Menschenrechte Aktivisten üben in Delmenhorster City Kritik an der Türkei

Von Frederik Grabbe

Sammelten in Delmenhorst Unterschriften für die Freilassung von politischen Gefangenen in der Türkei: Claus Walischewski und Julia Bode von Amnesty International. Foto: Frederik GrabbeSammelten in Delmenhorst Unterschriften für die Freilassung von politischen Gefangenen in der Türkei: Claus Walischewski und Julia Bode von Amnesty International. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Die bedenkliche Lage bei den Menschenrechten in der Türkei hat Amnesty International in Delmenhorst auf den Plan gerufen. Sie sammelten am Samstag Unterschriften für die Freilassung politischer Gefangener.

Die politische Lage in der Türkei hat die nicht staatliche Organisation Amnesty International (AI) dazu bewegt, in der Delmenhorster Innenstadt auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen. Am Samstagvormittag und -Mittag waren sie an der Langen Straße im Einsatz. „50.000 Menschen sind in der Türkei aus politischen Gründen seit dem Putsch inhaftiert. Dabei gibt es oftmals keine Beweise dafür, dass sie Teil einer Terrororganisation waren, dessen sie angeklagt sind“, beschrieb der Aktivist, Claus Walischewski. Er wies insbesondere auf die Situation für Journalisten in der Türkei hin. „Ein Drittel aller inhaftierten Journalisten in aller Welt, also 120, sitzt in türkischen Gefängnissen.“

Unterschriften gesammelt

Was Walischewski und seine Mitstreiterin Julia Bode ebenfalls erschüttert, ist nicht zuletzt der Umstand, dass Angehörige der AI in der Türkei, Taner Kılıç und Idil Eser, in Haft sind. Beide sammelten Unterschriften für eine Petition zur Freilassung der Medienschaffenden und der AI-Aktivisten.

Erst kürzlich hatte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz mehr Druck auf die Türkei wegen deutscher Inhaftierter gefordert.

In der Delmenhorster Fußgängerzone stießen sie auf ein unterschiedliches Echo. Walischewski: „Menschenrechte in der Türkei – das ist das Stichwort, bei dem dann doch viele stehen bleiben.“ Gleichwohl sei es schwer, Leute zum Gespräch zu bewegen. „Interessant sind Äußerungen wie ,Kann ich dann noch in die Türkei fahren, wenn ich unterschreibe?‘“ Das möge zynisch klingen, spreche aber auch von einer gewissen Vorsicht gegenüber dem Reiseland Türkei. Migranten hingegen seien Walischewskis Beobachtung nach besonders schwer zu einer Unterschrift zu bewegen. „Bei ihnen erkennt man doch eine große Vorsicht.“