Objekte, die Geschichte(n) erzählen Dokumente einer großen Ehre für Fabrikant Carl Lahusen


Delmenhorst. Hoher Besuch hat sich am 28. April 1904 auf der Nordwolle angesagt: Niemand Geringeres als der oldenburgische Großherzog Friedrich August besichtigte während einer Visite in Delmenhorst auch die Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei.

Nicht nur von den weitläufigen Fabrikanlagen, sondern auch den Wohlfahrtseinrichtungen für die Arbeiter der „Wolle“ zeigte sich der Landesvater beeindruckt. Noch am selben Tag wurde dem Fabrikchef, Carl Lahusen, eine besondere Ehre zuteil: Per Depesche erfuhr er, dass der Großherzog ihn zum Kommerzienrat ernannt hat.

Aufzeichnungen der Fabrikantengattin

Eine Beschreibung der Visite des Landesherrn aus persönlicher Perspektive enthalten Notizen der Fabrikantengattin Armine Lahusen. In einem Aufzeichnungsbuch, das seit einem halben Jahr zum Bestand des Industriemuseums auf der Nordwolle gehört, hielt die gebürtige Engländerin alle besonderen gemeinsamen Erlebnisse mit ihrem Mann fest, sie schenkte es ihm zum 15. Verlobungstag im Jahr 1902 und nahm in den folgenden Jahren Ergänzungen vor.

Lob für einen „tadellosen Diener“

Armine Lahusen schildert, wie ihre Kinder den Großherzog, der gerade die chemische Abteilung an der Hasberger Straße besichtigt hat, formvollendet begrüßen. „Sein Diener war tadellos“, so das Lob der Mutter an ihren Sohn Heinz. Und auch Tochter Armine, die dem Fürsten ein Blumenbouquet überreichte, erfüllte mit einem „tadellosen Knicks“ die Erwartungen. „Ich war doch sehr stolz“, notierte Armine Lahusen.

Große Freude über Ernennung zum Kommerzienrat

Von der Ernennung Carl Lahusens zum Kommerzienrat erfuhr das Ehepaar in der noch heute existierenden Villa neben der Fabrik: „Wir waren gerade in der Westveranda, fielen beide beinahe hin – so unerwartet war es!“ Der Ehrentitel, mit dem Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsleben bedacht wurden, war in der Kaiserzeit sehr begehrt.

Einladung an den Hof des Großherzogs

Carl Lahusen formulierte umgehend einen Dankesbrief an den Großherzog. Das Schreiben befindet sich ebenso wie die Ernennungsurkunde, die am 3. Mai 1904 ausgestellt wurde, im Besitz des Industriemuseums. Eine weitere von Friedrich August unterzeichnete Urkunde trägt das Datum des 16. November 1912: Jetzt gehörte Carl Lahusen zum exklusiven Kreis der Geheimen Kommerzienräte. Damit verbunden war nach Angaben von Hans-Hermann Precht, ehemaliger Leiter des Industriemuseums, eine Einladung zum Diner zur Einführung am Hof.

Neue Erkenntnis aus dem Aufzeichnungsbuch

Die Passage im Aufzeichnungsbuch Armine Lahusens, die die große Freude über die Ernennung zum Kommerzienrat zum Ausdruck bringt, habe ihn überrascht, sagt Precht. Denn in ihren schon länger im Archiv lagernden Tagebüchern werde dem Besuch und der urkundlichen Ehrerweisung des Landesherrn keine herausragende Beachtung geschenkt. „Meine Vermutung war deshalb bislang, dass Carl Lahusen dem Ehrentitel, wie es für einen Bremer Kaufmann üblich war, keinen so großen Wert beigemessen hat.“


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