Selbsttherapie unterm Regendach Komödie „Hundewetter“ erntet in Delmenhorst viele Lacher

Von Jasmin Johannsen

Das frustrierte Großstadttrio und der Kellner begaben sich auf der Bühne des Kleinen Hauses in einen Stellungskrieg (v.li.): Lene Wink, Judith Hoersch, Marion Kracht und Daniel Morgenroth. Foto: Jasmin JohannsenDas frustrierte Großstadttrio und der Kellner begaben sich auf der Bühne des Kleinen Hauses in einen Stellungskrieg (v.li.): Lene Wink, Judith Hoersch, Marion Kracht und Daniel Morgenroth. Foto: Jasmin Johannsen

Die Komödie „Hundewetter“ setzte sich im Kleinen Haus Delmenhorst– nicht immer klischeefrei – mit den Lebenslügen von modernen Frauen auseinander.

Mit „Hundewetter“ von der französischen Autorin Brigitte Buc wurde am Donnerstag eine amüsante Komödie im Kleinen Hauses aufgeführt. Die rund 360 Besucher zeigten sich trotz klischeehaftem Ende von dem Ensemble um Marion Kracht angetan.

Ein Berliner Café: Hier suchen drei ganz unterschiedliche Frauen an einem regnerischen Septembermorgen Zuflucht. Da die Räumlichkeiten überfüllt sind, können die alleinerziehende Dessous-Verkäuferin Lulu (Lene Wink), der tablettensüchtige Dauersingle Gabriele (Judith Hoersch) und die überforderte Vollblutmutter und Karrierefrau Helene (Marion Kracht) von dem mürrischen Kellner (Daniel Morgenroth) nur im Hinterzimmer untergebracht werden. Schon nach kurzer Zeit lassen die Protagonistinnen, auch aufgrund von völlig unterschiedlichen Lebensweisen, nicht nur verbal die Fäuste fliegen. Dank alkoholischen Getränke, die der frauenhassende Kellner („Tussis wie euch muss man eins über den Schädel ziehen, damit Mann Ruhe hat“) serviert, ist der Seelenstriptease nicht mehr weit. Denn trotz aller Unterschiede eint Gabriele, Helene und Lulu doch eines: Sie alle führen ein ziemlich verkorkstes Leben.

Kiffend gegen den Ehemann wette

rn

„Ich will einfach nicht mehr schlecht behandelt werden“, gesteht Helene, die als erste den unvermeidlichen Nervenzusammenbruch erleidet. Und so wettert sie einen Joint rauchend gegen den untreuen Ehemann, die gefühlskalte Mutter und die nichtsnutzigen Kinder. „Es gibt heute nichts zu fressen, seht zu, wie ihr selbst klarkommt“, schleudert sie ihrer Familie am Telefon entgegen. Es ist dann eben auch Marion Kracht, die das Publikum mit ihren komischen Wutausbrüchen immer wieder zum Lachen bringt. Verletzlicher zeigten sich dagegen Lene Wink und Judith Hoersch in ihren Rollen und sorgten mit der spürbaren Einsamkeit von Lulu und Gabriele für berührende Momente.

Zum Schluss kommt es, wie es kommen muss: Das „Hundewetter“ klart auf, im Sonnenschein versprechen sich alle, ihr Leben zu ändern und auch der frauenhassende Kellner erweist sich als ganz guter Typ, bei dem sich nicht nur Helene fallen lassen kann. Ein etwas zu klischeehaftes Ende für ein ansonsten aufschlussreiches Lehrstück über die Probleme, die moderne Frauen beschäftigen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN