Delmenhorster Präventionskette Ausschuss vertagt Beschluss zu Gremium gegen Kinderarmut

Von Sonia Voigt

Weil Delmenhorst beim Thema Kinderarmut zu den traurigen Spitzen in Niedersachsen gehört, soll ein neues Gremium Hilfen für Kinder und ihre Familien bündeln. Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpaWeil Delmenhorst beim Thema Kinderarmut zu den traurigen Spitzen in Niedersachsen gehört, soll ein neues Gremium Hilfen für Kinder und ihre Familien bündeln. Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

Delmenhorst. Bevor sie über ein mögliches neues Gremium gegen Kinderarmut abstimmen, wollen die Mitglieder des Delmenhorster Jugendhilfeausschusses mehr Informationen.

Zurückgestellt, aber nicht aufgehoben hat der Jugendhilfeausschuss am Dienstag den Antrag von CDU-Ratsfrau Frauke Wöhler zur Gründung eines neuen Gremiums gegen Kinderarmut in Delmenhorst. Die Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, diese Aufgabe bei der „Trägerarbeitsgemeinschaft nach Paragraf 78“, kurz TAG, anzusiedeln. Dort kommen Vertreter der freien Träger der Jugendhilfe, der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege, der anerkannten Religionsgemeinschaften und der Fachverwaltung – letztlich alle, die mit Kindern und Eltern arbeiten – bereits zusammen und könnten das Thema Kinderarmut „als regelmäßigen Tagesordnungspunkt aufnehmen“.

„Soziale Messe“ soll Präventionsangebote vorstellen

Sie brauche zunächst mehr Informationen über die TAG, um zu beurteilen, ob diese im Sinne ihres Antrags gegen Kinderarmut wirken könne, entgegnete die stellvertretende Ausschussvorsitzende Frauke Wöhler. „Von uns wusste keiner über die TAG Bescheid“, kritisierte sie den geringen Bekanntheitsgrad des Gremiums. Der nach fünf Jahren in Friesland jüngst als Fachdienstleiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes nach Delmenhorst zurückgekehrte Olaf Meyer-Helfers schlug vor, dem Jugendhilfeausschuss zeitnah in einer knappen Übersicht und im Frühjahr 2018 nochmal ausführlicher bei einer „sozialen Messe“ die TAG sowie all jene vorzustellen, die zur Delmenhorster „Präventionskette“ gehören.

Angebote begleiten Kinder von Geburt bis Berufseinstieg

„Kommunale Präventionsketten“ seien hilfreich, um Kinderarmut vorzubeugen, betont der Fachdienst. Sie könnten Kinder von der Geburt bis zum Berufseinstieg fördernd begleiten und dafür die vielen Angebote koordinieren, die es in Delmenhorst vom Babybesuchsdienst bis zur Sozialarbeit an Schulen schon gibt. Ein Beispiel dafür sei das Projekt „Gesund aufwachsen für alle“ mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, an dem eine Delmenhorster Lenkungsgruppe seit 2013 mitwirkt. Ergebnisse sind bislang ein fast fertiger Familienatlas für die Stadt-Internetseite, Arbeitsgruppen zu früher Prävention und zu Familienzentren sowie Fachtage.

Gleichstellungsbeauftragte fordert „gebündelten Blick“

Ähnlich wie Wöhler hatte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Petra Borrmann einen regelmäßig tagenden Arbeitskreis zu Kinderarmut in Delmenhorst angeregt. Während in Deutschland jedes siebte Kind arm oder von Armut bedroht sei, gelte das in Delmenhorst für jedes dritte Kind, zitiert Borrmann eine Bertelsmann-Studie. Trotz der vielen Hilfsangebote, die es in Delmenhorst schon gebe, „wäre ein gebündelter Blick auf das Thema Armut, auf Kinder und ihre Eltern wünschenswert“, so Borrmann.