Besondere Stadtführung Nachtwächterrundgang verändert Blick auf Delmenhorst

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Delmenhorst. 90 Minuten können den Blick verändern. So lässt sich der Nachtwächterrundgang zusammenfassen. Neu gelernt werden dabei der Name Heinz Stoffregen und der in Delmenhorst gerne verwendete Begriff „zurückgebaut“.

Auf den ersten Blick fallen in Delmenhorst eher die zweckmäßigen Bauten auf, doch Nachtwächter Jan Tut und Marktfrau Mett Siewers zeigen: Genaues Hinschauen lohnt sich. Bei ihrem Rundgang, den sie seit 17 Jahren anbieten, zeigen sie viel Herz, noch mehr Details und jede Menge Geschichte(n).

Hinter den beiden stecken Ortwin und Ursula Zielke. Die beiden zugezogenen Delmenhorster gehen auf die 80 zu und strotzen vor Wissen über die Stadt. Es scheint kein Gebäude zu geben, zu dem sie keine Anekdote parat haben. Weiterlesen: Lokalpatrioten mit Startschwierigkeiten

Ausschau nach Ovalen

Allein rund um das Rathaus gibt es jede Menge zu berichten. Angefangen vom Rathausplatz, wo früher mal der Zentrale Omnibusbahnhof war. „Das kann man sich gar nicht vorstellen“, sagt eine Teilnehmerin. Am Gebäude selbst ist nicht viel verändert. Der Blick wird schnell auf die Ovale über dem Eingang zum Rathausplatz gelenkt. Auch eine Büste des Architekten Heinz Stoffregen ist an der Fassade angebracht.

Ovale Fenster seien ein typisches Merkmal bei Stoffregens Bauten, erklärt Jan Tut. Während des Rundgangs lässt er mehrmals raten, welches Haus von Stoffregen entworfen wurde. Die Handschrift des Architekten zeige sich auch an den Seiten der Eingangstür. „Jede Figur hat eine Bedeutung“, sagt der Nachtwächter. Das Eichhörnchen stehe etwa für Essen, der Hase für Nachwuchs und der Löwe für Kraft. „Die Halskrause ist etwas missglückt, das bitte ich nachzusehen“, sagt er.

Gewitterluft sorgt für passenden Geruch

Beim Gang durch die Bahnhofstraße erklärt er, dass dies früher der „Schietloopsgang“ war. Passenderweise riecht es auch entsprechend. Das liege an der Gewitterluft, erklärt Mett Siewers. Sie zeigt auf die Gullideckel, auf denen das Stadtwappen zu sehen ist.

Seit Delmenhorst 1903 kreisfrei wurde, stehe der Turm auf dem Wappen, erzählt sie. „Wir sind und bleiben immer ein bisschen Anhänger von Oldenburg“, erklärt Jan Tut, als er gefragt wird, warum immer wieder das Oldenburger Wappen auf den historischen Gebäuden zu sehen ist.

In Delmenhorst wird „zurückgebaut“

Manche Gebäude stehen nicht mehr, wie das Hotel am Stadtpark. Das wurde „zurückgebaut“, erzählt Jan Tut. Das ist wohl die Delmenhorster Version eines Abrisses. „Wir haben alles dicht bei“, sagt Jan Tut, als es vom neuen Standesamt zum Amtsgericht geht. Eine Prise Humor lockert hier und da den Rundgang auf.

So wird die Rundführung schnell zum herzlichen Empfang für Zugezogene und öffnet den Blick für die schönen Winkel für gebürtige Delmenhorster. Manchmal muss man sich dazu nur umdrehen. Auf dem Weg zur Stadtkirche zeigt Jan Tut die für ihn schönste bemalte Hauswand in Delmenhorst. Die Fassade habe ein Künstler aus Hasbergen gemalt – wieder ein Detail mehr aus dem schier unendlichen Fundus von Jan Tut und Mett Siewers.


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