Zukunft offen Delmenhorster Nordwolle-Schornstein: Sanierung oder Abriss?

Von Marco Julius

Ein Netz schützt vor herabfallenden Ziegelteilen und Mörtelbrocken.

            
Foto: Marco JuliusEin Netz schützt vor herabfallenden Ziegelteilen und Mörtelbrocken. Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Der Nordwolle-Schornstein bröckelt sichtbar. Ein Gutachten soll nun die Entscheidung erleichtern, wie mit dem markanten Schlot zu verfahren ist.

Nicht nur der Leiter des Nordwestdeutschen Museums für Industriekultur, Dr. Carsten Jöhnk, blickt mit Spannung auf eine politische Entscheidung, die das Bild auf der Nordwolle deutlich verändern könnte. Es geht um den Nordwolle-Schornstein, der erneut bröckelt. Weil am ehemaligen Fabrikschlot immer wieder kleinere Ziegelstücke und Mörtelbrocken herunterfallen, musste aus Sicherheitsgründen am Eingang der Volkshochschule bereits Ende Februar ein Netz gespannt werden. In der vergangenen Woche wurden laut Stadtsprecher Timo Frers weitere abbröckelnde Stückchen vom Schornsteinputz geschlagen, um ein Verletzungsrisiko zu reduzieren.

Sichtbare Schäden am Schornstein. Foto: Marco Julius

Gutachten in Auftrag gegeben

Die Stadtverwaltung hofft, bis zur nächsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und zentrale Angelegenheiten am Mittwoch, 31. Mai, ein Gutachten vorlegen zu können, das Aufschluss darüber geben soll, wie mit dem Schornstein weiter verfahren werden kann. Zu klären ist dabei, wie eine Sanierung technisch möglich ist und was sie dann kostet – oder ob am Ende ein Rückbau bis auf den historischen Sockel die wirtschaftlichste Lösung darstellt.

Als Museumsleiter sagt Jöhnk: „Ich freue mich natürlich über alles, was erhalten bleiben kann.“ Aber er weiß auch, dass in der politischen Entscheidung am Ende das Thema Geld eine große Rolle spielt.

Zukunft des Schornsteins offen

Im Sommer des Jahres 2006 ging es dem ehemals 55 Meter hohen Schornstein erstmals an die Substanz. Bei einer Bestandsaufnahme ein Jahr zuvor waren von einem Gutachter „großflächige Abplatzungen“ festgestellt worden – vor allem in einer Höhe von 20 bis 25 Metern. Der Stadt fehlten damals die finanziellen Mittel, den ehemals denkmalgeschützten Schornstein zu sichern. Daher wurde mit dem Kultusministerium vereinbart, den Schlot abzureißen, den elf Meter hohen Sockel fachgerecht zu sanieren und einen Ersatz-Schornstein mit geringerer Höhe zu errichten. Bis Dezember 2006 wurden dann rund 30.000 runde und halbe Steine in leicht unterschiedlichen Rottönen verbaut, um den Schlot auf die Höhe von 32 Metern zu bringen. Vermutlich auch weil der Schlot nicht in Betrieb ist, bröckelt der Schornstein allerdings schon jetzt wieder. Seine Zukunft ist offen.


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