Erinnerung an Pogromnacht Delmenhorster Stolpersteine auf Hochglanz gebracht

Schüler und Schülerinnen der Klasse 9b der Realschule Delmenhorst, Standort Lilienstraße, putzen Stolpersteine. An der Langen Straße 78 (heute Gameground, früher Praxis und Wohnung Dr. Rothschild) putzen (von links) Dylan, Milan, Levi, Jennifer und Anna-Sophie die Steine und legen Rosen nieder. Foto: Melanie HohmannSchüler und Schülerinnen der Klasse 9b der Realschule Delmenhorst, Standort Lilienstraße, putzen Stolpersteine. An der Langen Straße 78 (heute Gameground, früher Praxis und Wohnung Dr. Rothschild) putzen (von links) Dylan, Milan, Levi, Jennifer und Anna-Sophie die Steine und legen Rosen nieder. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Mit Bürsten und Spülmittel gegen das Vergessen: Mädchen und Jungen von der Realschule Delmenhorst, Standort Lilienstraße, haben am Dienstag Stolpersteine im Delmenhorster Stadtgebiet aufpoliert.

37 Stolpersteine sind es in Delmenhorst, die die Erinnerung an Opfer des nationalsozialistischen Terrors und seiner Folgen aufrechterhalten. Jede der vor Jahren vom Kölner Künstler Gunter Demnig ins Pflaster gesetzten Gedenktafeln aus Messing tragen den Namen eines Menschen, für den die Ära des Nationalsozialismus einschneidende Veränderungen mit sich brachte, oft sogar den gewaltsamen Tod.

Initiative des Freundeskreises der Jüdischen Gemeinde

Wenn sich am Donnerstag das Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938 jährt, sollen die Steine besonders hervorstechen. Auf Anregung des Freundeskreises der Jüdischen Gemeinde haben sich deshalb am Dienstagvormittag Realschülerinnen und -schüler daran gemacht, sie mit Bürsten und Spülmittel zu reinigen. Und nicht nur das: Je Stolperstein wurde eine Blume niedergelegt.

Berührung mit tragischen Schicksalen

Jugendliche vom Gymnasium an der Willmsstraße werden laut Norbert Boese, Vorsitzender des Fördervereins, am Donnerstag auch die übrigen Stolpersteine reinigen. Über die Arbeit kommen alle Beteiligten so mit oft tragischen individuellen Schicksalen in Berührung.

Einige der Stolpersteine, die die Realschüler am Dienstag polierten, erinnern vor dem Haus an der Langen Straße 78 (heute Gameground) an die Familie des jüdischen Arztes Dr. Harry Rothschild. Seine Praxis wurde nach der Machtübernahme 1933 zunehmend boykottiert, der Arzt kam in Haft und in ein Konzentrationslager, konnte aber im Mai 1939 noch nach Kuba auswandern. Seine Frau Mathilde starb Ende 1941 im Vernichtungslager Minsk.


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