Amüsanter Krimiabend Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl überzeugen in Delmenhorst


Delmenhorst. Wenn die eigene Frau am Denkmal mitbaut, wird es noch schöner. Getreu dieser Devise hat sich Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf am Donnerstagabend in der Buchhandlung Decius von seiner Frau Bettina Göschl besingen lassen.

Sie inszeniert musikalisch, wie das abläuft, wenn ihr Mann einen neuen Roman schreibt, und huldigt dessen Ostfriesenkrimis. Das Ganze durchweg mit einem Augenzwinkern, wie es auch Klaus-Peter Wolf eigen ist, wenn er vor Publikum tritt.

Ann Katrin Klaasen ermittelt zum elften Mal

Zum elften Mal schickt er in „Ostfriesentod“ seine Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen milieusicher auf die Spur des Bösen und trifft den Nerv des Publikums scheinbar wieder spielerisch leicht. Die dritte Auflage des erst vor wenigen Wochen publizierten Romans ist erreicht, 300.000 Exemplare sind an den Buchhandel ausgeliefert. Der hatte satte 181.000 Stück vorbestellt, weiß er doch um die Zugkraft des aus dem Ruhrpott stammenden Wahl-Ostfriesen. Und auch die 100 Plätze für die Lesung bei Decius waren bei der Kartenfreigabe vor gut vier Wochen binnen zwei Stunden komplett ausgebucht.

„Soll ich euch mal was vorlesen?“

Wolf-Lesungen machen Spaß, weil sie einem am wenigsten gerecht werden: dem Charakter einer Lesung. Denn auch bei seinem Part des literarisch-musikalischen Krimiabends ist Wolf ein Vortragender im besten Sinne, der erst nach 25 Minuten fragt: „Soll ich euch mal was vorlesen?“

Bis dahin hat sein stark weiblich dominiertes Publikum bereits viel zu lachen gehabt und einiges vom Leben und Schaffen des 63-Jährigen erfahren. Den idealen Einstieg liefert an diesem Abend die vor Kurzem zu sehende Fernsehverfilmung des ersten Ostfriesenkrimis „Ostfriesenkiller“, die rund acht Millionen Zuschauer erreichte und die Schauspielerin Christiane Paul erstmals in die Klaasen-Rolle schlüpfen ließ. Sieben Jahre, verrät Wolf, hat es von den ersten Gesprächen bis zur ersten Verfilmung gedauert. Von der er im Übrigen sehr angetan ist. Paul, findet er, habe eine überzeugende Leistung abgegeben, dazu vor allem auch Svenja Jung in der Rolle einer geistig behinderten Mörderin.

Bodenhaftung trotz des großen Erfolgs

Wolf hat großen Erfolg und die Bodenhaftung nicht verloren, was viel von seinem Charme ausmacht. Erfolgsdruck, sagt er, verspüre er nicht mehr. Für ihn sei der Prozess des inzwischen so erfolgreichen kreativen Schreibens vielmehr ein großes Glück. „Ich erlebe das als Krönung eines langen, nicht immer einfachen Schriftstellerlebens“, sagt er. „Es gab Zeiten, da wurde bei mir gepfändet.“

Manchmal scheint es, als fiktionalisiere Wolf auch sein eigenes Leben ein wenig. So wie er reale Freunde und Bekannte in seine Romane einbaut und sie Dinge erleben lässt, wo denen sie nicht zu träumen wagten oder gar nicht träumen wollten.

Fangemeinde wartet auf „Totenstille im Watt“

Das Ende der Reise ist offen. Im Februar 2018 wird „Ostfriesenfluch“, der zwölfte Fall für Ann Kathrin Klaasen, veröffentlicht. Doch vorher fiebert die Fangemeinde dem 22. Juni dieses Jahres entgegen. Dann erscheint der Roman „Totenstille im Watt“ mit dem Norddeicher Hausarzt Dr. Bernhard Sommerfeldt als Hauptfigur. Ein Arzt, dem die Menschen vertrauen, so auch Ann Kathrin Klaasen. Ein Mediziner aber auch, dem die Seele des Verbrechers innewohnt. Wolf wagt den Schritt, erstmals ausschließlich aus der Sicht des Bösen zu erzählen. „Ich glaube, dass es funktioniert“, sagt er. „Wann bist du ausgelieferter, als wenn du nackt und krank beim Hausarzt sitzt?“ Die bislang beim Verlag eingegangenen Vorbestellungen deuten an, dass die Branche große Hoffnungen auch in diesen Wolf setzt.


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