Auf Tauchstation Delmenhorster forscht als Meeresbiologe in den Weltmeeren


Delmenhorst. Forschungsprojekte ziehen den Delmenhorster Christopher Nowak auf und unter die Meere dieser Welt. Seine Arbeit als Meeresbiologe ist dennoch ganz anders, als man sie sich vorstellt.

„Wenn man Meeresbiologe werden möchte, dann wird man keine Babyschildkröten ins Wasser tragen oder Robben streicheln. Das ist ein falsches Bild.“ Das weiß Christopher Nowak ganz genau. Der Delmenhorster erkundet als studierter Meeresbiologe die Gewässer der Welt.

Obwohl er nicht von der Meeresküste stammt, sondern aus dem nicht unmittelbar wassernahen Delmenhorst, hegte er dennoch den Wunsch, sich der Wissenschaft vom Leben im Meer zu widmen „Ich war schon immer wasseraffin“, erklärt Nowak. „Ich hatte in jungen Jahren ein Aquarium – und dann wurden das dann irgendwann vier Stück in meinem Zimmer. Ich musste sie inzwischen leider aufgrund der Auslandsaufenthalte abbauen.“ Außerdem war Nowak Mitglied im Kanu-Verein und auch lange bei der DLRG. „Ich hab also schon immer irgendwas mit Wasser zu tun gehabt, von daher war für mich auch klar, dass das irgendwie in die Richtung gehen soll.“

Ausbildung zum Forschungstaucher

Seinen Bachelor in Biologie machte der 28-Jährige in Oldenburg. Parallel zum Studium absolvierte er dort auch gleich seine Ausbildung zum Forschungstaucher. Die Spezialisierung zum Meeresbiologen folgte dann im Master in Bremen.

„Genug Leute haben mir davon abgeraten, Meeresbiologie zu studieren. Ich habe gesagt: Selbst wenn ich auf die Nase fliege, ich muss das probieren“, erinnert er sich. Und bisher habe sich das auch rentiert, findet er. Wichtig seien vor allem Elan, Flexibilität und Durchhaltevermögen. „Man darf sich nicht unterkriegen lassen. Es ist ein schwieriges Feld. Aber man wird dadurch belohnt, dass man in die Welt kommt.“ (Weiterlesen: Forschung – Austern und Anchovis schätzen wärmere Nordsee)

Fast alle Kontinente bereist

Und Nowak hat schon viel gesehen von der Welt: Zuletzt war er in der Antarktis, in Saudi-Arabien, auf Französisch-Polynesien, in Australien, Chile und auch in der Arktis.

„Ich bin sehr reiselustig“, sagt der Biologe von sich selbst. „Bei mir hat das im Studium schon angefangen.“ Im Master konnte er gleich im ersten Jahr nach China reisen, wie er berichtet. „Da wurde meine Reiselust erst richtig geweckt.“ Mit einer Reise in die Antarktis habe er sich einen Traum erfüllt. Nordamerika ist der letzte Kontinent, den er noch nicht bereist hat. (Weiterlesen: Welche Meerestiere kann man überhaupt noch essen?)

Der Polarstern bahnt sich seinen Weg durch das Eis in der Arktis. Foto: Christopher Nowak

„Die Erde besser machen“

„Als Wissenschaftler hat man die Möglichkeit, an Orte zu kommen, wo man es selbst nie hinschaffen würde, rein finanziell oder auch sonst nicht.“ Aber das ist ihm nicht das Wichtigste: „Es geht auch darum, sich weiterzubilden und zu versuchen, die Erde, so klischeehaft es auch klingt, irgendwo ein Stück weit besser zu machen“, so der Meeresbiologe. „Es ist schon wichtig, weiter daran zu arbeiten und die Leute zu belehren, dass sie ein bisschen mehr auf den Ozean achten – und das auch als kleiner Delmenhorster irgendwo am anderen Ende der Welt“, sagt Nowak und lacht. „Aber irgendwo muss man ja anfangen.“

Auch wenn er für seine Forschungen viel unterwegs ist, hat er in Delmenhorst weiterhin seine Wohnung. Sein Leben beschreibt er als „blockweise“: Zunächst steht die Vorbereitung und Planung von Projekten an. Darauf folgt dann die Feldarbeit, die Arbeit mit den Forschungsobjekten in den Meeren der Welt, „was mir am meisten Spaß macht, weil man etwas von der Welt sieht, aber eben auch aktiv mit den Organismen interagiert.“ Darauf folgt die statistische Auswertung, das Schreiben und Publizieren.

„Semi-Selbstständigkeit“

„Publizieren ist die Hauptaufgabe eines Wissenschaftlers, um das Wissen, das man generiert hat, weiterzugeben“, erläutert Nowak. Über ein Jahr dauere es teilweise, je nach Größe des Projektes, bis so eine Publikation fertig ist. „Die Währung der Wissenschaft sind die Publikationen. Mit denen profiliert man sich dann wieder für das nächste Projekt.“ Sein finales Ziel: eine Festanstellung an einer Universität oder in einem Institut. Dieses Ziel sei jedoch schwer zu erreichen, gibt Nowak zu bedenken.

Dadurch, dass Nowak momentan von Projekt zu Projekt lebt, sei es nicht nur schwierig, fest bezahlt zu werden. „Auch mit der Familienplanung ist es nicht leicht, weil man kein festes Einkommen hat“, sagt der 28-Jährige.

Zeitweise Fernbeziehung

Wenn er von Familienplanung spricht, dann denkt er an seine Verlobte. Im Mai wollen die beiden heiraten. An die zwischenzeitliche Distanz während seiner Forschungsreisen habe sich das Paar inzwischen gewöhnt, versichert Nowak. Durch technische Mittel wie Whatsapp und Skype sei das Ganze für ihn eigentlich kein Problem.

„Selbst in der Antarktis war täglich Kommunikation möglich“, erinnert sich Nowak und muss schmunzeln. „Und das Delmenhorster Kreisblatt habe ich auch auf Facebook, von daher weiß ich auch immer was in Delmenhorst los ist, selbst wenn ich sonst wo bin“, sagt er lachend.

In der gleichen Nische

Auch seine Freundin musste schon für ihre Forschungen – im gleichen Fachbereich – für längere Zeit verreisen. „Ich glaube, sonst wäre das auch schwierig, wenn man jemanden hat, der nicht Wissenschaftler ist. Dann ist das schwerer, einander zu verstehen hinsichtlich der Arbeit und der Auslandsaufenthalte. Und man kann sich auch gegenseitig helfen – beispielsweise beim Korrekturlesen.“

Und wenn die beiden denn mal auf Forschungsreise wollen, dann versuchen sie auch, sich abzupassen und in die gleichen Projekte zu kommen, erklärt Nowak. So auch bei ihrem nächsten Projekt: eine gemeinsame Reise nach Australien für ihre Doktorarbeiten.

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