Tanzlokale in Delmenhorst Im „Tapa“ tanzend auf Tuchfühlung gegangen

Dicht an dicht drängten sich die Paare auch noch einige Jahre nach der Wiederbelebung der Tanzlokale – wie hier 1963 beim DRK- Winterfest – auf den Tanzflächen in Delmenhorst. Foto: dk-ArchivDicht an dicht drängten sich die Paare auch noch einige Jahre nach der Wiederbelebung der Tanzlokale – wie hier 1963 beim DRK- Winterfest – auf den Tanzflächen in Delmenhorst. Foto: dk-Archiv

Delmenhorst. Nach dem Kriegsende kehrte trotz aller Alltagssorgen ein Stück Lebensfreude bald wieder zurück. Tanzlokale schossen in Delmenhorst wie Pilze aus dem Boden.

Es ist wirklich zum Staunen! Das Lebensgefühl hat sich nach dem Kriegsende schlagartig geändert. Als die feindlichen Truppen im Westen und im Osten deutschen Boden erobert hatten, wusste jeder: Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, dann ist alles verloren! Was dann?

Fliegeralarme und bedrückende Fragen

Über diese Frage wurde nicht gesprochen; sie wurde verdrängt. Aber sie drängte sich immer mehr auf. Apathisch ging jeder seinem Tagewerk nach. Durch die vielen Fliegeralarme war die Müdigkeit groß. Feldpostbriefe kamen nicht mehr an. Die bedrückenden Fragen quälten: „Wo ist mein Mann?“, „Wo ist mein Sohn?“, „Wo ist mein Vater?“

Dann war es so weit. Englische und kanadische Soldaten zogen in Delmenhorst ein.

In viele Familien hatte der Tod Lücken gerissen. Das Bewusstsein „Wir sind noch am Leben!“ weckte ungeahnte Kräfte. Man gab sich nicht dem Trübsinn hin. Der Blick war nach vorn gerichtet. Das alte Denken wurde abgeschüttelt.

Hunger nach Vergnügen war groß

Dies wurde dadurch deutlich, dass einige Wochen nach der Kapitulation Tanzlokale wie Pilze aus der Erde schossen. Nach den vielen Jahren der Abstinenz war der Hunger nach Vergnügen groß. Neben deutschen Schlagern waren amerikanische Titel sehr beliebt. Die Tanzflächen waren in der Regel sehr gefüllt, manchmal geradezu verstopft. Man bewegte sich vorwärts im Rundkurs von rechts nach links. Allerdings tanzte man anders als vielfach heute: immer paarweise in Tuchfühlung. Dreimal war meistens Damenwahl.

Tanzkapelle auf höchstem Niveau

Auf höchstem Niveau war die Tanzkapelle im wieder eröffneten „Tapa“ (Tanzpalast) in Düsternort. Die berühmten „Rote-Kreuz-Bälle“ fanden in der neu errichteten Grafthalle statt. Intime Atmosphäre herrschte im Hotel „Zum Burggrafen“ an der Brauenkamper Straße, wo ein virtuoser Klavierspieler Alleinunterhalter war. Besonders vornehm ging es im „Hotel zur Post“ zu; die gelegentlichen Turniertänze lockten an.

Viele Tanzmöglichkeiten in der Stadt und umzu

Beliebt waren die Tanzlokale Hackfeld in Dwoberg, Voßberg in Hasport und „Zur Pultern“ in Stickgras. Die weiten Wege wurden nicht gescheut. In Deichhorst gab es noch zwei Möglichkeiten, nämlich „Im Tiergarten“ und im „Deichhorster Krug“. Der Norden von Delmenhorst war mit der „Harmonie“ und dem „Schützenhaus Tell“ abgedeckt. Und nicht wenige zog es nach Schlutter, Hoykenkamp oder Stenum.

Lebensgefühl in wenigen Monaten verändert

Die weiten Wege wurden meistens zu Fuß zurückgelegt. Die vielen Schritte auf dem Tanzboden und der Nachhauseweg waren schon eine Herausforderung. Aber zwar erschöpft, doch meistens freudig erregt, sank man am Ende müde ins Bett.

Wie hatte sich doch das Lebensgefühl innerhalb weniger Monate total verändert!


0 Kommentare