Schiiten gedenken Märtyrer Friedensmarsch in Delmenhorst birgt politische Brisanz

Von Dirk Hamm

Teilnehmer des Friedensmarsches zu Aschura des Vereins islamischer Weg ziehen mit Schildern und Transparenten durch die Delmenhorster Innenstadt. Foto: Melanie HohmannTeilnehmer des Friedensmarsches zu Aschura des Vereins islamischer Weg ziehen mit Schildern und Transparenten durch die Delmenhorster Innenstadt. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Rund 80 schiitische Muslime haben sich zum Gedenken an ihren Märtyrer Hussein dem „Delmenhorster Friedensmarsch zu Aschura“ angeschlossen. Eingeladen hatte der umstrittene Verein Islamischer Weg.

Wer am Samstag durch die Innenstadt spazierte, wurde geradezu überhäuft mit Werbematerialien der wahlkämpfenden Parteien, vom Infoflyer bis zum Kugelschreiber. Aber auch der in Delmenhorst ansässige Verein Islamischer Weg verteilte Handzettel: Anlässlich des schiitischen Gedenktages Aschura marschierten rund 80 Muslime geordnet und stumm durch die Fußgängerzone. In der anschließenden Kundgebung am Schweinemarkt rief der Redner indirekt zu einem Boykott in Israel hergestellter Waren auf.

Schiiten gedenken des Todes von Hussein

Zum fünften Mal hatte die umstrittene Organisation zu dem so titulierten Delmenhorster Friedensmarsch zu Aschura am ersten Samstag nach Aschura – in diesem Jahr fiel der Gedenktag auf den 1. Oktober – aufgerufen. An Aschura gedenken die Schiiten des gewaltsamen Todes des für sie dritten Imams Hussein, eines Enkels des Propheten Mohammed, und seiner Anhänger in der Schlacht von Kerbela im Jahr 680.

Viele junge Familien marschieren mit

Am Morgen versammelten sich die Marschierer am ZOB. Meist junge Männer und Frauen reihten sich ein, viele waren mit Kinderwagen gekommen. Ein Teil der Teilnehmer war aus umliegenden Städten und Gemeinden angereist. Aufgrund des regnerischen Wetters und der Schwierigkeiten der Anreise nach dem Sturm „Xavier“ war die Gruppe nach Einschätzung mehrerer Marschierer etwas kleiner als in den Vorjahren.

Route wegen des Regens verkürzt

Auch wurde die Route des Gedenkmarsches wetterbedingt erheblich verkürzt. Die Abschlusskundgebung fand so diesmal am Schweinemarkt und nicht wie angekündigt am Wasserturm statt. Huseyin Özoguz vom Verein Islamischer Weg, der vor zwei Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet worden war, hielt eine kurze Ansprache.

Abschlusskundgebung mit scharfen Tönen

Die hatte es in sich: Der Redner verband seinen mit sozialkritischen Positionen verknüpften Appell für Frieden unter anderem mit der indirekt formulierten Aufforderung, keine Produkte aus Israel zu konsumieren. Zu den Ländern, in denen Krieg herrscht, zählte der Redner auch Palästina, das durch Israel unterdrückt werde.

Kritik auch an Zuständen in Delmenhorst

Frieden, so Özoguz, bedeute mehr als die Abwesenheit von Krieg. Gegen den Frieden verstoße auch, „wenn wir als Deutsche weltweit Kriege unterstützen“. Özoguz kritisierte – offenkundig Bezug nehmend auf die Situation im Wollepark – ebenfalls scharf, dass in Delmenhorst „den Ärmsten das Wasser und der Strom abgestellt wird, obwohl sie sich nichts haben zuschulden kommen lassen“.