Schlechte Wasserqualität Angelverein will See im Tiergarten in Delmenhorst aufgeben

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Sieht eine Gefahr für den Tiergarten-See: Anwohner Rolf Appeldorn sorgt sich um den Zustand des Gewässers. Dieses sei von Grünalgen befallen und stünde erneut kurz vor dem Umkippen. Foto: Frederik GrabbeSieht eine Gefahr für den Tiergarten-See: Anwohner Rolf Appeldorn sorgt sich um den Zustand des Gewässers. Dieses sei von Grünalgen befallen und stünde erneut kurz vor dem Umkippen. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Er ist ein Becken für Straßenabwässer und in den Vorjahren gleich mehrfach umgekippt: Der Delmenhorster Tiergarten ist kein sauberes Gewässer. In der Tat ist die Wasserqualität so schlecht, dass der Pächter des Sees, der Angelverein Ahnbeck 73, ihn am liebsten aufgeben würde. Bei einer Lösung könnte der Fischereiverein Delmenhorst hilfreich sein.

Dem Tiergarten-See geht es schlecht. So schlecht, dass der derzeitige Pächter, der Angelverein Ahnbeck 73, den See am liebsten abstoßen würde, wie der Vorsitzende Karsten Winkelmann auf Nachfrage sagt. Weil der See nicht genügend Sauerstoff zugeführt bekomme, sei hier ein nachhaltiges Angelerlebnis nicht mehr möglich. Unterdessen befürchten Anwohner, dass der See wie in den Vorjahren kippen könnte, was ein Fischsterben nach sich ziehen könnte.

Tiergarten-See Rückhaltebecken für Straßenabwässer

Das sauberste Gewässer dürfte der Tiergarten-See nicht sein. Weil er als Rückhaltebecken für Abwässer der Wildeshauser und der Oldenburger Straße fungiert, sind „Wasserprobleme“ leider unausweichlich, teilt der Fachdienst Umwelt bei der Stadt auf Anfrage mit. Salzeintrag im Winter sowie Sauerstoffmangel im Sommer ließen die Fische im See zudem leiden. Nachdem schon der See schon 2015 und 2016 gekippt war, hat der Delmenhorster Rolf Appeldorn, der häufig die Natur des Tiergartens genießt, einen großflächigen Grünalgenbefall und somit Sauerstoffmangel ausgemacht. „Ein Wasseraustausch findet nur statt, wenn nach Regenfällen das Wasser von den Straßen zugeleitet wird. Sonst ist da kaum Bewegung drin“, sagt Appeldorn.

Verschiedene Maßnahmen, um See zu retten

  • Dabei ist in den vergangenen Jahren viel passiert, um See und Fische zu retten: Im Sommer 2015 und 2016 verhinderte die Feuerwehr den Tod sämtlicher Fische, als sie Frischwasser von der Welse in den See pumpte.
  • Zudem hatte die Stadt vergangenen Winter sauerstoffzehrendes Sediment aus dem See gehoben.
  • Und im März 2017 hat die Forstverwaltung zahlreiche Bäume und Sträucher in Uferlage beseitigt. Somit sollte übermäßiger Schatten und eine Verschlammung durch Laubanfall verhindert werden, erklärte Revierförster Jens Meier damals.
  • Zudem will der Fachdienst Umwelt künftig einen Schilfgürtel um den See anlegen, sollte die Naturschutzbehörde dieser Veränderung in dem Landschaftsschutzgebiet zustimmen.

Angelverein beklagt fehlenden Frischwasserzulauf

Wenn es nach Appeldorn geht, reichen all diese Maßnahmen nicht aus. Der See, der ja auch gerne von Fußgängern und Joggern umrundet werde, sei nur mit einem Frischwasserzulauf zu retten. Diese Haltung nimmt auch Karsten Winkelmann ein. Der Vorsitzende des Angelvereins Ahnbeck 73 würde sich nicht wundern, kippte der See dieses Jahr erneut. „Wir wollten schon einmal den Pachtvertrag aufkündigen. Aber das haben die Landesforsten wegen der langjährigen Laufzeit abgelehnt.“ Laut Winkelmann hat es früher einen Zulauf zwischen Tiergarten-See und Welse gegeben, der stetig Frischwasser und somit Sauerstoff für Fische heranschaffte. Vor etwa drei Jahren habe aber der Delmenhorster Fischereiverein mehrere Kiesbetten aufgeschüttet, um Teile der Welse zugunsten von bachtypischen Fischarten zu renaturieren. Seitdem ist dieser Zufluss versperrt, sagt Winkelmann. „Das Problem ist bis heute ungelöst.“

Fischereiverein bietet Gespräche an

Detlef Riedel, Sprecher des Runden Tischs Tiergarten, bezweifelt, dass ein neuerlicher Zufluss die Wasserqualität im Tiergartensee merklich verbessern könnte. „Bei lang anhaltender Trockenheit stand der Wasserspiegel so tief, dass Wasser gar nicht zulief“, erinnert er sich. „Und Baggerseen haben ja auch keine Zuläufe.“ „Von so einem Zulauf zum Tiergarten-See höre ich zum ersten Mal“, sagt Detlef Roß, Vorsitzender des Delmenhorster Fischereivereins. Er ist verwundert darüber, dass die Misere des Angelvereins durch ein Renaturierungsprojekt des Fischereivereins begründet sein soll. Trotzdem zeigt sich Roß generell gesprächsbereit und schlägt Gespräche mit der Stadt vor, um zu einer Lösung zu kommen.


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