Polizei verwarnt oft mündlich Radler in Delmenhorster Fußgängerzone haben viele Ausreden

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Delmenhorst. Fahrradfahrer, die trotz des bestehenden Verbots zwischen 10 und 18 Uhr durch die Delmenhorster Fußgängerzone sausen, sind für viele Passanten mehr als ein Ärgernis.

Erst vor gut zwei Wochen hatte in Höhe Rathausplatz ein dreijähriges Kind leichte Verletzungen erlitten, als es von einer Radfahrerin erfasst wurde. Die auch von Lesern unserer Zeitung immer wieder wahrgenommene Rücksichtslosigkeit deckt sich mit den Wahrnehmungen von Polizei-Kontaktbeamtin Ute Dreyer.

Zuletzt war sie am Mittwoch dieser Woche mit ihrem Kollegen Torsten Blume auf der Langen Straße unterwegs und bekam jede Menge Ausreden von Radfahrern zu hören. Eine Frau dachte gerade an ihren neuen Telefonvertrag, eine Schülerin hatte nur ihr Vorabitur im Kopf und Angehaltene mit geringen Deutschkenntnissen gaben vor, die Regelung nicht zu kennen.

Dabei können Verstöße mit bis zu 30 Euro geahndet werden. Und auch das Nutzen eines Handys auf dem Fahrrad kann seit einigen Tagen mit einem Verwarnungsgeld von jetzt 55 Euro geahndet werden. Während ihrer jüngsten Kontrolle haben die Polizisten die Angesprochenen allerdings nur mündlich verwarnt, weil sich alle Sünder einsichtig gezeigt hätten.

„Hören Sie mich gar nicht?“

„Hören Sie mich gar nicht?“, fragt Torsten Blume. „Jetzt schon“, sagt die junge Frau, als sie einen ihrer beiden Ohrhörer entfernt hat. Gerade noch war sie auf ihrem Fahrrad durch die Fußgängerzone unterwegs, über ihr Smartphone in das Gespräch mit einer Freundin vertieft. „Wir haben Vorabi geschrieben“, sagt sie. Es klingt wie eine Entschuldigung.

Natürlich weiß die angehende Abiturientin, dass Fahrradfahren in der Fußgängerzone zwischen 10 und 18 Uhr untersagt ist. Natürlich hat sie gerade ein schlechtes Gewissen. Thorsten Blume, Verkehrssicherheitsbeauftragter der Polizeiinspektion in Delmenhorst, wird deutlich: „Wir belassen es heute bei einer mündlichen Verwarnung, beim nächsten Mal kostet es das Taschengeld von ein paar Wochen.“

Mit dem Handy am kann es teuer werden

Damit spielt der Beamte auf die seit wenigen Tagen geltende Verschärfung des Verwarnungs- und Bußgeldkatalogs auch für Radfahrer an. Wer das Handy beim Fahrradfahren benutzt, und sei es nur zum kurzen Check der Uhrzeit, kann mit 55 Euro zur Kasse gebeten werden. Zusammen mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung wegen des Fahrens in der Fußgängerzone wäre die Schülerin mit mindestens 70 Euro dabei.

Es bleibt ihr diesmal erspart, genau wie den anderen Radlern in der Fußgängerzone, die zum Teil recht unbekümmert das Fahrverbot ignorieren. „Für uns steht Prävention vor Repression“, sagt Ute Dreyer, mehr als 35 Jahren im Polizeidienst und seit einem Jahr als Kontaktbeamtin Ansprechpartnerin für die Bevölkerung. Wenn sie und ihr Kollegen Radfahrer verwarnen, handeln sie im eigenen Ermessensspielraum. Und der hängt nicht selten davon ab, wie einsichtig sich die Verkehrssünder zeigen. „Wer uneinsichtig ist oder weiterfährt, wenn wir ihn stoppen wollen, zahlt“, sagt Torsten Blume.

„Sie machen das also vorsätzlich?“

Ein älterer Mann, der sein Rad schiebt, tritt in Höhe Marktplatz an ihn heran. Die Polizei solle sich mal nicht nur um die Radfahrer kümmern, wirft er ein und verweist auf die Schulstraße. Dort, vor dem Roten Kreuz, würden jeden Tag Autos parken, die dort nicht hingehören, und den Radfahrern das Leben schwer machen. Blume verspricht, sich das zu merken, als der Mann noch weiter ausholt. Neulich, da sei er auch mal in der Fußgängerzone mit dem Rad gefahren, als weit und breit kein Fußgänger zu sehen gewesen sei. „Sie machen das also vorsätzlich?“, fragt Blume. Das Gespräch versandet, der Mann schiebt davon.

„Es sind nicht immer nur die Jüngeren, die sich falsch verhalten“, wirft Kontaktbeamtin Dreyer ein.

App informiert in vielen Sprachen

Aber es sind ganz offensichtlich zum Teil auch diejenigen, die erst seit Kurzem in Deutschland leben. So stoppen Dreyer und Blume mehrere radfahrende Personen, die im folgenden kurzen Gespräch darlegen, dass sie aus dem Irak oder Afghanistan stammen. „Ein bisschen Deutsch“, sagt ein junger Mann auf Blumes Frage, ob sein Gegenüber ihn denn verstehe. Für den Polizisten steht außer Frage, dass das Gesetz für alle gleich ist, und so führt er die mehrsprachige App „German Road Safety“ (Sicherheit auf deutschen Straßen) auf seinem Smartphone vor Augen. „Die können Sie sich mal anschauen und auch andere informieren.“

Dass Flüchtlingen Fahrräder bereitgestellt werden, finden die Beamten gut. Aber sie fordern ein, dass im gleichen Atemzug die Straßenverkehrsregeln für Radfahrer vermittelt werden.

Nacht anderthalb Stunden endet die Kontrolle. Dreyer und Blume haben viel gehört, vor allem Ausreden.


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