Drohender Stellenabbau Delmenhorster Klinik-Krise: Aufsichtsrat im Fokus

Von Michael Korn

Kommt ein spürbarer Personalabbau? JHD Delmenhorst. Foto: Thomas BreuerKommt ein spürbarer Personalabbau? JHD Delmenhorst. Foto: Thomas Breuer

Delmenhorst. Nach der überraschenden Ankündigung von Krankenhaus-Chef Ralf Delker, im Delmenhorster Josef-Hospital Stellen abzubauen, richtet sich jetzt die volle Aufmerksamkeit von Belegschaft und Ratspolitik auf die Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag.

Nach der überraschenden Ankündigung von Krankenhaus-Chef Ralf Delker, im Delmenhorster Josef-Hospital Stellen abzubauen, richtet sich jetzt die volle Aufmerksamkeit von Belegschaft und Ratspolitik auf die Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag. Stellvertretend für dessen Mitglieder erwartet dort Oberbürgermeister Axel Jahnz detaillierte Antworten auf drängende Fragen zur Höhe der finanziellen Lücke, zur Art der Berechnung sowie zu Umfang und Profil der im Raum stehenden Stellenkürzungen. Über die vertrauliche Ratssitzung im Anschluss an die öffentlichen Hiobsbotschaften durch Delker sagte Jahnz, der Rat stehe wie er zum Krankenhaus in öffentlicher Trägerschaft.

Jobverlust nicht beziffert

Dem Vernehmen nach hat Delker auch hinter verschlossenen Türen nicht angedeutet, wie viele der rund 1000 Stellen gestrichen werden sollten, um die Finanzierungslücke in Millionenhöhe aufzufangen. Die Liquiditätsengpässe werden ausgelöst durch eine mangelhafte Belegquote und strukturelle Schwächen bei den Tochtergesellschaften des Josef Hospitals. Delker hatte zudem insbesondere auf einen Überhang an Pflegekräften hingewiesen. In Ratskreisen wird zwar einerseits akzeptiert, dass der Geschäftsführer aus Haftungsgründen eine Berichtspflicht über wirtschaftliche Schieflagen hat. Andererseits stelle sich jedoch die Frage, weshalb dessen Vorgänger Thomas Breidenbach offenkundig zu einer weniger dramatischen Einordnung der finanziellen Lage kam.

Verwunderung in Ärzteschaft

Auch in der Delmenhorster Ärzteschaft herrscht Verwunderung: Christoph Zahnert, Facharzt für Innere Medizin, bekräftigte aufgrund langjähriger Erfahrung in der Zusammenarbeit mit dem Haus, dass es vielmehr einen Personalnotstand gebe und gerade Pflegekräfte fehlten. Die Ambulanz sei unterbesetzt und auf Stationen fehle Fachpersonal. Zudem drohe durch die Aussagen Delkers ein weiterer schwerer Vertrauensverlust bei Patienten. Zahnert bescheinigt Ärzten und Schwestern im JHD eine „hohe Kompetenz und gute Arbeit“. Es müsste eher Personal mit dem richtigen Aufgabenprofil aufgestockt werden. Betriebsrat und Mitarbeitervertretung wollen zunächst die Aufsichtsratssitzung abwarten und sich dann am kommenden Mittwoch positionieren.