„Zwischen den Welten“ Ausstellung in IGS erinnert an Flucht nach Delmenhorst

Von Frederik Grabbe

„Ich hoffe, das müsst ihr nie erleben“: IGS-Schulleiterin Sigrid Radetzky und Oberbürgermeister Axel Jahnz eröffneten die Ausstellung. Foto: Frederik Grabbe„Ich hoffe, das müsst ihr nie erleben“: IGS-Schulleiterin Sigrid Radetzky und Oberbürgermeister Axel Jahnz eröffneten die Ausstellung. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Sie erinnert an die Flucht von Millionen von Menschen – und greift auch Schicksale aus Delmenhorst auf. In der Delmenhorster IGS ist jetzt die Ausstellung „Zwischen den Welten“ eröffnet worden. Sie appelliert an die Schüler, mehr Empathie gegenüber Flüchtlingen von heute walten zu lassen.

„Herz zählt, nicht Herkunft.“ Dieser Spruch, der vor dem Eingangsportal der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Delmenhorst, bringt es eigentlich schon auf den Punkt, wofür die Schule mit einer neuen Ausstellung im Inneren wirbt: Offenheit und Toleranz. Bis Freitag, 12. Mai, ist im Foyer die Schau „Zwischen den Welten – geflohen, vertrieben, angekommen?“ zu sehen. Am Montag ist sie eröffnet worden. Die Ausstellung des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge geht unter anderem auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik ein. Sie wird ergänzt von sieben Arbeiten von Schülern der 12. Stufe, die in ihren eigenen Familien Fluchtgeschichten aufgespürt und auf Papier gebracht haben. So schlägt die Ausstellung – mit teils starkem regionalen Touch – eine Brücke zwischen dem Gestern und dem Heute. Schwerpunkt ist die „radikale Zuspitzung ethnischer Homogenisierung unter den Nationalsozialisten, die es zuvor seit der Gründung der Nationalstaaten gegeben hat“, schilderte Geschichtslehrer Thomas Iden.

Jahnz erinnert an die Busankünfte von Flüchtlingen

Oberbürgermeister Axel Jahnz nutzte sein Grußwort, um an die Busankünfte von Flüchtlingen vor rund eineinhalb Jahren in Delmenhorst zu erinnern und erzählte von der Erschöpfung und Orientierungslosigkeit der Menschen. „Uns begegnete eine Mutter mit einem Säugling, wenige Tage alt, und niemand wusste, wo sie das Kind überhaupt entbunden hat. Eine andere Familie suchte ihren Sohn, der war aber in Düsseldorf, wie wir zufällig herausgefunden haben. Das gesamte Hab und Gut der Menschen befand sich in wenigen Plastiktüten, und nicht in Koffern“, erzählte er. „Ich hoffe“, so Jahnz, „Ihr müsst das nie erleben.“

Historisches Bewusstsein schärfen

Schulleiterin Sigrid Radetzky bezeichnete sich bei der Eröffnung selbst als „Kind der Flucht“. Ihre Großeltern seien Flüchtlinge gewesen, selbst bei ihren Eltern habe sie eine „Entwurzelung“ gespürt. Radetzky hoffe, die Ausstellung helfe dabei, das historische Bewusstsein der Schüler zu schärfen, und dass sie heutigen Flüchtlingen mit Empathie entgegentreten. „Ihr seid die Generation, die dieses Land weiterentwickeln wird“, sagte sie. Radetzky unterstrich, dass die IGS selbst eine Schule mit vielen Kindern und Jugendlichen sei, die einen Migrationshintergrund hätten.

Die Ausstellungswoche wird ergänzt mit Filmvorführungen („Hotel California“ und „Stimmen der Flucht - Frauen im Camp“), Führungen durch die Ausstellung und Lesungen mit dem „kanadischen“ Delmenhorster Peter Hessel (85), der selbst zweimal in seinem Leben Flüchtling war und der bei der Eröffnung ein Gedicht vortrug.


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