Hoher Geburtstag für „Jan Tut“ Delmenhorster Nachtwächter wird 80 Jahre alt

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Die beiden Stadtoriginale Ortwin (rechts) und Ursula Zielke als „Jan Tut“ und „Mett Siewers“ bei einem Nachtwächterrundgang. Foto: dk-Archiv/Andreas NistlerDie beiden Stadtoriginale Ortwin (rechts) und Ursula Zielke als „Jan Tut“ und „Mett Siewers“ bei einem Nachtwächterrundgang. Foto: dk-Archiv/Andreas Nistler

Delmenhorst. Seit 17 Jahren spielt Ortwin Zielke den Delmenhorster Nachtwächter Jan Tut. Heute feiert Zielke seinen 80. Geburtstag.

„Der Jan Tut war ja ein kleines Schlitzohr. Das ist Ortwin auch“, sagt Ursula Zielke über ihren Ehemann. Der wehrt sich erst vehement, grinst dann aber schelmisch. Der Rentner geht in der Rolle einfach auf.

Es wirkt wie gesucht und gefunden. Nach seiner Bundeswehrzeit lebte das Ehepaar Zielke an der Langen Straße, genau in der Wohnung über der Stelle wo sonst das kleine Denkmal des Nachtwächters steht.

Bundeswehr führte Zielke nach Delmenhorst

Geboren wurde Jan Tut am 29. August 1937 in Bütow. Seine Flucht aus Pommern führte ihn ins Münsterland und ins Ruhrgebiet, wo er Bergmann in Wanne-Eikel gelernt hat. „Ich bin sogar Bergknappe“, sagt Zielke stolz.

In Hamburg gehörte er dann zu den ersten 35.000 Männern, die sich freiwillig für die Bundeswehr meldeten. Erst ging es nach Höxter und schließlich nach Delmenhorst. Und dort ist er mit seiner Frau, die aus Celle stammt, bis heute geblieben. „Unser Zuhause ist jetzt in Delmenhorst“, sagt Ursula Zielke.

Erinnerung an die erste Zeit in der Kaserne

1958 kam Zielke nach Delmenhorst. An die Ankunft mitten in der Nacht oder die große Truppenparade auf den Graftwiesen kann er sich noch gut erinnern. „Die Zimmer waren in Ordnung“, sagt er über die ehemalige Kaserne der Briten in Adelheide. Allerdings seien überall noch Schächte offen gewesen.

Nach acht Jahren verließ Zielke die Bundeswehr und machte eine Umschulung zum Buchhalter. Diese Aufgabe hatte er auch schon bei der Bundeswehr übernommen. Mit 58 Jahren ging er dann aus gesundheitlichen Gründen in Rente.

Führung brachte ihn zu „Jan Tut“

  • Eine Führung mit Hanna Fischer sollte zum Wendepunkt werden. „Da hab ich das erste Mal den kleinen Jan Tut gesehen“, sagt Zielke, der heute seinen 80. Geburtstag feiert.

Ein paar Jahre kam Henry Grimm auf ihn zu und fragte ihn, ob Ortwin Zielke nicht Lust hätte die Rolle des Nachtwächters Jan Tut zu übernehmen. Nach kurzer Bedenkzeit nahm er die Rolle an.

Stadtgeschichte gelernt

Die Rolle hat er von Anfang an ernst genommen. In der Stadtbücherei hat sich das Ehepaar die 25 Broschüren zur Delmenhorster Geschichte ausgeliehen. „Das haben wir immer studiert und uns Sachen notiert“, erzählt Ortwin Zielke.

Für die Kleidung nutzte er Kontakte aus seiner Bundeswehrzeit. Der schwere Mantel sei 1956 eingeführt worden und heute nicht mehr im Einsatz, erzählt er. Die Hellebarde fertigte ein Cousin Ursula Zielkes an. „Es fehlte noch eine Laterne“, erinnert sich Zielke. Die kleine Ikea-Laterne wurde aber schnell ausgetauscht, nachdem er merkte, wie bekannt diese ist. Bei einem Gebrauchthändler wurde er schließlich fündig.

Seit 17 Jahren im Dienst

Beim Kartoffelfest am 6. Oktober 2000 wurde er schließlich offiziell vom Verkehrsverein als „Jan Tut“ vorgestellt. Vier Jahre später gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren. Zusammen mit seiner Frau Ursula, die inzwischen die Marktfrau „Mett Siewers“ verkörpert, ist er dort immer noch aktiv. Aber nur noch in Norddeutschland. Früher sind sie deutschlandweit zu Treffen gefahren.

Ortwin Zielke bei seiner Einführung als Jan Tut beim Kartoffelfest 2000. Foto: dk-Archiv/Horst Schilling

Ans Aufhören denkt Ortwin Zielke aber noch nicht. Er peile das 20-jährige Dienstjubiläum an, sagt der 80-Jährige. „So lange wir das machen wollen, bleiben wir dabei“, sagt seine Frau. Seine Aufgabe erfüllt Ortwin Zielke sichtlich mit stolz. Er genießt die Aufmerksamkeit und die Bekanntheit. Und wenn er auch noch als Stadtoriginal bezeichnet wird, dann grinst er wieder ganz schelmisch.


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