„Gedächtnis der Stadt“ Christoph Brunken neuer Stadtarchivar in Delmenhorst

Der neue Stadtarchivar Christoph Brunken, hier im Archiv des Museums auf der Nordwolle, ist seit Anfang März im Dienst. Die Flasche Bier im Bild ist übrigens nicht für die Mittagspause gedacht. Foto: Marco JuliusDer neue Stadtarchivar Christoph Brunken, hier im Archiv des Museums auf der Nordwolle, ist seit Anfang März im Dienst. Die Flasche Bier im Bild ist übrigens nicht für die Mittagspause gedacht. Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Vergangenheit und Gegenwart für die Zukunft sichern, das ist die Aufgabe von Christoph Brunken. Der neue Stadtarchivar hat seine Arbeit aufgenommen.

Ein fundierter Kollege, einer, der weiß, wovon er spricht, ein großer Glücksfall. Dr. Carsten Jöhnk, Leiter des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur auf der Nordwolle, windet gleich einmal ein paar hübsche Girlanden für den neuen Mann im Delmenhorster Stadtarchiv. Christoph Brunken ist dessen Name. Anfang März hat er die Stelle seiner Vorgängers Werner Garbas übernommen, der bereits deutlich zuvor in den Ruhestand gewechselt war. Diplom-Archivar Brunken ist vom Ruhestand ebenso weit entfernt wie von Klischees über Archivare. 1978 in Ostfriesland geboren, in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Niedersächsischen Landesarchiv, zuletzt am Standort Oldenburg, tätig, hat Brunken die „Herausforderung“ der neuen Stelle bewusst gesucht. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt er nach den ersten Wochen – und meint damit nicht nur seinen neuen Arbeitsplatz. „Als guter Bediensteter der Stadt“ habe er seinen Wohnsitz gleich nach Delmenhorst verlegt, sagt er. Und mit viel Lokalpatriotismus fügt er an, dass er dabei helfen will, zu zeigen, wie schön und vielfältig Delmenhorst ist.

Leidenschaft für den Beruf

Wer Brunken zuhört, der spürt die tiefe Leidenschaft für einen Beruf, der oft abschätzig mit „Aktenfressen und Staub“ gleichgesetzt wird. „Das Stadtarchiv ist das Gedächtnis der Stadt“, sagt er. Er will seinen Teil dazu beitragen, dass die wichtigen Dinge im Gedächtnis bleiben. Als Archivar müsse man natürlich auch vieles wegschmeißen. „Aber wegschmeißen, das kann man nur einmal“, weiß er. Sichern, bewahren, zur Verfügung stellen, die Gegenwart für die Zukunft konservieren, das sei seine Aufgabe. „Im Gegensatz zu Google übernimmt der Archivar nicht alles, er verdichtet“, betont Brunken. Wie wurde in der Stadt regiert? Wie gehandelt? Das sind Fragen, auf die das Stadtarchiv Antworten geben kann. Ob analog oder digital – im Hauptarchiv am Wasserturm und im Zwischenarchiv im City Center hat die Stadtgeschichte ein Zuhause. Noch ist Brunken dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. Eines ist ihm bereits klar geworden: „Die Raumnot ist zunehmend ein Problem.“ Urkunden, Briefe, Amtsbücher und Akten, ein umfangreiches Pressearchiv, tausende Fotos und vieles mehr – was bewahrt gehört, entscheidet neben dem Archivgesetz vor allem der Archivar – und was bewahrt gehört, benötigt eben Platz. Die ältesten Dokumente im Stadtarchiv stammen aus dem Jahr 1640. „Das Spannende sind immer wieder die Schicksale hinter den Akten“, weiß Brunken.

Als Einzelkämpfer unterwegs

Als Einzelkämpfer „ohne Budget und Personal“ sieht er sich. Eine missliche Situation sicherlich, die aber auch Ansporn sei. Sein Vorgänger Garbas habe der Stadt mit seiner Arbeit „unschätzbare Dienste erwiesen“, betont er. Dass er zwar auf der Arbeit Garbas‘ aufbauen will, ganz sicher aber seinen eigenen Weg geht, wird im Gespräch deutlich. Zeitgleich mit Brunkens Einstieg ist das Stadtarchiv organisatorisch dem Fachdienst Kultur – und dort dem Nordwolle-Museum – zugeordnet worden. Mit dieser Neustrukturierung soll eine engere Zusammenarbeit möglich werden, von der das Museum ebenso profitieren könne wie das Stadtarchiv. „Es gibt einfach viele inhaltliche Überschneidungen“, sagt dann auch Jöhnk.

Historische Bierflasche als „Geschenk“

Aber auch organisatorisch solle nach gemeinsamen Wegen geschaut werden, eine Software für beide Einrichtungen etwa sei denkbar. Synergien, die in Zeiten knapper Kassen helfen können. Jöhnk konnte sich bereits über ein kleines Geschenk freuen. Brunken hatte im Stadtarchiv eine Bierflasche einer Delmenhorster Brauerei entdeckt, mindestens 90 Jahre, schätzt der Archivar. Die Flasche, noch verschlossen, sei im Museum besser aufgehoben. Brunken ist also nicht nur ein fundierter Kollege, wie Jöhnk sagt, sondern einer, der mitdenkt.


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