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Sanierung und Schutzschirmverfahren Bodenbelagshersteller DLW könnte neue Besitzer bekommen

Von Thomas Breuer

Hans-Norbert Topp ist Vorsitzender der Geschäftsführung der DLW Flooring GmbH – und zeigt sich zuversichtlich. Foto: Thomas BreuerHans-Norbert Topp ist Vorsitzender der Geschäftsführung der DLW Flooring GmbH – und zeigt sich zuversichtlich. Foto: Thomas Breuer

Delmenhorst/Bietigheim. Der Bodenbelaghersteller DLW Flooring strebt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Das bestätigte Geschäftsführer Hans-Norbert Topp. Man sei aber sanierungsfähig.

Der Bodenbelaghersteller DLW Flooring GmbH mit Werken in Bietigheim (Baden-Württemberg) und Delmenhorst hat beim Amtsgericht Heilbronn einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Grund ist laut Geschäftsführer Hans-Norbert Topp ein nicht näher erläuterter „kurzfristiger Liquiditätsengpass“. Das Unternehmen sei „weiterhin sanierungsfähig“, heißt es in einer schriftlichen Mitarbeiterinformation.

Geschäft bleibt in Unternehmensführung

Unternehmensführung behält Fäden in der Hand

Die an beiden Orten insgesamt 730 Beschäftigten, davon rund 270 in Delmenhorst, sollen am Mittwochnachmittag über die Lage informiert werden. Zum vorläufigen Sachwalter wurde vom Amtsgericht der Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Tibor Braun bestellt. Das operative Geschäft bleibt bei dem Verfahren in Händen der Unternehmensführung. Aufgrund des initiierten Verfahrens beauftragte das Unternehmen zudem für die Eigenverwaltung die bundesweit tätige und auf Sanierungen spezialisierte Sozietät Wellensiek.

Jetzige Investoren seit Mitte 2015 im Boot

DLW Flooring befand sich schon vor dem jetzigen Schritt in einem laufenden Sanierungsprozess. Bereits Ende 2014 musste ein Insolvenzantrag gestellt werden, nachdem der damalige Mutterkonzern, die US-amerikanische Firma Armstrong, die Trennung von DLW auf den Weg gebracht hatte. Die niederländische Fields Group war Mitte 2015 als neuer Investor eingestiegen und führte es unter dem neuen Namen DLW Flooring fort. Allerdings kostete der Prozess in Bietigheim und Delmenhorst insgesamt 55 Mitarbeiter ihren Job.

Der Liquiditätsengpass kommt zum jetzigen Zeitpunkt überraschend. Noch im März laufenden Jahres sagte Topp in einem Gespräch mit unserer Zeitung, die finanzielle Grundlage sei bis Anfang 2019 gesichert. Auch weil die Belegschaft sich bis auf Weiteres zu zusätzlichen Einbußen gegenüber dem Tarif bereit erklärt hatte.

Kunden sollen keine Auswirkungen spüren

Die wichtigste Botschaft nach außen lautet jetzt: „Der Geschäftsbetrieb läuft unverändert weiter. Kunden erhalten weiterhin alle Produkte und Dienstleistungen.“

DLW Flooring, in Delmenhorst mit der Linoleumproduktion vertreten, befindet sich seit einem Jahr in einem umfangreichen Sanierungsprozess. Topp, der vor sieben Monaten als Sanierer in die Geschäftsführung berufen wurde, sagt jetzt: „Die Sanierung kommt sehr gut voran und liegt in verschiedenen Bereichen sogar über den Vorgaben des Konzeptes. Wir sind effizienter geworden und haben Produkte und Kollektionen optimiert. Auch die Neu-Ausrichtung des Vertriebs wurde eingeleitet.“

Keine konkreten Prognosen zum jetzigen Zeitpunkt

Das jetzt auf den Weg gebrachte Verfahren der Eigenverwaltung könnte auch dazu führen, dass sich die Besitzverhältnisse bei DLW Flooring noch einmal verändern. Erste potenzielle Investoren hätten sich bereits gemeldet, die Interesse an einer Übernahme des Herstellers von Bodenbelägen signalisiert haben. Für konkrete Aussagen sei es aber noch zu früh. „Aber“, so der Geschäftsführer, „das ist natürlich schon mal ein positives Signal, denn das Unternehmen hat einen großen Wert und eine Daseinsberechtigung in den Märkten.“


Bei dem jetzt angewandten Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung handelt es sich um den selben Schritt, den derzeit auch zwei Gesellschaften unter dem Dach der „Josef-Hospital Delmenhorst Holding“ durchlaufen. Im Regelfall lässt das Amtsgericht diesen Weg nur zu, wenn eine Aussicht auf Sanierung besteht. Mit dem Verfahren will der Gesetzgeber die Sanierungschancen von Unternehmen in der Krise steigern und die Verantwortlichen in einem Unternehmen dazu bringen, einen notwendigen Antrag frühzeitig zu stellen. Die auch als Schutzschirmverfahren bezeichnete Maßnahme ist erst seit 2012 möglich.

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