Delmenhorster Abgeordnete Mittag (SPD) und Grotelüschen (CDU) ziehen erneut in Bundestag ein

Von Thomas Breuer und Frederik Grabbe


Delmenhorst/Lemwerder/Hatten. Mit 1,22 Prozent Vorsprung hat Astrid Grotelüschen (CDU) die meisten Stimmen im Wahlkreis 28 geholt. Ihre Konkurrentin Susanne Mittag (SPD) musste sich geschlagen geben, profitiert aber von ihrem günstigen Listenplatz. Sie steht fest hinter dem künftigen SPD-Oppositionsführer Martin Schulz.

Die Bundestagspolitikerinnen Astrid Grotelüschen (CDU) und Susanne Mittag (SPD) konnten bei der gestrigen Wahl erneut in den Bundestag einziehen. Die Freude überwog bei Grotelüschen, die das Direktmandat holte.

Erst Entsetzen – dann Freunde bei Astrid Grotelüschen

Erst Entsetzen, dann erleichterte Freude: So lässt sich in kurzen Worten die emotionale Kurve des Abends auf der Wahlparty Astrid Grotelüschen (CDU) im Dorfkrug Meiners in Hatten beschreiben. Die CDU-Politikerin hat für ihren Wahlkreis das Direktmandat geholt. Viele fragten sich bei den Konservativen, was sie angesichts des Erfolgs der AfD hätten besser machen können.

13 Prozent für AfD – für die CDU‘lerin „grausam“

Punkt 18 Uhr waren die Gesichter der Teilnehmer der CDU-Wahlparty wie versteinert. Da flimmerten die ersten Ergebnisse für den Bund über die Bildschirme. Rund 13 Prozent wurden bei der AfD angegeben, „Grausam“, entfuhr es Grotelüschen. Im Fernsehen sprach CSU-Chef Horst Seehofer davon, dass die Schwesterparteien CDU und CSU die rechte Flanke zu offen gelassen hätten. Das sahen einige im Dorfkrug auch so. So sprach Anne Frerichs, Delmenhorster Pfarrerin und CDU-Mitglied, davon, dass man die aktuell verringerte Flüchtlingszuwanderung verstärkt zum Thema hätte machen sollen. „Das haben wir der AfD überlassen.“

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Dass sich CDU und SPD in der Großen Koalition einander eher geschadet haben, meinte Delmenhorsts Bürgermeister Hermann Thölstedt. „Dass eine solche Regierung jetzt nicht mehr möglich ist, ist vielleicht sogar ganz gut“, sagte er zu einer entsprechenden Ankündigung der SPD.

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Warten auf die Kita Pusteblume

Diese Gedankenspiele rückten im Laufe des Abends in den Hintergrund. Der eigentliche Krimi spielte sich vor den Bildschirmen der Wahlkampfhelfer ab, wo tröpfchenweise Ergebnisse aus den Gemeinden einflossen. Um 20.57 Uhr wurde verkündet: „Zwei Wahllokale fehlen noch, wir liegen um 1,27 Prozent vorne.“ Solche Wasserstandsmeldungen gab es immer wieder. Am Ende fehlte ein Ergebnis aus der Kita Pusteblume in Wildeshausen. Erst dann – mit 1,22 Prozent Vorsprung – traute sich Grotelüschen offen zu jubeln.

Mittag löst Ticket nach Berlin über Listenplatz zwei

In der Begegnungsstätte (Begu) in Lemwerder hat Susanne Mittag gestern Abend lange Zeit gehofft, dass es doch noch für das Direktmandat reichen könnte. Mit knapp 100 Parteifreunden verfolgte sie im Anschluss an einen Abstecher in das Kreishaus Brake die Auszählung der Stimmen im Wahlkreis und auf Bundesebene – und konnte schließlich das Ticket nach Berlin doch nur über ihren Listenplatz zwei auf der SPD-Landesliste lösen.

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Heiter Stimmung mochte sich nicht einstellen

Eine heitere Stimmung mochte sich bei den versammelten Sozialdemokraten nicht so recht einstellen. Dafür war vor allem die Enttäuschung über das Bundesergebnis zu groß. Wobei sich Mittag durchaus schon wieder kämpferisch gab: „In der Opposition können wir öffentlicher und einfacher diskutieren.“

Mittag für Schulz als Oppositionsführer

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Das verfehlte Direktmandat kommentierte sie mit den Worten: „Man kann sich so einem Bundestrend nicht entgegenstellen. Damit muss man umgehen, und damit werde ich umgehen.“ Sollte Martin Schulz denn nun die SPD-Opposition im Bundestag führen? „Ja“, sagte Mittag, „auf jeden Fall.“ Dem gescheiterten Kanzlerkandidaten attestierte sie einen großen Wahlkampf, in der Opposition könne es nach der Großen Koalition für alle Sozialdemokraten „eine befreitere Politik“ werden.

Bereits kurz nach 22 Uhr leerte sich die Begu spürbar. Die ganz große Partylaune war freilich schon mit der ersten Hochrechnung um 18 Uhr verflogen.


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