Kartenspiel und Gemeinschaft Bridge-Sport-Club Delmenhorst als reizende Vereinsfamilie


Delmenhorst. Reizen, die Trumpffarbe finden, Stiche machen – Bridge ist ein beliebtes Kartenspiel, das vielen aber als verstaubt gilt. Der Bridge-Sport-Club Delmenhorst räumt mit Vorurteilen auf.

Es gibt Menschen, die bezeichnen es als zweitschönste Nebensache der Welt. Schauspieler Omar Sharif („Doktor Schiwago“, „Lawrence von Arabien“) war so einer. Die Rede ist von Bridge. Und auch Königin Maxima, Stolz der Niederländer, liebt das traditionsreiche Kartenspiel. Da ist es für Gisela Doodemann, selbst gebürtig aus dem flachen Nachbarland, quasi eine Verpflichtung, sich als Vorsitzende des Bridge-Sport-Clubs Delmenhorst zu engagieren.

Seit 27 Jahren existiert der BSC, 110 Mitglieder gehören ihm aktuell an. Die besten Spieler treten sogar in der 3. Team-Bundesliga an und messen sich zum Beispiel mit Spielern aus der Hauptstadt. Aber wie es sich für einen Verein gehört, ist er offen für alle Spielstärken. Auch für Anfänger werden immer wider Angebote rund um Karo, Herz, Pik und Kreuz gemacht.

„Wir sind wie eine Familie“ sagt Gisela Doodemann. Die Räume des Clubs, an der Düper Straße gelegen, bieten Platz für bis zu 80 Spieler gleichzeitig. Mit dem Nachwuchs hapert es derweil ein bisschen. „Das liegt an den Vorurteilen“, ist sich Sportwartin Astrid Kutz sicher. Verstaubt soll das Bridge-Spiel sein, altbacken, aus der Mode, was für alte Leute. Im BSC Delmenhorst ist man natürlich ganz anderer Meinung. Immerhin gibt es Weltmeisterschaften, die Online-Variante des Spiels findet immer mehr Anhänger. „Online finden sich weltweit zu jeder Tages- und Nachtzeit Bridge-Spieler“, weiß Gisela Doodemann.

Mit der Lust am Denken

Im BSC ist das jüngste Mitglied Anfang 30. Die älteste Kartenspielerin zählt bereits 89 Jahre. Weltweit seien aber die jungen Spieler längst auf dem Vormarsch. Darauf hofft Gisela Doodemann jetzt auch in Delmenhorst. „Junge Leute lernen das Spiel sehr schnell“, sagt sie. Lust am Denken sei hilfreich. Denn beim Reizen, der ersten Phase des Spiels, das mit je zwei Zweierteams zu viert am Tisch gespielt wird, muss man schon den Überblick behalten, sonst verzockt man sich schnell.

Das Spiel Bridge wird übrigens als Sport ausgeübt – vergleichbar dem Schach. „Das Kartenglück ist beim Bridge weitgehend ausgeschaltet“, sagt Kassenwart Heinz Heine. Das liegt daran, dass die gleiche Verteilung der Karten nacheinander an mehreren Tischen von verschiedenen Spielern gespielt wird. Turniersieger wird, wer dabei im Vergleich aller Verteilungen zusammengenommen am erfolgreichsten gespielt hat, also viele Stiche macht. „Klingt anfangs kompliziert. Ist es aber gar nicht“, betont Gisela Doodemann. Geübte Spieler nutzen ausgeklügelte Spieltechniken und berechnen die Chancen einer Spielweise mit Hilfe von Wahrscheinlichkeiten. Und das in recht großer Geschwindigkeit.

Es gibt sogar Bridge-Ehen

Die Zweier-Teams können für jeden Wettkampf stets neu gebildet werden. „Es gibt aber auch richtige Bridge-Ehen“, sagt Susanne Holstein, zweite Vorsitzende des BSC. „Da spielen Paare dann schon seit 30 Jahren zusammen.“

Eine Besonderheit beim Bridge ist, dass während des Spiels wenig geredet wird. Die Spieler verständigen sich mittels Karten. „Man will ja auch dem nächsten Tisch, der mit dem selben Blatt spielt, nichts verraten“, erläutert Gisela Doddemann Hintergründe.

Der Spaß, der darf auf keinen Fall zu kurz kommen. Und Spaß haben sie beim BSC. Im Vorstand, beim Spiel – und bei gemeinsamen Aktivitäten der Vereinsmitglieder. Ein Sommerfest soll in diesem Jahr noch die Gemeinschaft fördern. Das Wir-Gefühl ist auch bei den großen Turnieren immer Trumpf. „Beim Spielen kann es schon natürlich einmal emotional werden. Aber hinterher ist wieder alles vergessen“, sagt Susanne Holstein. So soll es sein, bei der vielleicht zweitschönsten Nebensache der Welt.


0 Kommentare