Delmenhorst bei Studie im Mittelfeld Erzieher-Mangel betrifft bereits alle Kita-Träger

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Im Schnitt 8,5 Kinder betreut eine Kindergarten-Fachkraft in Delmenhorst. Damit liegt die Stadt nur knapp über dem Landesschnitt. Symbolfoto: Arno Burgi/dpaIm Schnitt 8,5 Kinder betreut eine Kindergarten-Fachkraft in Delmenhorst. Damit liegt die Stadt nur knapp über dem Landesschnitt. Symbolfoto: Arno Burgi/dpa

Delmenhorst. Eine Kindergartenfachkraft betreut in Delmenhorst im Schnitt 8,5 Kinder, womit die Stadt bei einer Bertelsmann-Erhebung im Mittelfeld liegt. Die Stiftung empfiehlt, mehr Erzieher einzustellen. Doch das ist trotz zusätzlicher Mittel nicht so leicht.

Bildungschancen von Kindern haben sich leicht verbessert, hängen aber weiter erheblich vom Wohnort ab: Das ist das Fazit des gerade vorgestellten Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung. Delmenhorster Kindertagesstätten sieht die Studie im Mittelfeld. Besser schneiden beispielsweise Bremen, die Landkreise Diepholz und Verden ab, deutlich schlechter etwa Wilhelmshaven, Northeim und Lüchow-Dannenberg. Für einen „kindgerechten Personalschlüssel“ von drei Krippen- oder 7,5 Kindergartenkindern pro Fachkraft müsse Delmenhorst wie viele Kommunen noch nachbessern: Niedersachsenweit müssten laut Stiftung 3300 neue Fachkräfte in Vollzeit eingestellt und 152 Millionen Euro zusätzlich investiert werden, um diese Ziele zu erreichen. „Ohne attraktivere Rahmenbedingungen für das Kita-Personal wird es allerdings schwer, dem steigenden Fachkräftebedarf nachzukommen“, warnen die Studien-Autoren.

Immer mehr Kita-Stellen bleiben unbesetzt

Denn die Zahl der offenen Erzieher- und Sozialassistenten-Stellen steigt seit Jahren. Nach Angaben der Arbeitsagentur waren in diesem Juli 1205 unbesetzte Stellen für Fachkräfte in der Kinderbetreuung gemeldet, sieben Jahre zuvor waren es nur 350. „Die Forderung nach mehr Fachkräften für die Einrichtungen ist nicht von heute auf morgen zu erfüllen“, sagt Anja Schmiedeke, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Niedersachsen und Bremen. Die Gewerkschaft Verdi fordert deshalb deutlich bessere Arbeitsbedingungen. Der Beruf werde schon dadurch für viele uninteressant, dass die vierjährige Erzieher-Ausbildung rein schulisch und nicht vergütet sei – und teilweise sogar Schulgeld anfalle.

Träger fordern vergütete, modernisierte Ausbildung

„Es kann nicht sein, dass Erzieher die Ausbildung zum Teil selbst finanzieren müssen“, ärgert sich Erwin Drefs, Sprecher der Trägerarbeitsgemeinschaft der 25 Delmenhorster Kitas, „das ist eine gesellschaftliche Aufgabe“. Zudem müsse die Fachschulausbildung enger mit dem verknüpft werden, was im Kita-Alltag gebraucht werde. Auf die ganz wesentlichen Unterschiede zwischen Krippe und Kindergarten gehe die heutige Ausbildung zum Beispiel nicht genügend ein. Nach der Ausbildung gelte, dass Stellenumfänge und Eingruppierungen so sein müssten, dass Männer wie Frauen gut davon leben können. Derzeit seien aber auch gute, unbefristete Stellen zum Teil schwer zu besetzen, berichtet Drefs aus seiner Praxis als Lebenshilfe-Geschäftsführer. Aktuell suche die Lebenshilfe, wie die anderen Kita-Träger, nach zusätzlichem Personal, das über die neue Landes-Förderrichtlinie QuiK finanziert wird. Sie bringt bis Ende 2018 1,56 Millionen Euro an Landesmitteln nach Delmenhorst.

Qualifizierungskurs für Quereinsteiger in Vorbereitung

Die Stadtverwaltung, die die QuiK-Umsetzung koordiniert, berichtet, dass bereits beschäftigte Erzieherinnen und Sozialassistentinnen Stunden aufgestockt haben und zusätzliche Quereinsteiger eingestellt wurden. „Die Lebenshilfe lässt sich aktuell zertifizieren, um einen Qualifizierungskurs durchführen zu können“, berichtet Stadtsprecherin Maike Stürmer-Raudszus. Die QuiK-Richtlinie öffne erstmals die Kita-Türen für Quereinsteiger, hatte der für die Kindertagesbetreuung zuständige Fachdienstleiter Gerd Galwas bei deren Vorstellung zu bedenken gegeben. Um trotzdem die Qualität der Kita-Arbeit zu sichern, haben sich die Delmenhorster Träger geeinigt, Quereinsteiger nur nach einer 160-stündigen Schulung einzusetzen. Generell gelte: „Alle Einrichtungen und Träger sind bereits vom Fachkräftemangel betroffen.“ Um die Berufe attraktiver zu gestalten, hält der Fachdienst eine Ausbildungsvergütung, bessere Bezahlung des pädagogischen Fachpersonals und bessere Kita-Rahmenbedingungen für nötig. (mit dpa)


Ländermonitor

Für den Ländermonitor hat die Bertelsmann Stiftung erstmals Zahlen aus 402 Kreisen und kreisfreien Städten ausgewertet. Gemessen wird die Qualität am Personalschlüssel in den Kindertagesstätten, daran also, wie viele Kinder eine Fachkraft betreut. Delmenhorst landet in der Erhebung für die Kindergartengruppen, in denen Drei- bis Sechsjährige betreut werden, im Mittelfeld. Auf eine Fachkraft kommen hier 8,5 Kinder, im niedersächsischen Landesschnitt sind es 8,3 Kinder und im benachbarten Landkreis Oldenburg 8,7. Bei den Krippengruppen fällt Delmenhorst aus statistischen Gründen aus der Wertung, der Landkreis Oldenburg erreicht mit drei unter Dreijährigen pro Fachkraft einen sehr guten Wert, deutlich besser als der Landesschnitt von 3,9. Für Delmenhorst berichtet der zuständige Fachdienst, dass in den Krippengruppen drei Fachkräfte bis zu 15 Kinder betreuen und in den integrativen Krippengruppen bei reduzierter Platzzahl zusätzlich heilpädagogische Fachkräfte unterstützen.

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