Bürokratie schlägt zu Delmenhorster Posse um Wald-Ersatz beschäftigt Politik

Sandödnis statt Wald an der Asternstraße - trotzdem muss laut Waldgesetz kostspielig Ersatz angepflanzt werden. Foto: Google, Kartendaten 2017 GeoBasis-DE/BKG 2009, GoogleSandödnis statt Wald an der Asternstraße - trotzdem muss laut Waldgesetz kostspielig Ersatz angepflanzt werden. Foto: Google, Kartendaten 2017 GeoBasis-DE/BKG 2009, Google

Delmenhorst. In Delmenhorst muss Wald-Ersatz für einen Baumbestand geschaffen werden, den es seit mehr als zwei Jahren nicht mehr gibt. Die Ratspolitik berät am 25. April 2017 über die skurrile Auflage.

Pläne für eine Gewerbeansiedlung an der Asternstraße (zwischen Bremer Straße und Bahnlinie) werden begleitet von skurrilen bürokratischen Auflagen: Wie aus den Unterlagen für den öffentlichen Planungsausschuss des Stadtrates (25. April ab 17 Uhr in der Willms-Mensa) hervorgeht, muss Baumersatz für einen „Wald“ geschaffen werden, den es aus dem besagten Grundstück seit mehr als zwei Jahren gar nicht mehr gibt und der überdies lediglich aus wilden Sträuchern und ein paar Bäumchen bestand. Die Kosten für die Ersatzanpflanzungen von 13800 Euro soll den Angaben zufolge die Firma übernehmen, die auf dem einstigen Bahngelände einen Garagenhof für Wohnmobile, Oldtimer und Boote errichten will.

Umwandlungsverfahren eingeleitet

Im Amtsdeutsch ist die Rede von einem „Waldumwandlungsverfahren“, mit dem die Bebaubarkeit der Fläche sichergestellt wird. Nach Aufgabe der Bahnnutzung hatten sich auf einem Viertel des knapp 4700 Quadratmeter großen Geländes Zitterpappel, Birken, Sträucher und weiterer „begleitender“ Baumbewuchs breitgemacht – wie die Verwaltung ausführt, ist dieses Grün laut niedersächsischem Waldgesetz als Wald einzustufen. Den aber gibt es mittlerweile gar nicht mehr, weil er im Winter vor zwei Jahren abgeholzt und durch eine Sandauffüllung ersetzt wurde. Den gesetzlichen Bestimmungen zufolge muss aber weiterhin eine Waldfläche angenommen werden, die erst mit dem jetzt im Ausschuss anstehenden Beschluss für ein Gewerbegebiet formal umgewandelt und ersetzt werden kann.

Forstliches Gutachten

Es wurde sogar ein forstliches Gutachten für den Ex-Wald erstellt, das sich allein auf eine Rekonstruktion aus Fotos, Infos der Umweltbehörde sowie den angrenzenden Bewuchs stützt. Laut dieser Expertise soll nun auf Grundlage eines ebenfalls gesetzlich geregelten Umrechnungsfaktors ein Ersatzwald angepflanzt werden mit einer Größe von 1500 Quadratmetern. Das wiederum geschieht nach Rathausangaben nicht an Ort und Stelle oder angrenzend, sondern in Nähe des Brendelwegs im Stadtsüden. Dort besitzt die Stadt ein Grundstück, auf dem nun - von einem externen Planungsbüro per Maßnahmenkonzept vorbereitet - Altgehölzbestand mit Eichen und Buchen aufgeforstet wird.


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