Delmenhorster Schauspieler im Interview Markus Weise: Ohne Theater würde ich eingehen

Eine leicht behaarte Badenixe: Weise als burlesker Bademeister in „Steife Brise“. Foto: Packhaustheater im SchnoorEine leicht behaarte Badenixe: Weise als burlesker Bademeister in „Steife Brise“. Foto: Packhaustheater im Schnoor

Markus Weise ist Komiker, Moderator, Musiker, Übersetzer fürs Niederdeutsche und Schauspieler. Seit Ende Juni steht der Allrounder aus Delmenhorst auf der Bühne des Bremer Packhaus-Theaters. In dem Stück „Scharfe Brise“ spielt er noch bis 3. September einen leicht vertrottelten Bademeister, der sich zu einer Burlesque-Show hinreißen lässt. Ein Gespräch über ein scheinbar vergeigtes Vorsprechen und schräge Charaktere.

Delmenhorster Kreisblatt: Wie man hört, landete „Scharfe Brise“, das Stück, in dem Sie derzeit im Bremer Packhaus-Theater zu sehen sind, auf Ihrem Schreibtisch, um ins Niederdeutsche übersetzt zu werden. Nun spielen Sie in der hochdeutschen Version mit. Wie kam es zu dem Engagement?

Markus Weise: Ich habe vor einigen Jahren im Packhaus-Theater „Machos auf Eis“, „Tussi-Park“ und „Landeier“ gesehen. Da dachte ich schon: Einmal in dem Theater spielen, das wäre was. Bei „Machos auf Eis“ dachte ich, dass man sich die Übersetzungsrechte in Plattdeutsche sichern müsste. Nach der Aufführung habe ich direkt den Verlag angeschrieben und angefragt. Die waren sofort aufgeschlossen. Auf Facebook habe ich mich dann mit dem Autoren, Christian Kühn, befreundet. Über ihn habe ich dann mitbekommen, dass man zum Vorsprechen für „Scharfe Brise“ aufgerufen hatte. Ich habe mich beworben und Anfang April ging es zum Vorsprechen nach Hamburg.

Und womit haben Sie versucht, die Jury zu überzeugen?

Ich habe eine Szene aus „Männerhort“ gespielt, mit dem ich im Oldenburgischen Staatstheater auf der Bühne gestanden habe. Da gibt es einen achtminütigen Monolog, den hab ich dann gespielt. Am Ende schaute ich dann aber nur in entsetzte Gesichter.

Ach, warum das?

Bis auf den Regisseur sprach kaum einer der Anwesenden Plattdeutsch. Und da saßen wichtigen Leute, wie der Bremer Theaterchef, der Autor des Stücks oder jemand von der Künstlervermittlung ZAV. Es war schon ein größeres, kleineres Publikum. Auf Hochdeutsch konnte ich die Szene aber nicht vortragen. Dann wurde ich auch noch auf meinen Weltrekord im Schnell-Witze-Erzählen angesprochen. Da hieß es nur: Mach‘ mal. Aber ich hatte das gar nicht vorbereitet und bin dann bei der Hälfte stecken geblieben.

Das klingt nicht nach dem erfolgreichsten Vorsprechen aller Zeiten.

(Weiterlesen: Markus Weise – ein Delmenhorster zwischen Ulk und Berufung)

Stimmt schon. Zum Glück hatte ich noch etwas auf Hochdeutsch vorbereitet. Die Szene lief gut, aber ich fühlte mich schrecklich schlecht. Nach vier Wochen haben sie sich dann doch gemeldet.

Warum gerade das Packhaustheater. Warum war der Drang, dort auf der Bühne zu stehen, so groß?

Ich komme aus dem komödiantischen Bereich und das Packhaustheater spielt nun mal Komödien. Komödien richtig gut auf die Bühne zu bringen, ist sehr schwer. Und das Familiäre am Privat-Theater gefällt mir. In den Saal passen 140 Leute. So entsteht leicht eine schöne, gemütliche Atmosphäre.

Sie haben neben „Scharfe Brise“ auch „Machos auf Eis“ und „Tussi-Park“ übersetzt. Nach den Übersetzungen zu schließen, scheinen Ihnen die Werke des Autors Christian Kühn besonders zu gefallen. Warum?

