Nach Gerichtsbeschluss Delmenhorst: Stadtwerke drehen Wasserhahn im Wollepark wieder auf

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Delmenhorst. Infolge eines Gerichtsbeschlusses müssen die Stadtwerke Delmenhorst die Wasserversorgung für zwei Wohnblocks im Wollepark wiederherstellen. Eine Frist wurde nicht eingehalten. Die Polizei hat inzwischen Ermittlungen wegen Betrugs aufgenommen.

„Wir werden den Hahn wieder aufmachen“, sagte Oberbürgermeister Axel Jahnz am Mittwoch im Rathaus. Laut Mitteilung der Stadtwerkegruppe wird dies „schnellstmöglich“ erfolgen. „Anlass der Entsperrung ist ein Beschluss des Landgerichts Oldenburg, in dem die Stadtwerkegruppe aufgefordert wird, die Wassersperre aufzuheben“, teilte Sprecherin Britta Fengler mit. Die Eigentümergemeinschaft habe das Gericht davon überzeugt, die ausstehenden Zahlungen durch eine Sondereinlage ausgleichen zu können.

Michael Herrmann, Sprecher des Landgerichts, erklärte auf Nachfrage, dass die Stadtwerke bei einer Kündigung der Wasserversorgung erst zwei Wochen nach Benachrichtigung der Betroffenen das Wasser hätten abstellen dürfen. „Das ist nicht eingehalten worden, deswegen ist die Kündigung unwirksam“, erklärte Herrmann. (Weiterlesen: Stadt Delmenhorst dreht im Wollepark den Hahn ab)

Zum Wiederherstellen der Wasserversorgung teilte die Stadtwerke-Sprecherin Fengler mit: „Bei diesem Vorgehen handelt es sich lediglich um eine Pause und ein Angebot, um der Immobilienverwaltung die Möglichkeit der Begleichung der offenen Forderungen zeitnah zu ermöglichen.“ An der angekündigten Gassperrung ändere sich nichts. Diese solle zum Ende des Monats erfolgen, wenn kein Geldeingang zu verzeichnen ist.

Mobile Toiletten aufgestellt

Am Dienstag hatte die Stadtwerkegruppe den Wohnblöcken „Am Wollepark“ 11 und 12 abgestellt. Wegen nicht bezahlter Rechnungen von den Vermietern an die Delmenhorster Stadtwerke in Höhe von rund 180.000 Euro wurde der Wasserzugang gestoppt. Über eine Notfallversorgung konnten die Menschen vor den Wohnblocks Wasser abzapfen. Am Mittwoch stellte die Stadt vier mobile Toilettenkabinen vor den Gebäuden auf. (Video: Wasser in Wollepark-Blöcken ist abgestellt)

„Werden weiterhin so unangenehm wie möglich aufschlagen“

Infolge der Wassersperre erklärte der Oberbürgermeister, dass die Wohnblöcke im Wollepark nicht wegen miserabler Zustände geräumt werden könnten. „Wir können nicht an die Tür klopfen und Wohnungen beschlagnahmen“, sagte Jahnz, „ich habe mich an die Regeln des Rechts zu halten.“ Das Recht besagt nach Angaben des Oberbürgermeisters, dass die Stadt nur aus bauordnungsrechtlichen Gründen auf Wohnungen zugreifen kann. Nur aufgrund gravierender baulicher Mängel, die den Erhalt eines Gebäudes gefährden, könnte eine Räumung veranlasst werden.

Trotzdem werde die Stadt „weiterhin so unangenehm wie möglich aufschlagen“, sagte Jahnz, um an das Geld von den Vermietern im Wollepark zu gelangen. Mit einem weiteren Wasser- oder Gasstop könne gerechnet werden.

Anzeige bei Polizei erstattet

Im Zusammenhang mit der Wassersperre ist bei der Polizei Delmenhorst eine Strafanzeige wegen Betruges gegen Verantwortliche einer Hausverwaltung sowie weitere Personen erstattet worden. Ermittlungen wurden eingeleitet. „Der Sachverhalt ist komplex, da strafrechtliche und privatrechtliche Aspekte berücksichtigt werden müssen“, hieß es in einer Mitteilung. Zu weiteren Einzelheiten machten die Beamten keine Angaben.

(Hintergrund: Die Geschichte hinter der Wassersperre im Wollepark)


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