisen der Neuen Musik einen hohen Stellenwert besitzt, hat mit dem Chiffren Ensemble aus Kiel junge Musiker nach Delmenhorst gebracht, die mit Leidenschaft und großem Können jene Fackel weitertragen, die Hespos selbst bei der Gründung der Konzertreihe entzündet hat.

Man wertet den französischen Komponisten Gérard Grisey (1946-1998) und sein Werk „Quatre Chants Pour Franchir Le Seil“ – vom Chiffren Ensemble eindrücklich dargeboten– nicht ab und ist auch nicht ungerecht gegenüber dem „Stilleben mit Cello und Elektronik“, aufgeführt von Studenten der Bremer Hochschule für Künste, wenn man den zweiten Teil des Abends hervorhebt.

Langeweile kommt nicht auf

Das Chiffren Ensemble, zusammengestellt aus Nachwuchsmusikern, die Hespos sichtlich ans Herz gewachsen sind – die Sympathie ist offenkundig beidseitig – spielt das Hespos-Werk „CON-fetti für sopran, junge störlichttechnikerin, mobilen coachdirigenten und 20köpfiges ensemble“. Hespos hat „CON-fetti“ den „Kids“ vom Ensemble gewidmet. Und was die jungen Musiker hier auf die Bühne zaubern, lässt sich eben nicht nebenbei konsumieren. Es ist durchaus eine Zumutung, weil Hespos eben sagt, Kunst müsse immer eine Zumutung sein, sonst sei es keine Kunst. Und so sitzt das Publikum bei Neuer Musik in alten Stühlen – und staunt, was dort auf der Bühne alles zu hören – und zu sehen ist. Musik, Spiel, Theater, Klang, Licht. Eine Zumutung: Oft. Langweilig? Keine Sekunde. Bei Hespos ist immer etwas los. „CON-fetti“ fordert dem Ensemble alles ab. Sopranistin Julia Spaeth begeistert, getragen vom Ensemble. Hespos liefert keine Musik für die Massen, etwas mehr als 100 Zuschauer waren gekommen, aber er liefert massenweise Momente für die, die sich darauf einlassen wollen und können.

„Betonierte Arroganz“

Politisch wird der Abend dann auch noch. Dass Radio Bremen die Konzertreihe nicht mehr mitschneidet (Hespos: „Betonierte Arroganz“) und dass das Chiffren Ensemble aufgelöst wird, weil die Fördermittel gestrichen werden: Für Hespos ein Beleg, dass es mit der Kultur bergab geht. Neue Musik gibt es aber sicher wieder. Am 11.11.2018 im Kleinen Haus..


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