Abschied des Geschäftsführers Spitze des Josef-Hospitals räumt mit Spekulationen auf

Seite an Seite hatten Thomas Breidenbach (links) und Peter König erst im März den Förderbescheid des Landes über die Zusage von 70 Millionen Euro für den Krankenhausneubau präsentiert. Foto: Thomas BreuerSeite an Seite hatten Thomas Breidenbach (links) und Peter König erst im März den Förderbescheid des Landes über die Zusage von 70 Millionen Euro für den Krankenhausneubau präsentiert. Foto: Thomas Breuer

Delmenhorst. Der Aufsichtsrat und der scheidende Geschäftsführer äußern sich detailliert zur anstehenden Veränderung. Bis Ende Juli soll feststehen, wie es an der Spitze des Josef-Hospitals weitergeht.

Delmenhorst. Warum ausgerechnet jetzt? Diese Frage steht im Raum, seit Thomas Breidenbach, Geschäftsführer des Josef-Hospitals (JHD), überraschend seinen noch im laufenden Jahr angestrebten Abschied aus Delmenhorst am vergangenen Freitag öffentlich gemacht hat, trotz seines noch bis 2019 laufenden Vertrags.

Breidenbach wird nach Eisenach wechseln

Ausgerechnet jetzt, da die Zusammenführung von Klinikum und St. Josef-Stift vollzogen ist und das Land 70 Millionen Euro für den Neubau eines Krankenhauses an der Westerstraße bereitstellt, will er baldmöglichst als Geschäftsführer an das St. Georg-Klinikum im thüringischen Eisenach wechseln.

Der Zeitpunkt bietet Raum für Spekulationen, wie sie bereits kursieren: Können die maßgeblichen Akteure nicht mehr miteinander? Knirscht es in der Beziehung zwischen Geschäftsführer und JHD-Aufsichtsrat?

Auch Aufsichtsrat mit Fortgang überrascht

Die Antwort darauf, die Breidenbach und Aufsichtsratsvorsitzender Peter König – seit 1. Oktober in dieser Position – unabhängig voneinander geben, ist ein klares Nein. König stellt klar, es gebe weder Streit noch ein anderes Zerwürfnis. Die Abwanderungspläne des Geschäftsführers hätten ihn am Mittwochabend vergangener Woche ebenso überrascht wie alle anderen, als sie davon hörten. So auch die JHD-Beschäftigten in einer kurzfristig einberufenen Mitarbeiterversammlung am vergangenen Freitagnachmittag.

„Er hat weiter das Vertrauen“

„Herr Breidenbach hat weiter das Vertrauen – und das entziehen wir ihm auch nicht“, sagt König. „Die Verantwortung des Teams, das mit ihm zusammenarbeitet, wird aber größer werden.“ Für letzte Klarheit in der Sache verweist König auf die Presseerklärung zur Personalie. Sehr bewusst sei dort die Formulierung vom Weggang „auf eigenen Wunsch“ zu finden und nicht etwa die berühmt-berüchtigte Floskel „in gegenseitigem Einvernehmen“.

„Eines der größten Ziele erreicht“

Wann wird Breidenbach das Haus verlassen? Er selbst hat einen Wunsch geäußert, will diesen aber nicht öffentlich machen. Anders verhält es sich mit seinen Beweggründen. „Nachdem wir im vergangenen Jahr den Zusammenschluss der beiden Krankenhäuser hinbekommen hatten, war eines der größten Ziele erreicht“, sagt er. Schon seit Anfang des Jahres habe er mit seiner Frau über die weitere gemeinsame Lebenplanung gesprochen. „Ich bin 49 Jahre alt und unsere Kinder sind jetzt 18 und 20“, sagt er. Ein Gedanke habe sich festgesetzt: „Man könnte noch mal etwas Neues machen.“

Anfragen von außen hat es schon immer gegeben

Seit Sommer 2009 war Breidenbach Geschäftsführer des St. Josef-Stifts, kurze Zeit auch des Klinikums, und diese Position hat er danach für das JHD übernommen. Es habe in der Zeit etliche Anfragen vor allem sogenannter Headhunter gegeben, ob er für eine andere Aufgabe zur Verfügung stehen würde. Würde er nicht, so seine regelmäßige Antwort nach eigener Aussage.

Wechsel in „eine tolle Stadt“

Anders im Fall der Offerte für die Aufgabe in Eisenach, die ihn im Frühjahr erreichte. Ein sehr guter Posten als Geschäftsführer, ein noch größeres Krankenhaus und das alles „in einer tollen Stadt“ – so sah Breidenbach das und fällte seine Entscheidung. Der Weg in eine entfernte Region war ihm wichtig, denn: „Ich könnte nie in Konkurrenz zu ,meinem‘ Krankenhaus treten.“

Bis Ende Juli soll eine Nachfolgeregelung stehen

Wer wird künftig die Geschäfte des JHD führen? Das kann auch König noch nicht sagen, hat aber mit dem gesamten Aufsichtsrat einen Zeitplan abgesteckt und eine Findungskommission gegründet. „Wir sammeln jetzt Namen und Adressen ein“, sagt er.

Bis Ende Juli soll feststehen, wie es weitergeht. Ziel ist eine geordnete Übergabe der Geschäfte durch Breidenbach, der dann möglicherweise Ende August gehen könnte. Zwei Varianten sind denkbar: Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin wird schnell gefunden oder es gibt eine Interimslösung, entweder aus der zweiten Reihe der JHD-Führungsriege oder von außen.

Management für Neubau in guten Händen

Wer Sorgen hat, dass der JHD-Neubau an der Westerstraße nun möglicherweise nur mit einer Verzögerung realisiert werden kann, dem nimmt Breidenbach den Wind aus den Segeln: „Bezogen auf den Bau wird es definitiv keine Lücke geben.“ Denn für das Baumanagement zeichne, wie bei der Entstehung des neuen Funktionstraktes und des Gesundheitszentrums, Susanne Selke verantwortlich.

„Möglichkeit eines neuen Blicks auf das Krankenhaus“

„Der Bauch sagt mir, dass meine Entscheidung richtig ist“, sagt Breidenbach. Und weiter: „Wenn jemand Neues kommt, hat derjenige vielleicht die Möglichkeit eines neuen Blicks auf das Krankenhaus.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN