Neuer Atlas-Baggerverkauf in Delmenhorst „Ich bin der Eigentümer, er ist der Boss“

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Delmenhorst. Mit einer neuen Marke geht Atlas ab Ende Oktober in Delmenhorst an den Start. Atlas Kompakt verkauft kleine und Mittelgroße Bagger, die in China gebaut worden sind. Dieses Standbein soll auch den Standort Delmenhorst sichern.

Im Juli 2014 noch wollte der Maschinenbauer Atlas die Delmenhorster Produktion ins Werk nach Vechta verlegen, ab Ende Oktober will das nun Unternehmen auf dem Gelände Klein-Bagger vertreiben – und stößt so in ein neues Marktsegment. Drei Millionen Euro an Investitionen wurden in das neu gegründete Unternehmen „Atlas Kompakt GmbH“ investiert. Der Baggerverkauf soll künftig auch den Standort Delmenhorst sichern.

„Ich bin der Eigentümer, er ist der Boss“

Wer sich am Montag am Tag der offenen Tür in der Werkshalle umschaute (ein weiterer folgt diesen Dienstag, Stedinger Straße 324, 11.30 bis 13 Uhr) erlebte einen entspannten Geschäftsführer Brahim Stitou und einen gelösten Fil Filipov. „Ich bin der Eigentümer, er ist der Boss“, sagte Atlas-Eigentümer und US-Investor Filipov nach einer kurzen Ansprache Stitous, was einiges über ihr Arbeitsverhältnis aussagte. Filipov gilt hierzulande seit der Atlas-Übernahme 2010 als knallharter, gewerkschaftskritischer Sanierer – aber auch als jemand, der das Schiff wieder auf Kurs zu setzen vermag, wenn es Schlagseite hat.

Gebaut wird in China, verkauft in Europa

Dass es Atlas längst wieder besser geht, ist bekannt. Und damit das auch so bleibt, lotet das Unternehmen neue Geschäftsfelder aus – wenn auch auf vorerst geringem Niveau: Fünf Mitarbeiter wird Atlas Kompakt laut Geschäftsführer Stitou zunächst haben, rund 500 der zwischen 10.000 und 35.000 Euro teuren Kleinbagger sollen 2018 zunächst in Deutschland, England und Frankreich verkauft werden. Der 38-Jährige schätzt den jährlichen Bedarf in dem Segment auf 35.000 Maschinen, „wenn wir zehn Prozent Marktanteil erreichen, sind wir gut dabei“, so Stitou, der eine konkrete Zielmarke nur ungern nennt. „Unser Ziel ist immer, morgen besser zu sein als gestern.“

Eigenes Testfeld neben der Halle

Atlas Kompakt wird dabei nicht als Hersteller der sechs Baggertypen, die etwa im Straßen- sowie im Garten- und Landschaftsbau zum Einsatz kommen, auftreten. Gebaut werden die Maschinen beim Partnerbetrieb „Sunword“ in China, insofern ist die Halle auf dem rückwärtigen Teil des Geländes in erster Linie ein Vertriebsort. 100 Bagger sollen ständig vor Ort sein, zudem will die Firma zahlreiche Ersatzteile anbieten. Der Halle ist auch ein Testfeld angegliedert – potenzielle Kunden müssen also nicht nach Ganderkesee. Das Unternehmen habe eine dreijährige Testphase hinter sich, in der die Maschinen über zwei Händler in Frankreich erprobt worden sind.

Atlas will Probleme des Marktes für sich nutzen

„In dem Markt hat es zuletzt einige Verschiebungen gegeben“, sagte Stitou. Durch Aufkäufe habe sich die Zahl der Hersteller reduziert, was eine gewisse Frustration bei Händlern verursacht habe, weil sich Engpässe bei Ersatzteilen oder beim Kundenservice ergeben hätten. Hier sehe Atlas eine Chance, die Konkurrenz zu übertrumpfen, unter anderem durch ein teilweise seit Jahrzehnten gepflegtes Händlernetz.

Stitou über Filipov: „Ich wollte von ihm lernen, weil er sehr effektiv ist“

Filipov hörte sich das alles gerne an. Zu Beginn drehte er mit Stitou noch eine Runde durch die Halle und ließ sich alles zeigen – begleitet von einem Fernsehteam. Er, der immer lieber jemandem aus dem eigenen Unternehmen Verantwortung überträgt, als einem Externen, fand anerkennende Worte für seinen Zögling. „Ich habe schnell gemerkt, dass Brahim sehr schnell lernt. Ich habe ihn beobachtet und langsam Aufgaben übertragen. Mir ist es gleich, ob jemand ein Diplom hat, solange er effektiv und schnell arbeitet.“ Stitou selbst beschrieb, wie er vor 20 Jahren als Mechaniker-Azubi bei Atlas angefangen hat, „ich habe Öl-Duschen bekommen, den Hof gefegt.“ Als er später Filipov kennengelernt habe, habe er dessen Wissen und Handlungsdrang zu schätzen gelernt. „Ich wollte von ihm lernen, weil er sehr effektiv ist.“

Sicherung des Delmenhorster Atlas-Standorts

Das neue Standbein solle auch den Standort Delmenhorst sichern, sagte Stitou in seiner Ansprache. Zur Erinnerung: 2012 drohte Filipov nach Warnstreiks mit der Schließung des Delmenhorster Werks. Und im Sommer 2014 brachte die Geschäftsführung unter Stitou einen Umzug von Delmenhorst nach Vechta ins Spiel, da die Unterhaltungskosten für das Werk zu hoch gewesen seien. Die Mitarbeiterschaft protestierte, im Januar 2015 begrub Atlas die Pläne.

Atlas erwirtschaftet 200 Millionen Euro im Jahr

Mittlerweile fährt die Atlas Maschinen GmbH mit ihren Standorten in Ganderkesee, Delmenhorst und Vechta wieder 200 Millionen Euro Jahresumsatz ein, 460 Mitarbeiter hat das Unternehmen laut Stitou heute. Zu Erinnerung: In Krisenjahr 2010, als Filipov das Ruder übernahm, lag der Umsatz laut Bundesanzeiger bei 122 Millionen Euro. 677 Beschäftigte waren damals beim Maschinenhersteller angestellt.

Atlas startet mit der Marke Kompakt den Verkauf von Kleinbaggern und hat eine Halle auf dem Atlas-Gelände an der Stedinger Straße bezogen. Foto: Grabbe


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