Tipps vom Profi So machen Medientrainer Delmenhorster Schüler fit fürs Netz

Von Johannes Giewald

Wie verhalte ich mich richtig auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder Snapchat: Ralf Willius  vom Verein zur Förderung der Medienkompetenz smiley erklärte den Schülern den richtigen Umgang mit sozialen Netzwerken. Foto: Johannes GiewaldWie verhalte ich mich richtig auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder Snapchat: Ralf Willius vom Verein zur Förderung der Medienkompetenz smiley erklärte den Schülern den richtigen Umgang mit sozialen Netzwerken. Foto: Johannes Giewald

Delmenhorst. Wie stelle ich ein sicheres Passwort ein? Welche Privatsphäre-Einstellungen sind in den sozialen Netzwerken wichtig? 700 Siebtklässler in Delmenhorst haben einen Crashkurs für das richtige Verhalten im Netz erhalten. Ansprechen sollte dieses Thema aber nicht nur die Schüler.

Einiges wussten sie schon, bei manchen Inhalten der Workshopreihe „Medienkompetenz jetzt“ wurde auch netzaffinen Schülern die Augen geöffnet. „Siebtklässler wissen unglaublich viel“, stellte Ralf Willius vom Verein zur Förderung der Medienkompetenz Smiley aus Hannover nach den Workshops mit den Delmenhorster Schülern dieses Jahrgangs fest. Die Medientrainer des Vereins haben 700 Siebtklässlern Tipps und Anleitungen für den richtigen Umgang mit Plattformen im Netz gegeben.

Es wurden grundlegende Sicherheitsthemen behandelt, beispielhaft gingen die Medientrainer anhand von sozialen Netzwerken auf den Umgang mit den eigenen Daten ein. „Datenschutz ist wichtig, genauso wie Passwörter und die Privatsphäre zu schützen“, erklärte Willius die Kursinhalte. Die Schüler wüssten schon unglaublich viel darüber, weil sie aber unterschiedliche Kenntnisse zu verschiedenen Möglichkeiten im Netz hätten, zielte das Seminar angeleitet von einem Fachmann auf den gegenseitigen Austausch untereinander ab.

„Wer nicht weiß, was Produktplacement ist, fällt darauf rein.“

„Die Schüler sind sehr nah dran an dem Thema“, sagte Willius, „wir sind nicht gekommen, um zu meckern: Wichtig ist die rechtliche Aufklärung, und wie man sich schützen kann.“ Rasant entwickeln sich immer neue Kanäle, Apps und Plattformen, weshalb auch die Medientrainer ständig ihr Seminarkonzept daran anpassen müssen.

Youtube ist ein Riesenthema bei den Jugendlichen. Viele Erwachsene wissen gar nicht, dass die kein Fernsehen mehr gucken“, sagte Medientrainer Willius. Youtube-Stars hätten einen enormen Einfluss auf die Jugendlichen, es sei ihnen so ein leichtes ihnen Produkte anzudrehen. „Wer nicht weiß, was Produktplacement ist, der fällt auch darauf rein.“ Bei vielen Schülern gebe es in Momenten, in denen solche Themen erklärt, werden ein Aha-Erlebnis.

„Wir brauchen starke Eltern“

Auch die Eltern spielen für das richtige Auftreten in sozialen Netzwerken eine immens wichtige Rolle. Das gelte zum Beispiel bei der vorgelebten Dauer der Handynutzung. Wenn die Eltern das Handy beim Essen hervorholen, schauen sich die Kinder das ab, meint der Medientrainer. „Wir brauchen starke Eltern.“ Ein Alter, ab wann Kinder reif genug sind, ein eigenes Smartphone zu nutzen, oder im Internet ohne Aufsicht der Eltern zu surfen, sieht Willius nicht. „Wenn man das Gefühl hat, die sind da fit.“ Das seien manche früher, manche später.

Medienkunde als Fach?

So sei es von großer Wichtigkeit, sich mit dem Netzverhalten der jungen Menschen auseinanderzusetzen – das gelte auch für die Lehrer der Delmenhorster Schulen. „Man sollte sich mit der Lebenswirklichkeit der Schüler auseinandersetzen – wenn auch nur in groben Zügen“, meinte Sarah Mänz von der Leitung des Max-Planck-Gymnasiums.

Es gebe auch Lehrer, die versuchen, das Smartphone in den Unterricht einzubinden, aber auch dahingehend müsse es mehr Schulungen geben. Das Medienkompetenztraining müsse als Fach fest im Curriculum etabliert werden. Die Seminare für die 700 Delmenhorster Schüler wurden außerhalb der Schule von der Anonymen Drogenberatung organisiert und vom hiesiegen Rotary Club finanziert.