FDP sieht sich neben AfD als Wahlgewinner Delmenhorster Parteivertreter sehen Stadt gestärkt

Oberbürgermeister Axel Jahnz beobachtet die Wahlergebnisse im Delmenhorster Rathaus. Foto: Marco JuliusOberbürgermeister Axel Jahnz beobachtet die Wahlergebnisse im Delmenhorster Rathaus. Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Als Gewinn für Delmenhorst werten Oberbürgermeister wie Parteivertreter die Aussicht, dass künftig drei Bundestagsabgeordnete die Stadt in Berlin vertreten werden. Ihre Verluste erklären die beiden großen Volksparteien mit Problemen, ihre Kernthemen zu vermitteln. Dennoch ist die SPD stolz auf den Mittag-Sieg und die CDU auf den Zweitstimmenerfolg in Delmenhorst.

Wie erwartet fiel das Bundestagswahlergebnis aus Sicht des Delmenhorster Oberbürgermeisters Axel Jahnz aus, weder der FDP-Stimmengewinn noch das AfD-Ergebnis konnten ihn überraschen. Doch für Delmenhorst gelte bei Letzterem: „Es sind deutliche Tendenzen einer Veränderung erkennbar.“ Aus lokaler Sicht freue er sich vor allem, drei Bundestagsabgeordneten aus der Region gratulieren zu können. „Ich gehe davon aus, dass sie für unsere Region Delmenhorst alles rausholen werden, was rauszuholen ist.“ Losgelöst von seiner Funktion als Oberbürgermeister könne er als Sozialdemokrat gut damit leben, dass seine Partei sich klar für vier Jahre Oppositionsbank entscheide. „So kann man aus dieser Krise lernen und Neues gewinnen“, ergänzte Jahnz. Großes Lob sprach er – unabhängig von der Parteizugehörigkeit – den beiden „sehr erfrischenden“ jungen lokalen Direktkandidaten Christina-Johanne Schröder (Grüne) und Manuel Paschke (Linke) aus. Ihre Ergebnisse zeigten, dass sie sich und ihre Parteien gut vertreten hätten und, allgemeiner gesprochen, dass man sich um den politischen Nachwuchs keine Sorgen machen müsse.

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CDU erklärt Verlust mit Versäumnissen bei innerer Sicherheit

„Gut geschlagen“ haben sich die Christdemokraten aus Sicht des Delmenhorster CDU-Parteivorsitzenden Heinz-Gerd Lenssen. Direktkandidatin Astrid Grotelüschen habe „ganz gut Stimmen geholt“, auch wenn beide großen Volksparteien Stimmen abgeben mussten. Die Gründe für die CDU-Verluste sieht Lenssen vor allem in Versäumnissen beim Thema innere Sicherheit. „Straffällige Wiederholungstäter müssen in U-Haft bleiben“, nennt er ein Beispiel. Dabei gehe es auch darum, die Menschen zu schützen, „die bei uns Schutz suchen“ –von der AfD würden sonst alle über einen Kamm geschoren. Dass die AfD in zwei Delmenhorster Wahllokalen deutlich über 20 Prozent erreichte, finde er „schlimm“. Immerhin sei es aber im Vergleich zur Kommunalwahl gelungen, Menschen „zu den demokratischen Parteien zurückzuholen“. Und stolz sei er, dass die CDU in Delmenhorst erneut knapp vor der SPD abschnitt, was er auch auf die „gute Ratspolitik“ der CDU zurückführte.

SPD stolz auf Mittag-Sieg, aber enttäuscht von Zweitstimmen

Vor allem das aus sozialdemokratischer Sicht gute Erststimmen-Ergebnis machte die SPD-Unterbezirksvorsitzende Petra Behlmer-Elster „stolz auf Delmenhorst“. Schade sei hingegen das Zweitstimmenergebnis. Die SPD habe offenbar nicht gut genug transportiert, „was wir in der Koalition an sozialen Errungenschaften umgesetzt haben“. Um die Entscheidung der Bundes-SPD für die Opposition sei sie nicht böse, zumal es „grauenhaft“ wäre, wenn die AfD die Opposition angeführt hätte. Deren Ergebnis sei deutlich zu hoch, das Argument einer „Denkzettelwahl“ lasse sie nicht mehr durchgehen. „Offensichtlich gibt es zu viele, die auch langfristig für rechtspopulistisches Geschrei anfällig sind“, sagte die örtliche SPD-Chefin. Nun müsse die SPD daran arbeiten, die Menschen mit ihren guten Themen, wie dem Eintreten für bessere Bildung und gerechtere Verteilung, besser zu erreichen.

FDP sieht Christian Dürr in Berlin als Gewinn für die Stadt

Dass mit dem Liberalen Christian Dürr ein weiterer regionaler Bundestagsabgeordneter „Delmenhorst in Berlin mit vertreten wird“, sei auf jeden Fall ein Gewinn für die Stadt, betont FDP-Pressesprecher Claus Hübscher. Die FDP sei einer der Wahlgewinner, wie auch die AfD, die aber im Vergleich zur Kommunalwahl etwas nachgelassen habe. Auch bei den Zweitstimmen sei die Delmenhorster FDP erfreut über den „Rückenwind“, die Partei habe ihren Stimmanteil fast verdoppelt und sei sichtbar „auf gutem Wege“. „Wir Liberalen in Delmenhorst sind ganz froh, dass wir durchgehalten haben trotz aller Unkenrufe“, bekräftigte Hübscher.

Grüne sind nicht euphorisch, aber zufrieden

Nicht euphorisch, aber zufrieden äußerte sich Andrea Lotsios, die stellvertretende Vorsitzende der Delmenhorster Ratsfraktion vom Bündnis 90/ Die Grünen, über das erreichte Ergebnis. „Im Vergleich zu 2013 haben wir uns verbessert, wenn auch nur wenig“, sagte Lotsios. Hier mache sich auch bemerkbar, dass die grüne Direktkandidatin Christina-Johanne Schröder nicht aus Delmenhorst sei. Schröder bescheinigte Lotsios „sehr gute Arbeit“ und hob vor allem die Qualität ihrer Aussagen und Argumente hervor. „Da sind wir gut aufgestellt gewesen“, bilanzierte Lotsios, „das ist das, was wir für die Zukunft brauchen“. Ermutigend sei auch, dass die AfD im Vergleich zur Kommunalwahl „zumindest ein bisschen verloren“ habe und der Aufwärtstrend gebrochen sei.

(Weiterlesen: So hat die Region abgestimmt)


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