Ich halte ihn für einen sehr guten Autor, gerade im komödiantischen Bereich. Er hat total gute Ideen. Eine Zeit lang lebten Komödien vom Fremdgehen, vom Figurentausch. In „Machos auf Eis“ spielt alles in einer abgeriegelten Kühlkammer, „Tussi-Park“ spielt in einem Parkhaus, „Scharfe Brise“ spielt am Strand vom Titisee. Kühns Texte sind leicht zu verstehen. Sie kommen gut auf den Punkt. Davon leben Komödien.

Und welche Typen erwarten uns in „Scharfe Brise“?

Es geht um zwei Rettungsschwimmer, die an ihrem Baggersee den ganzen Tag nichts zu tun haben, weil vor einem Jahr die Imbissbuden-Besitzerin Doris es mit den Hygienevorschriften nicht ganz so genau genommen hat. Kartoffelsalat gestreckt, Fischbrötchen im Auto vergessen – dadurch sind einige Badegäste erkrankt. Die Touristen bleiben fern. Dann kommt jemand, der ein Praktikum für die Uni absolvieren möchte. Er glaubt, man müsste die Leute mit einem Event an den Strand locken. Es entsteht die Idee, eine Burlesque-Travestie-Show auf die Bühne zu bringen.

Und welche Rolle spielen Sie?

Ich spiele den Bademeister Patrick, und das mit einem plattdeutschen Unterton. Patrick denkt von 12 bis Mittag und ist nicht die hellste Leuchte am Horizont. Die besondere Schwierigkeit ist, die Figur so zu spielen, dass sie nicht behindert wirkt, sondern als Person mit einem IQ über 80.

Und wie liefen die ersten Aufführungen?

Die Leute möchten Theater, Gesang und Tanz sehen. Das kommt aktuell gut an. Das zeigte sich schon bei der Generalprobe. Bei der Generalprobe gehört es dazu, dass sich Schauspieler nicht verbeugen. Wir waren schon am Abschminken und die Leute waren immer noch am Trampeln und Klatschen. Ein schönes Gefühl, auf der Bühne zu stehen und zu sehen, dass wir einen Nerv getroffen haben.

Haben Sie sich mit der Rolle im Packhaus-Theater nun einen kleinen Traum erfüllt?

Das auf jeden Fall. Damit geht ein Theaterlebenstraum in Erfüllung. Es gibt aber noch ein Theater, wo ich gerne spielen würde, das Weyher Theater. Wäre toll, wenn mich der Dramaturg Frank Pinkus mal anrufen würde. Pinkus schreibt in seinen Komödien die Figuren den Schauspielern wirklich auf den Leib. Und für jeden Niederdeutschen ist es ein Traum, auch mal im Ohnsorg-Theater in Hamburg zu spielen.

Sie sind Berufsschullehrer an der BBS II. Helfen Ihnen die Sommerferien bei ihrer Arbeit am Theater?

Das kann man so nicht sagen. Von März bis Mai hatte ich selbst nichts mit Theater am Hut. Aber ohne Theater würde ich eingehen. Das erlebt selbst meine Frau so. Sie war froh, dass ich nach dieser Zeit wieder auf der Bühne stand. Man kann mir einen Fernseher hinstellen - und ich fänd es sterbenslangweilig. Theater ist lebensecht. Das liegt mir einfach eher.


Zur Person:

Markus Weise spielt aktuell den Patrick im Stück „Steife Brise“ am Bremer Packhaus-Theater. Dort ist er bis 3. September zu sehen. Parallel inszeniert er gerade in Brake „Tratsch im Treppenhaus“. Zuletzt war Weise unter anderem in „Männerhort“ im Oldenburgischen Staatstheater zu sehen, und moderiert regelmäßig den „Comedy Club Delmenhorst“. Hauptberuflich ist er Berufsschullehrer an der BBS II. Weise ist zudem staatlich geprüfter Darsteller für Clowntheater und Komik. Im November hat er seine Abschlussprüfung mit Auszeichnung gemacht, seit diesem Jahr absolviert er die Fortbildung zum Klinikclown. Weise möchte danach am liebsten ein, zweimal die Woche in Seniorenheimen zum Beispiel vor Demenzerkrankten auftreten.

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