Viel Lob zum 20. Geburtstag Jüdische Gemeinde setzt weiter auf Begegnung

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Pedro Benjamin Becerra, Vorsitzender, und Svetlana Tchetchelnitskya, aus dem Vorstand, vor dem heiliger Schrank, der die Thorarollen beinhaltet. Foto: Melanie HohmannPedro Benjamin Becerra, Vorsitzender, und Svetlana Tchetchelnitskya, aus dem Vorstand, vor dem heiliger Schrank, der die Thorarollen beinhaltet. Foto: Melanie Hohmann

Delmenhorst. Wie viel die jüdische Gemeinde für die Integration von Auswanderern aus der früheren Sowjetunion geleistet hat, haben Redner beim Festakt zum 20. Gemeindegeburtstag betont. Kulturveranstaltungen sollen die Gemeinde künftig noch mehr öffnen.

Mit 140 geladenen Gästen, Reden, Musik und gutem Essen hat die Jüdische Gemeinde Delmenhorst am Sonntag in der Markthalle und später in den Gemeinderäumen ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. Festredner wie Oberbürgermeister Axel Jahnz würdigten die Bedeutung der am 24. August 1997 neu gegründeten Gemeinde für Delmenhorst. Sie sei eine Bereicherung für die Stadt, sagte Jahnz. Die Leistungen der Gemeindemitglieder betonte auch der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen Michael Grünberg. Grünberg, der zugleich Direktoriumsmitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland ist, stellte die gute Integrationsarbeit vor Ort heraus. Denn ein Großteil der rund 170 Gemeindemitglieder sind Auswanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die auch durch die Gemeinde gut im Delmenhorster Leben angekommen seien.

66 Beerdigungen auf jüdischem Friedhof in 20 Jahren

Außerdem habe die konservativ ausgerichtete Gemeinde schon schnell nach der Neugründung jüdische Beerdigungen für Frauen und Männer auf dem jüdischen Friedhof an der Syker Straße anbieten können, was nicht selbstverständlich sei. 66 Beerdigungen habe es dort seitdem gegeben, berichtet Pedro Benjamin Becerra, der seit der Gründung Vorsitzender der Delmenhorster Gemeinde ist: .„Darauf sind wir stolz.“ Dass Becerra sich nicht nur in Delmenhorst sehr engagierte, sondern schon zuvor als zweiter Vorsitzender der Oldenburger Gemeinde, lobte die auch für Delmenhorst zuständige Oldenburger Rabbinerin Alina Treiger. Becerra erinnerte seinerseits an das Oldenburger Engagement, namentlich von Sara-Ruth Schumann und Leo Trepp, damit die Delmenhorster Gemeinde eigene Räume bekam.

Filmabende und Lesungen sollen Begegnungen ermöglichen

Rund 20 Gäste nutzten abends die Möglichkeit, beim Tag der offenen Tür die Synagoge an der Louisenstraße und ihre frisch renovierte Bibliothek kennenzulernen. „Wir haben über den jüdischen Ritus und die Thora erzählt“, berichtet Becerra. Zudem beantworteten die Gemeindemitglieder Fragen, zum Beispiel zur Kippa, der kleinen Kopfbedeckung, die manche jüdischen Männer alltäglich, andere aber nur in religiösen Räumen oder zum Gottesdienst tragen. Wichtig war der Gemeinde laut Becerra den neu gestalteten deutschsprachigen Bereich der Bibliothek vorzustellen, wo sich neben religiöser Literatur auch Romane jüdischer Autoren sowie historische und politische Bücher, etwa über den Nahost-Konflikt finden. „Hier kann uns jeder besuchen und Bücher ausleihen“, lädt Becerra zur Begegnung mit der Gemeinde ein. Um die Bibliothek weiter zu beleben, denken die Kulturbeauftragte Svetlana Tchetchelnitskaja und der weitere Vorstand über Angebote wie regelmäßige jüdische Filmtage und Lesungen nach, Konzerte gibt es ja schon. „Immer mit der Intention, Begegnungen mit der jüdischen Gemeinde zu ermöglichen“, sagt Becerra, „gerade auch für junge Leute“.


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