Trinkwasserbericht Delmenhorster Leitungswasser „besser als Mineralwasser“

Von Kai Hasse


Delmenhorst. Das Trinkwasser, das in Delmenhorst an die Häuser geliefert wird, ist einwandfrei. Das meinen die Stadtwerke und das Gesundheitsamt. Ein Trinkwasserbericht soll bald für alle einsehbar sein.

Die Trinkwasserqualität in Delmenhorst ist einwandfrei. Das stellen die Stadtwerke und das Gesundheitsamt der Stadt einvernehmlich klar. Im „Trinkwasserbericht“ für die Stadt ist das jetzt nachvollziehbar. Er wird in den kommenden Tagen für jeden einsehbar sein.

Details nach Politik-Anfrage

Den Anstoß für die Zusammenstellung aller Berichte, der berührenden Themenbereiche und der Messungen hatte eine Ausschusssitzung des Rates gegeben. Der Gesundheitsamtschef der Stadt, Dr. Helge Schumann, sollte spontan die Qualität des Trinkwassers einschätzen. Aus dem Ärmel schütteln konnte er, dass das Wasser gut ist, Details wollte er nachliefern – der Trinkwasserbericht liefert sie nun. Zusammengestellt wurde das Werk unterstützt von den Stadtwerken.

Vom Grundwasser zum Wasserhahn

Das Wasser der Stadt Delmenhorst erfüllt alle Standards, unterbietet sämtliche Grenzwerte und ist im niedrigen Härtebereich laut des Zahlenwerkes, das auch umfangreiche Erklärungen bereithält. Das Wasser, das aus Delmenhorster Wasserhähnen kommt, stammt aus dem Grundwasser. Es wird gefördert aus dem etwa 3440 Hektar großen Wasserschutzgebiet Annenheide südlich Delmenhorsts, grob im Umkreis des Albertushofes. Knapp 3,2 Millionen Kubikmeter Wasser werden im Jahr gefördert. Zusätzlich werden etwa 0,9 Millionen Kubikmeter vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband hinzugekauft.

„Besser als Wasser aus der Flasche“

Bei der Vorstellung des Trinkwasserberichtes stehen Mineralwasserflaschen auf dem Tisch. Eigentlich unpassend: „Unser Wasser ist besser als das aus der Flasche“, sagt Schumann, „und es wird besser untersucht.“ Das zeigt er dann mit den Tabellen, die die Qualitätsuntersuchungen aus den Jahren 2012 bis 2016 in gesetzlichen Grenzwerten und gemessenen Probewerten aus dem Trinkwassernetz gegenüberstellt. Auszüge: 50 mg Nitrat pro Liter sind erlaubt – Delmenhorst hat 0,5 bis 4,08 mg pro Liter; 0,5 mg Nitrit erlaubt – 0,007 bis 0,05 mg im Wasser; 10 Mikrogramm (µg) Uran erlaubt – 0,1 µg im Wasser; 100 µ Glyphosat erlaubt – und höchstens 0,04 µg im Wasser; 0,01 mg Blei erlaubt – 0,001 bis 0,005 mg gemessen.

Ausreißer im Januar 2015

Einen Makel haben die Tabellen, zumindest auf den ersten Blick: Die gemessenen Höchstwerte für sogenannte coliforme Bakterien – Fäkalkeime – aus den fünf gemessenen Jahren liegen mit 146 Einheiten über dem Grenzwert von 100 (gemessen wird in „Koloniebildenden Einheiten“ pro ml). Dies seien aber „Ausreißer“, die von einer Verunreinigung des Trinkwassers aus dem Januar 2015 stammen. Seitdem sei das Wasser wieder einwandfrei. Es habe sich nicht um gesundheitsschädliche E-Coli-Bakterien oder Enterokokken gehandelt, betont Stadtwerke-Prokurist Dieter Meyer. Im Frühjahr 2015 war noch von diesen Bakterien die Rede. Es hatte für eine Woche ein Abkoch-Gebot gegeben. Mittlerweile gibt es eine UV- Desinfektionsanlage. Deren Strahlen zerstören die Erbanlagen der Bakterien und Viren.

Versuchsprojekt am Wasserbrunnen

Da das Wasser aus Grundwasser in der landwirtschaftlich stark genutzten Region stammt, müssen die Stadtwerke, um diese Wert zu halten, mit den Landwirten der Region zusammenarbeiten. Denn die sollten ihre Tiere nicht dort weiden lassen, wo sie durch ihren Mist den Boden verschmutzen. Oder sie sollten keine Pestizide nutzen. In der Vergangenheit habe man deshalb Verträge mit den Landwirten geschlossen. „Die Einbußen werden von uns finanziell ausgeglichen“, so Meyer. Aber für Landwirte gelte nicht nur eine Geldsumme als Ausgleich, sondern auch ein Imagegewinn – denn durch ihre schonende Nutzung des Landes rund um die Brunnen der Stadtwerke tragen sie zur Trinkwasserqualität bei. In diesem Jahr beginnt ein von den Stadtwerken gefördertes Versuchsprojekt mit Landwirten auf etwa 20 Hektar Land, auf denen Mais ohne Pflanzenschutzmittel angebaut werden. Bald ist die Ernte. Dann soll eingeordnet werden, inwieweit die Bewirtschaftung mit einem mechanischen Unkrautrupfer, einem „Striegler“, statt Pflanzenschutzmitteln wirtschaftlich ist.