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14.06.2017, 08:40 Uhr KOLUMNE

Quergedacht: Darf ich bitte zahlen?

Von Thomas Breuer


Der Kunde ist König? Die Zeiten sind wohl vorbei. Symbolfoto: dpaDer Kunde ist König? Die Zeiten sind wohl vorbei. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Der Kunde ist König? Die Zeiten sind ja wohl längst vorbei, zumindest was den Einkauf in Discountern angeht. Das findet unser Autor Thomas Breuer in der neuen Folge der Kolumne „Quergedacht“.

Stell dir vor, du stehst beim Discounter – nennen wir ihn A – an der Kasse und fühlst dich unwohl, weil du deine Einkäufe bezahlen möchtest. Klingt komisch, ist dort aber kein besonderes Phänomen: eine Kasse geöffnet und deren mutmaßliche Besetzung leert in einigen Metern Entfernung Papierkörbe, wischt schnell durch oder ist gerade gar nicht zu sehen.

Darf ich nicht einfach zahlungswilliger Kunde sein?

Typisch, mal wieder so eine Kritik von jemandem, der keine Ahnung hat, wie es im Einzelhandel heuer zugeht – mag man jetzt denken. Moment mal, möchte der Schreiber dieser Zeilen entgegnen: Muss ich das denn durchschauen? Darf ich nicht einfach zahlungswilliger Kunde sein, der seinen Einkauf schnell erledigen möchte? Hat man mich nicht früher einmal König genannt, König Kunde nämlich?

Die Zeiten ändern sich und unser Alltag mit ihnen. Dass die Beratung inzwischen vielerorts zu kurz kommt, daran haben wir uns ja gewöhnt. Doch dass wir uns nun auch noch an der Kasse als kleiner Wicht fühlen müssen, das geht gar nicht.

Wer billig einkaufen will, hat sich unterzuordnen

Discount-Preise scheinen mittlerweile alles zu rechtfertigen. Getreu der Devise: Wenn der Kunde hier einkaufen will, hat er sich gefälligst unterzuordnen. Will er aber nicht so recht, sondern beginnt das System zu hinterfragen und erkennt, dass diejenigen, die da schnell wischen, auch nur kleine Räder im großen Geiz-ist-geil-System sind. Freilich, eine Wahl haben sie: Die Arbeiten könnten sie nach Feierabend auch unbezahlt erledigen.

Ob der Arbeitgeber dort auch selbst einkauft, so wie einst die Schleckers, als deren Drogeriemärkte noch ein Imperium darstellten? Solche Gedanken macht sich der Kunde, während er an der Kasse wartet. Diesmal nicht etwa darauf, dass kassiert wird, sondern während des Bezahlvorgangs mit der EC-Karte, den die Kassenkraft dafür nutzt, das benachbarte Förderband feucht abzuwischen.


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