Bewährungsstrafe gegen Delmenhorster Vorwurf der Vergewaltigung bestätigt sich nicht

Von Ole Rosenbohm

Im Vergewaltigungs-Prozess gegen einen Delmenhorster vor dem Landgericht Oldenburg ist vom Hauptvorwurf nichts übrig geblieben. Trotzdem wurde der Mann mit einer Bewährungsstrafe bedacht. Symbolfoto: Michael GründelIm Vergewaltigungs-Prozess gegen einen Delmenhorster vor dem Landgericht Oldenburg ist vom Hauptvorwurf nichts übrig geblieben. Trotzdem wurde der Mann mit einer Bewährungsstrafe bedacht. Symbolfoto: Michael Gründel

Oldenburg. Im Vergewaltigungs-Prozess gegen einen 26-jährigen Delmenhorster ist vom Hauptvorwurf nichts mehr übrig geblieben. Nach einem überraschend schnellen Prozessende vor dem Landgericht Oldenburg wurde der Mann am Mittwoch mit einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung belangt. An das Opfer, die Mutter des gemeinsamen Kindes, muss er 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen, weitere 1000 Euro an den Verein Konfliktschlichtung.

Entscheidend für das Urteil waren die Widersprüche in der Befragung des als Nebenklägerin auftretenden Opfers am Dienstag und Mittwoch. So hatte sie behauptet, ihr Partner habe sie nicht nur in dieser Nacht im Februar 2015 zum Sex gezwungen, sondern im Laufe ihrer achtjährigen Beziehung „immer und immer wieder“. Als der Anwalt des Angeklagten nachhakte, relativierte sich das: Aus monatlichen Vergehen an ihr wurde so nur noch ein einziges zusätzliches. Auch deckten sich Aussagen nicht mit denen aus den polizeilichen Vernehmungen direkt nach der Tat. Und: Beide schlafen immer noch regelmäßig miteinander.

Fünfstündige Befragung bringt Widersprüche hervor

(Weiterlesen: Opfer schildert Hintergründe der mutmaßlichen Vergewaltigung)

Allein die Befragung der Hauptbelastungszeugin durch den Bremer Strafverteidiger Christian Knüpling dauerte geschlagene fünf Stunden – eine längere, sagte Richter Michael Nowak, habe er nie erlebt. Penibel trieb der Verteidiger die Zeugin in die Enge, verwickelte sie in die Widersprüche. Eine Befragung „auf der Rasierklinge zum Missbrauch des Fragerechts“, fand der Anwalt des Opfers, Bernd Idselis aus Delmenhorst. „Unverschämt“, entgegnete Knüpling, „ich hätte noch weiter bohren können“. Staatsanwaltschaft und Gericht reichte das Gehörte, der Vergewaltigungs-Vorwurf war nicht mehr aufrecht zu erhalten.

(Weiterlesen: Delmenhorster soll Ex-Partnerin vergewaltigt haben)

Gewalttaten sind erwiesen

Alles nur Unwahrheiten? „Nein“, sagte Richter Nowak, „für uns sind Sie keine Lügnerin“. Mindestens drei Faustschläge, fünf Bisswunden (Sie:

„Ich hatte das Gefühl, er beißt mir ein Stück Fleisch aus dem Hals“), das potenziell lebensgefährliche Würgen durch den Angeklagten „bis mir schwarz vor Augen wurde“ wurden durch die Gerichtsmedizin und eine späte Aussage des Angeklagten klar erwiesen. Aber ob der (erwiesene) Sex damals erzwungen war oder nicht, wollte Richter Nowak angesichts der Zustände einer „problembehafteten Beziehung“, nicht mehr beurteilen.


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