Drogenabhängige Diebin vor Landgericht Zwangseinweisung für Delmenhorsterin steht im Raum

Von Ole Rosenbohm

Symbolfoto: Michael GründelSymbolfoto: Michael Gründel

Delmenhorst/Oldenburg. Gewerbsmäßige Diebstähle in vier Fällen hatte das Landgericht Oldenburg jetzt zu verhandeln – doch eigentlich ist der Fall um die drogenabhängige Angeklagte viel größer.

Drei aktuelle Bewährungen laufen gegen die in vielen Einkaufsmärkten in Delmenhorst und Bremen bekannte Frau, dazu zwei noch nicht eröffnete Verfahren. 2014 und 2015 erhielt die 32-Jährige zudem Geldstrafen in Höhe von insgesamt 245 Tagessätzen. Immer ging es um Diebstähle.

Seit 17 Jahren Konsumentin harter Drogen

Bei so einer Fülle kann selbst das Gericht „den Überblick verlieren“, gab die Vorsitzende Richterin Uta von Stietencron zu. Ganz genau wusste von Stietencron aber, dass sie die Angeklagte erst im April im selben Raum zu einer Berufungsverhandlung begrüßt hatte. Eine von ihrer Abhängigkeit gezeichnete Frau, die eigenen Angaben nach seit 17 Jahren harte Drogen nimmt, seit zwölf Jahren auch Heroin. Mindestens zu einem Teil finanziert sie den Konsum durch Diebstähle von Kleidung, Kosmetika oder Tabak.

Siebenmonatige Freiheitsstrafe verhängt

Im aktuellen Fall ging es um vier Fälle in Einkaufsmärkten, in denen die Angeklagte meist Dosen mit Tabak im Gesamtwert von rund 450 Euro in großen Kühltaschen verschwinden ließ, dann, so eine Zeugin, „an der Kasse vorbeihuschte“, um nach draußen zu gelangen. In zwei Inkoop-Märkten, im E-Center und in einem Bad Zwischenahner Markt wurde sie erwischt und kassierte dafür vom Amtsgericht Delmenhorst sieben Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Sowohl die Staatsanwaltschaft, die ein höheres Urteil fordert, als auch Angeklagte, die vor allem die Rechtswirksamkeit verhindern will, legten Berufung ein.

„Eine Therapie ist Ihre einzige Chance“

Im Berufungsprozess machte die Richterin deutlich, dass ein niedrigeres Urteil, etwa eine erneute Bewährung, kaum in Frage käme. Vorstrafen, laufende Verfahren, anhaltende Hartdrogensucht: „Woher soll ich eine günstige Prognose nehmen?“, fragte sie die Angeklagte. Ein Urteil fällte sie nicht, sondern will nun eine Gutachterin mit einer Prüfung beauftragen, ob eine Zwangseinweisung in eine therapeutische Einrichtung möglich wäre. Denn eines ist der Richterin klar: „Sie sind krank, eine Therapie ist Ihre einzige Chance, wenn Sie noch etwas leben wollen.“