Ein Bild von Michael Korn
25.09.2017, 00:07 Uhr KOMMENTAR

Die Wahl in Delmenhorst und umzu: Unsere Region hat gewonnen!

Ein Kommentar von Michael Korn


Delmenhorst hat zukünftig einen Abgeordneten mehr im Bundestag. Das ist gut für die Region. Foto: dpaDelmenhorst hat zukünftig einen Abgeordneten mehr im Bundestag. Das ist gut für die Region. Foto: dpa

Delmenhorst. Die Bürger und Betriebe in Delmenhorst und in den Landkreisen Oldenburg und Wesermarsch können sich freuen – wie erwartet hat unsere Region nämlich beim Urnengang am Sonntag gewonnen. Ein Kommentar.

Die Bürger und Betriebe in Delmenhorst und in den Landkreisen Oldenburg und Wesermarsch können sich freuen – wie erwartet hat unsere Region nämlich beim gestrigen Urnengang gewonnen: Künftig ist sie (Stand bei Redaktionsschluss) mit drei statt wie bisher zwei Abgeordneten in Berlin vertreten! Eine stärkere Lobby auf Bundesebene hat sie indes auch bitter nötig, wie der Nachholbedarf etwa in Fragen der Infrastruktur (Digitalisierung, Verkehrsanbindungen, Förderung) zeigt. Unsere Region braucht dringend mehr Fürsprache in Berlin als bisher! Insofern ist die Bundestagswahl mit ihren Ergebnissen im hiesigen Wahlkreis auch ein Attest für die Arbeit der bisherigen Abgeordneten.

Rechtspopulisten sind schwächer geworden

Diese Erststimmen-Resultate in der Stadt Delmenhorst und in der Gemeinde Ganderkesee spiegeln zunächst im Großen und Ganzen das Bundesergebnis wider: Starke Verluste für Astrid Grotelüschen (CDU) und Susanne Mittag (SPD), hohe Zuwächse bei Christian Dürr (FDP) und vor allem AfD-Kandidat Herbert Sobierei. Eines ist dennoch auffällig: Die Rechtspopulisten haben in Delmenhorst im Vergleich zur Kommunalwahl vor einem Jahr rund zwei Prozenpunkte schlechter abgeschnitten. Damals hatten sie mit mehr als 15 Prozent das im landesweiten Vergleich beste Ergebnis erzielt.

FDP-Hoffnungsträger punktet in Ganderkesee

Christian Dürr als liberaler Spitzenkandidat in Niedersachsen hat naturgemäß vor allem in seiner Heimatgemeinde Ganderkesee punkten und das schwache Ergebnis seiner Vorgängerin von 2013 vervierfachen können. Damals war dies sicherlich dem Sog des allgemeinen liberalen Abwärtstrends geschuldet. Der FDP-Politiker, dessen Karriereweg in der Partei weiter steil nach oben führt, wird nun beweisen können, wie viel Lokalkolorit er in die Bundeshauptstadt mitnimmt.

Grotelüschen und Mittag verlieren an Rückhalt

Niederschmetternd hingegen muss das Wahlergebnis für die beiden großen Konkurrentinnen in unserer Region, Astrid Grotelüschen (CDU) und Susanne Mittag (SPD), sein. Beide haben jeweils deutlich an Rückhalt eingebüßt. Auffallend hierbei: Während sie in Delmenhorst nahezu gleichhohe Verluste hinnehmen mussten, überrascht das desolate Abschneiden von Grotelüschen in Ganderkesee. Das konnte so nicht erwartet werden, sind doch vor allem auch landwirtschaftliche Themen in der ländlichen Gemeinde eines der zentralen Profile der CDU-Politikerin. Offenkundig hat Grotelüschen hier bei ihrer Stammklientel Vertrauen eingebüßt.

Wie im Bund dürften Grotelüschen und Mittag Wähler insbesondere an FDP und AfD verloren haben. Möglicherweise hat aber auch ein übertrieben intensiv geführter Wahlkampf so manchen Wähler ermüdet. In den vergangenen acht Wochen haben sich die Konkurrentinnen beinahe täglich mit öffentlichen Auftritten bei Firmen, Vereinen, Verbänden, in Kitas, Schulen und bei Festen gegenseitig überboten. Dieser Aktionismus könnte den Wählerinnen und Wählern verdeutlicht haben, wie sehr es Bundestagskandidaten nicht nur um Sachthemen und den Erfolg der eigenen Partei geht, sondern auch um persönliche Meriten. Hinzu kommt, dass die Politikerinnen mit dem Wahlkampfmarathon unbewusst den Eindruck vermittelt haben, dass sie in einem sehr begrenzten Zeitraum alles für ihren Wahlkreis geben und Interesse für die Menschen und Probleme vor Ort zeigen, danach aber wieder Berlin in den Vordergrund stellen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Natürlich tragen wir als Presse Mitverantwortung für die öffentliche Dauerpräsenz von Grotelüschen und Mittag in den letzten Monaten. Dessen sind wir uns bewusst und haben uns daher klare Richtlinien für die Berichterstattung in Wahlkampfzeiten gegeben. Selbstverständlich müssen wir die Bürger und Wähler in Text und Bild darüber informieren, was ihre Kandidaten zu den drängenden Problemen und Herausforderungen in der Region zu sagen haben. Das kann kein Wahlplakat, keine Internetseite und kein Facebook-Post ersetzen. Unser oberstes Gebot in der Wahlkampfberichterstattung ist es, vor allem gleichberechtigt in Länge, Platzierung und Aufmachung über die jeweiligen inszenierten Partei-Termine zu berichten.

Dies gilt es auch in den nächsten Tagen und Wochen zu gewährleisten, schließlich ist nach der Wahl vor der Wahl – schon am 15. Oktober wird ein neuer niedersächsischer Landtag gewählt.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN